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+++ HL-live.de - Archiv +++29.03.2006 13.09
ZDF: Boden um KKW Krümmel radioaktiv verseuchtDer ZDF-Report "Tod an der Elbe – Das Leukämiedrama von Geesthacht", der am Sonntag, den 2. April, um 23.30 Uhr, ausgestrahlt wird, enthüllt neue, brisante Fakten über die unheimlichen Blutkrebs-Erkrankungen an der Oberelbe bei Hamburg. Die Dokumentation weist nach: Im Umkreis des Kernkraftwerkes Krümmel und des Kernforschungszentrums GKSS in Geesthacht ist der Boden heute an bestimmten Stellen radioaktiv kontaminiert.
Die ZDF-Reporterinnen Barbara Dickmann und Angelica Fell haben vierzehn Monate lang die Hintergründe der weltweit einzigartigen Häufung an Kinderleukämie in der Elbmarsch recherchiert. Ihre ZDF-Dokumentation erhärtet den Verdacht: Am Freitag, den 12. September 1986, habe sich im Atom-Distrikt von Schleswig-Holstein, nur 30 Kilometer von Hamburg entfernt, ein bisher geheim gehaltener Störfall ereignet und Radioaktivität freigesetzt. Das ZDF geht der Frage nach: Sind durch diesen mutmaßlichen Atom-Unfall bisher sechzehn Kinder an Leukämie erkrankt?
"Innerhalb von nur fünf Jahren haben wir allein in der kleinen Gemeinde Tespe sechs Leukämie-Erkrankungen gehabt. Hier hätte sich statistisch nur alle 60 Jahre ein einziger Erkrankungsfall ergeben dürfen", erklärt Dr. Hajo Dieckmann, der Leiter des Gesundheitsamtes Lüneburg, in der ZDF-Sendung am Sonntag.
Rico, das vierte Todesopfer aus der Nähe der Atomanlagen in Geesthacht, wurde nicht einmal fünf Jahre alt. Die meiste Zeit seines kurzen Lebens war der Junge krank. Chemotherapie, Bestrahlungen und eine Knochenmarkstransplantation konnten ihn nicht retten. Vor Rico (5), der im Januar beerdigt wurde, starben Angela (9), Sebastian (11) und Söhnke (21).
Für die ZDF-Dokumentation "Tod an der Elbe" sind auf Initiative und Kosten der "Bürgerinitiative Leukämie" und den "Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg" diverse Erdproben im Bereich der Atomanlagen in Krümmel und Geesthacht entnommen worden. Die Ergebnisse sind bestürzend: Die Gegend weist eine deutlich erhöhte künstliche Radioaktivität auf, darunter Plutonium und Thoriumkonzentrationen.
Die Autorinnen Barbara Dickmann und Angelica Fell: "Unser Bericht deckt zahlreiche Merkwürdigkeiten auf und widerlegt offizielle Untersuchungsergebnisse. Auch an der Tatsache, dass nirgendwo sonst so viele Kinder an Leukämie erkranken und sterben, ist nicht zu rütteln".
"Im Herbst 1986, da gibt es Augenzeugenberichte, hat es auf dem Hochufer, wo die Kernforschungsanlage GKSS steht, einen großen Brand gegeben", erklärt Kernphysiker Dr. Sebastian Pfugbeil von der "Gesellschaft für Strahlenschutz" in Berlin den ZDF-Reporterinnen. Auskünfte zu einem solchen Brand will die Feuerwehr in Geesthacht dem ZDF-Team nicht geben - und kann dies auch nicht. Denn alle Einsatzprotokolle von September 1986 sind bei einem Brand im Aktenschrank der Feuerwache vernichtet worden.
Warum sollte an der Oberelbe etwas vertuscht werden? "1986, Tschernobyl war gerade passiert. Da wäre hier die Atomindustrie still gelegt worden, ganz einfach. Die friedliche Nutzung der Kernenergie wäre erledigt gewesen", sagt der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete und Bürgermeister Uwe Harden in "Tod an der Elbe".
Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben 1992 international anerkannte Wissenschaftler eingesetzt, die Geheimnisse des 12. September 1986 herauszufinden. Am 1. November 2004 der Eklat: Sechs der acht Mitglieder der Fachkommission "Leukämie" legen ihre Arbeit mit der Begründung nieder, ihre Tätigkeit sei von den offiziellen Stellen systematisch behindert worden. Das Land Schleswig-Holstein schließt 2004 die Akte Elbmarsch.
"Die Kommission hat zwölf Jahre nach Ursachen gesucht und alle erdenkliche Ursachen für die Leukämie-Serie ausschließen können – chemische Gründe, Düngemittel, Pestizide und andere Umweltgifte. Übrig geblieben ist die Vermutung, dass Strahlung die Leukämie-Fälle an der Elbe ausgelöst", erläutert ein Kommissions-Mitglied, der Strahlenbiologe Prof. Edmund Lengfelder von der Universität München.
"Das Sterben hier muss aufhören. Die jetzige Regierung steht in der Pflicht, alles zu tun, um flächendeckend aufzuklären, wo die Kontaminationen sind", unterstreicht Prof. Otmar Wassermann aus Kiel, der ehemalige Vorsitzende der Leukämie-Kommission Schleswig-Holstein. Autor: Bavaria Film Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.
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