Kritik an dem Polizeieinsatz zu den Krawallen am Samstagnachmittag kommt aus allen politischen Richtungen. Hans-Lothar Fauth (CDU) sieht den Umgang mit den Demonstranten als zu lasch an, Bernd Möller (Grüne) sieht taktische Fehler.
Hans-Lothar Fauth war jahreland Mitglied im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung der Lübecker Bürgerschaft. Am Samstag machte er sich ein eigenes Bild in der Innenstadt und war entsetzt. "Der Schaden für Lübeck und die Geschäfte ist sehr groß!" Besonders ältere Passanten seien sehr verunsichert gewesen. Der Umgang mit den Autonomen sei viel zu lasch. "Es gibt zwar Versammlungsfreiheit, aber warum können die das nicht auf dem Buniamshof machen?"
Bernd Möller versuchte über Handy die Polizeiführung zu einer Änderung der Taktik zu bewegen.
Bernd Möller, stellvertretender Fraktionschef der Lübecker Grünen, nahm an der Gegendemo teil. "Die Polizeitaktik war katastrophal", sein Fazit. Mit dem Handy versuchte er Polizeichef Heiko Hüttmann auf die Situation aufmerksam machen. "Man hätte die Nazis nicht in die Innenstadt leiten dürfen, sondern gleich wieder über die Lachswehr zum Bahnhof zurück leiten müssen. Auch die Vergehen, einige wenige Straßenschilder umzukippen, einen klapprigen kleinen Holzzaun umzureißen oder 2 bis 3 Papiercontainer anzuzünden, schaden dem Bild der friedlichen Demonstration. Aber sie sind kein Grund, jungen Menschen mit Knüppeln auf den ungeschützten Kopf oder Körper zu schlagen! Polizisten waren nach Aussagen von Umstehenden selbst nicht in Gefahr. Aber sie haben mit ihrem Schlagstockeinsatz das Leben mancher Jugendlicher gefährdet und deren Bild von Demokratie übel geprägt." Sein Fazit: Vielleicht sollte der Einsatzleiter Herr Hüttmann doch mal ein Praktikum bei seinen Berliner Kollegen absolvieren, um zu lernen, wie man Deeskalation auch technisch beherrscht und durchsetzt.
Ähnlich äußert sich auch Antje Jansen. Die Lübeckerin ist neue Landesvorsitzende der Linkspartei. Die Rechtsradikalen auf Umwegen in die Innenstadt führen zu wollen, sei ein fataler Fehler gewesen.
Kritik an Polizei-Führer Heiko Hüttmann kommt auch von der Kirche. "Hatte er nicht die Courage, seinen Ermessensspielraum zu nutzen? Jedenfalls hat er mit der Entscheidung, die Neonazis zum Dom zu leiten, die Situation unnötig verschärft", sagt Martin Schultner, evangelischer Pastor.
"Auf der Holstenbrücke waren wir alle noch voller Hoffnung, dass wir den Neonaziaufmarsch mit friedlichen Mitteln gestoppt haben. Umso größer mein Unverständnis, dass ihnen der Weg in die Innenstadt dennoch ermöglicht werden sollte", erklärte Melanie Meyer vom DGB Lübeck, die die Gegendemo mit organisiert hat.
Die Rechtsradikalen äußerten am Ende der Demo Zufriedenheit, dass es ihnen gelungen war, überhaupt einen Aufmarsch in Lübeck zu organisieren, und dass sie durch die Gegenaktionen so viel Aufmerksamkeit bekamen. Der Vorbereitungskreis der Gegendemo wertet die Tatsache, dass der Naziaufmarsch am Mühlendamm abgebrochen werden musste und die Route durch die Innenstadt doch noch verhindert werden konnte, als großen Erfolg für die Zivilcourage der Demonstranten.
Autor: VG
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