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31.10.2007 14.55


Nur in Lübeck: Sicherheitskäfig für den Reisepass

Der neue Reisepass ist umstritten. Grund: Er speichert Daten auf einem RFID-Chip, der unbemerkt ausgelesen werden kann. Als erste Kommune Deutschlands bietet Lübeck jetzt eine Schutzhülle an, die das Ausspähen verhindert.

Vom 1. November 2007 an werden bundesweit in den Passbehörden elektronische Reisepässe der zweiten Generation ausgegeben, in denen auf einem Chip zusätzlich zu den bisherigen Angaben (Namen, Geburtstag, Seriennummer, Gültigkeitsdatum, Gesichtsfoto) zwei Fingerabdrücke gespeichert werden. Diese RFID- (Radio Frequency Identification) Chips können mit Funktechnik ausgelesen werden, wenn dem Lesegerät Geburtstag, Seriennummer und Gültigkeitsdatum sowie ein besonderer Verschlüsselungscode bekannt sind.

Diese Vorkehrungen sind nach Ansicht des Bundesministeriums des Innern (BMI) ausreichend, um einen Missbrauch der gespeicherten Daten auszuschließen. Angesichts der verbleibenden Restrisiken bieten die Hansestadt Lübeck als erste deutsche Kommune und das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) Inhabern der neuen elektronischen Pässe für sechs Euro eine Alu-Schutzhülle an, die als Faraday’scher Käfig ein ungewolltes Auslesen der Reisepassdaten verhindert.

"Wir erkennen an, dass das Innenministerium große Anstrengungen unternimmt, den Missbrauch der Passdaten zu verhindern", sagt Lübecks Innensenator Thorsten Geißler. "Ebenso wie der Bundesinnenminister wissen wir aber auch, dass gewisse Restrisiken weiterhin bestehen." Dies veranlasse beispielsweise selbst den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, seinen neuen Pass mit einer Alu-Hülle gegen unbefugtes Auslesen zu schützen, wie ULD-Leiter Thilo Weichert ergänzte. "Zur Erhöhung der Datensicherheit stellen wir daher den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gegen einen Kostenbeitrag solche Alu-Hüllen zur Verfügung und geben in einem Hinweisblatt weitere Informationen, wie der Missbrauch der Daten verhindert werden kann", so Geißler weiter.

Im Rahmen des internationalen Projektes FIDIS haben Sicherheitsexperten des ULD sowie aus anderen europäischen Staaten festgestellt, dass mit dem per Funk auslesbaren elektronischen Reisepass neue Gefahren des Identitätsdiebstahls und der Detektierung beziehungsweise des sogenannten "Trackings" entstehen. Dies berichtet ULD-Leiter Thilo Weichert. Auf diese Risiken werde in der sogenannten "Budapest-Erklärung" dieses EU-Exzellenznetzwerks hingewiesen. "Ohne dass ein Mensch dies merkt, kann ein Angreifer, der einige Zusatzinformationen besitzt, die er sich anderweitig beschaffen kann, die biometrischen Daten des Passes auslesen und elektronisch die Anwesenheit des Passinhabers und des Passes feststellen und elektronisch speichern", so Weichert weiter. Würden Passdaten illegal ausgelesen, so könnten diese auf ein gefälschtes Dokument kopiert und zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. "Mit Hilfe der von uns angebotenen Alu-Hülle wird diese Form des Datenmissbrauchs weitestgehend ausgeschlossen", versichert der Datenschutzexperte.

Der Hansestadt Lübeck und dem ULD geht es mit ihrem gemeinsamen Angebot nicht darum, unbegründete Befürchtungen, die teilweise mit den neuen elektronischen Ausweisdokumenten verbunden sind, zu schüren. Vielmehr soll durch das zusätzliche Angebot den Menschen der Selbstschutz ihrer Daten bei der Nutzung des neuen Reisepasses erleichtert werden. Die Schutzhüllen können vom 1. November an in der Meldebehörde der Hansestadt erworben werden.

Autor: Presseamt Lübeck/red.

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