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24.02.2008 17.35


Giftgas in der Ostsee: Zeitzeugen gesucht

"Der aktuelle Fall mit den geheimnisvollen Giftflaschen in der Lübecker Bucht macht eins deutlich - das Wissen unserer Behörden ist sehr eingeschränkt", sagt der renommierte Koblenzer Wissenschaftler Dr. Stefan Nehring, der die Versenkung des Giftgases in die Öffentlichkeit gebracht hat. Er sucht jetzt Zeitzeugen.

Nach zehn Jahren werden die meisten Akten vernichtet. Ältere Geschehnisse sind dann offiziell nicht mehr dokumentiert. "Wie kann man diesem Vergessen begegnen? Eigentlich ganz einfach - man muss Zeitzeugen finden, die sich an derartige Vorgänge erinnern oder die konkrete Hinweise auf alte Dokumente oder Zeitungsmeldungen geben können", so Dr. Nehring. "Ob der Zeitzeuge selbst aktiv beteiligt war oder die Informationen nur durch Lesen (von z.B. Tageszeitungen) oder Hörensagen kennt, spielt keine Rolle - JEDER Hinweis ist wertvoll."

In der Lübecker Bucht wurden seit Ende des 2. Weltkrieges diverse Versenkungen durchgeführt: Bisher bekannt ist, dass zwischen 1945 und 1947 alte Munition, in den 1950er und 1960er Jahren Industrieschlämme und im Februar 1961 fünfzehn Gasflaschen mit giftigen Gasen versenkt worden sind. Vermutlich ist diese Liste aber nicht vollständig.

In der Lübecker Bucht wurden aber auch diverse Bergungen von vorher versenkten Objekten durchgeführt: Die bisher bekanntesten Bergungen fanden zwischen 1952 und 1958 statt, als alte Munition für Altmetallgewinnung wieder geborgen wurde. "Sicherlich wurden weitere Bergungen durchgeführt", glaubt der Wissenschaftler.

"Viele der versenkten Objekte sind gefährlich für Mensch und Umwelt - deshalb hat man sie ja in den meisten Fällen auch im Meer versenkt. Aber sie sind dort nicht weniger gefährlich. In den letzten Jahrzehnten gab es daher auch wiederholt Hinweise und Meldungen, dass Menschen verletzt wurden: Im Bereich der Lübecker Bucht meistens verursacht durch Phosphor aus Brandbomben, der als vermeintlicher Bernstein in der Hand oder Hosentasche zu Verbrennungen führt."

Als promovierter Meeresbiologe und Gutachter für Umweltfragen berät Dr. Nehring seit mehr als 15 Jahren Behörden und andere Institutionen zum Thema Altlasten im Meer. "Da die Aktenlage sehr schlecht ist, suche ich jetzt Zeitzeugen, die mir ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu den oben dargelegten Vorkommnisse zu Versenkungen, Bergungen und Unfällen aber auch zu bisher nicht bekannten Vorfällen berichten. Jede Information kann wichtig sein."

Dr. Stefan Nehring ist unter Telefon 0261/1330398 zu erreichen. Er ruft auf Wunsch auch sofort zurück. E-Mail: zeitzeuge@aet-umweltplanung.de. Auf Wunsch garantiert der Wissenschafter absolute Vertraulichkeit und Anonymität.

Autor: red.

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