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+++ HL-live.de - Archiv +++10.03.2008 11.50
Jetzt ist die Nordtangente auf!124 Jahre lang wurde geplant und gebaut. Am Montag um kurz nach 11 Uhr rollte das erste Fahrzeug über die Nordtangente. "So sind wir Lübecker: zielstrebig, schnell und konsequent", scherzte Bürgermeister Bernd Saxe.
Es wird erwartet, dass künftig bis zu 40.000 Fahrzeuge diese neue Brücke nutzen werden. "Die Nordtangente wird zu einer deutlichen verkehrlichen Entlastung im Umfeld der historischen Altstadt führen", sagte Minister Dietrich Austermann. "Außerdem erwarte ich von dieser leistungsfähigen Hinterlandanbindung an die A 1 nachhaltige Impulse für die Entwicklung der Hafenwirtschaft, die dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit Lübecks gegenüber den anderen Ostseehäfen zu sichern und auszubauen."
Minister Austermann und Bürgermeister Saxe übernahmen die erste Brückenöffnung. Austermann übernahm die Öffnung der 1600 Tonnen schweren Klappe. Und hätte fast die Eröffnung verzögert: Er freute sich über den großen roten Knopf. In letzter Sekunde konnte ein Mitarbeiter der Bauverwaltung davon abbringen, auf den Knopf zu drücken. "Das ist das Not-Aus!" Gesteuert wird die Anlage mit einer normalen Computer-Maus.
Bürgermeister Bernd Saxe übernahm das Absenken der Brücke. "In Lübeck klappt alles - außer der Hubbrücke", witzelte er. "Wir sind hier ja auch nicht in der Bürgerschaft", ergänzte Peter Jugert, Bürgerschaftmitglied der CDU.
Die freie Durchfahrt nutzte das Feuerwehrboot "Senator Emil Peters". Es begrüßte die neue Brücke mit einer Wasserfontäne.
"Die Landesregierung ist sich der günstigen strategischen Lage Lübecks auch im Hinblick auf eine feste Fehmarnbelt-Querung bewusst. Um die damit verbundenen Chancen auch wirksam nutzen zu können, sind Investitionen in den Ausbau des städtischen Straßennetzes unverzichtbar", meint Minister Austermann. So sind durch das Land als weitere Vorhaben im Zusammenhang mit der Nordtangente auch der Ausbau der Straße "Bei der Lohmühle" einschließlich der Kreuzung Schwartauer Allee / Karlstraße und der Umbau des Lohmühlenplatzes mit Fördermitteln unterstützt worden. Als weitere Fördervorhaben befinden sich unter anderem der Ausbau des Straßenzuges Seelandstraße - Herrenwyk, der Ausbau der Moislinger Allee zwischen Lindenplatz und Töpferweg und der Neubau der Meierbrücke mit einer städtischen Kostenbeteiligung zurzeit in der baulichen Umsetzung.
Die lange Geschichte der Nordtangente
Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Hansestadt Lübeck erste Überlegungen, die bestehenden Fährverbindungen über die Trave im Bereich der heutigen Nordtangente durch eine bewegliche Brücke zu ersetzen. 1884 war eine Drehbrücke vorgesehen, später eine Klappbrücke. 1908 lehnte die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck ein solches Verkehrsbauwerk ab. Während der beiden Weltkriege ruhte die Planung. Erst nach dem Wiederaufbau wurde in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dieses für die Stadt so wichtige Straßen- und Brückenbauvorhaben von dem Straßenbaulastträger, der Hansestadt Lübeck, Bereich Verkehr, erneut aufgegriffen und die Planungen vorangetrieben.
1994 sah die Planung eine Hubbrücke mit einer lichten Durchfahrtsbreite von rund 87 Metern und einer Hubhöhe von 47 Metern vor. Eine Brücke mit diesen Abmessungen hätte alle Forderungen erfüllt, die von Seiten des Hafens und der Schifffahrt an die Brücke gestellt wurden. Mit dieser Hubbrücke wurde für die insgesamt 1,3 Kilometer lange Nordtangente ein Gesamtinvestitionsbedarf von rund 124 Millionen Euro ermittelt. Dieser war nicht zu finanzieren. Insbesondere das Land Schleswig-Holstein als Hauptzuschussgeber forderte eine drastische Baukostenreduzierung.
Wieder setzte in der Hansestadt Lübeck eine lebhafte Diskussion über Planungsvarianten der Nordtangente ein. Mit rund 51 Millionen Euro brachte letztlich der Systemwechsel von der Hub- zur Klappbrücke die größte Einsparung. Allerdings wurde damit die lichte Durchfahrtsbreite auf 37,50 Meter reduziert, so dass zukünftig die Innenstadthäfen nicht mehr für jede Schiffsgröße erreichbar sind.
Auf der Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses vom Sommer 1999 wurden in den Jahren 2000 und 2001 umfangreiche Gleisbauarbeiten im Hafengelände am Konstinbahnhof durchgeführt. Die eigentlichen Bauarbeiten an der Nordtangente begannen mit dem ersten Spatenstich am 11. November 2002 in der Neuen Hafenstraße. Wegen des schlechten Untergrundes wurde dort die Tragfähigkeit des Bodens im Rampen- und Leitungsbereich durch eine flächige Rüttelstopfverdichtung mit Kiesstopfsäulen erhöht. Anschließend wurden die Ver- und Entsorgungsleitungen aus dem Bereich der vorhandenen Neuen Hafenstraße herausgenommen und entlang des zukünftigen Böschungsfußes neu verlegt. Insgesamt wurden rund 5600 Kiesstopfsäulen mit einem Durchmesser von mindestens 0,75 Meter bis in Tiefen von 13 bis 15 Meter eingebracht. Der Abstand zwischen den einzelnen Säulen beträgt rund einen Meter. Diese Baumaßnahme wurde als erster Bauabschnitt der Neuen Hafenstraße von November 2002 bis Juni 2004 ausgeführt.
Der erste Rammschlag für die Eric-Warburg-Brücke fand am 9. November 2004 statt. Sie besteht aus einer rund 50 Meter langen einflügligen Klappbrücke mit einem tiefliegenden Gegengewicht und den beiden 73 und 51 Meter langen Vorlandbrücken in Stahlverbundbauweise. Die Eric-Warburg-Brücke verläuft vom Widerlager Einsiedelstraße aus über einen Wasserpfeiler zum großen Klappenpfeiler, auf dem die Klappbrücke montiert ist. Die Klappe liegt auf der anderen Seite auf dem Klappenspitzenpfeiler auf. Dort schließt sich die Vorlandbrücke Ost an, die über einen Landpfeiler am Konstinkai bis zum Widerlager Neue Hafenstraße führt. Der Bau begann mit den drei Wasserpfeilern. Im Mai 2005 wurde als erster der Bewehrungskorb für das Fundament des großen Klappenpfeilers mit Hilfe eines Schwimmkranes eingebracht, so dass anschließend der Unterwasserbeton eingebaut werden konnte. Gleiches folgte für die beiden anderen Wasserpfeiler.
Parallel zu den Bauarbeiten vor Ort in Lübeck wurden die Stahlträger für die Vorlandbrücken und die Klappe im Werk gefertigt. Diese großen Bauteile kamen auf dem Wasserweg nach Lübeck. Mitte Dezember 2005 wurden die Stahlträger des Überbaues West montiert, Mitte April 2006 die des Überbaues Ost. Am 5. Juli 2006 wurde die Klappe mit einem Schwimmkran eingehoben. Dazu musste die Trave vier Tage gesperrt werden. Erst nach dem Einbau des rund 800 Tonnen schweren Gegengewichtes konnte die Klappe geöffnet werden. Sie verblieb in dieser Stellung, um die Schifffahrt nicht zu behindern.
Als sehr aufwendig stellte sich die Technische Ausrüstung der Klappbrücke heraus. Der Probebetrieb der Technischen Ausrüstung wurde im Dezember 2007 vor Ort beendet. Erst im Anschluss daran konnte als Voraussetzung gemäß DIN zur Abnahme die erste Brückenhauptprüfung stattfinden. Die Brücke wurde am 4. März 2008 abgenommen und damit von der Bau-ARGE in die Verantwortung der Hansestadt Lübeck übergeben.
Hören Sie hier Minister Austermann im Originalton:
Unseren Bericht über die neuen Staus im Zuge der Nordtangente lesen Sie hier.
Autor: VG Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.
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