Die Politik beschäftigt ein Vorschlag, der Lübeck als Kulturstadt voranbringen soll: Die Abschaffung der Eintrittsgelder in den Museen. In vielen Museen würden nur 64 Besucher am Tag kommen, hat die Bürgervereinigung BUNT errechnet. Sie hält den Eintritt von fünf Euro für abschreckend.
"Wir wollen die Besucherzahlen mit dieser Maßnahme erheblich steigern und damit allen Bürgern ungehinderten und vielfachen Zutritt zu diesen fantastischen Sammlungen ermöglichen," sagt BUNT-Vorsitzende Dr. Hildegund Stamm. In der dunklen Jahreszeit bieten sich die Kultureinrichtungen besonders zum Besuch an. Testweise kommen jetzt Neugierige eine Stunde vor Schluss zum halben Preis in die Museen. Dieser Schritt sei allerdings halbherzig. Der Eintritt in die Lübecker Museen sollte - von Ausnahmen abgesehen - kostenlos sein.
"Die Kulturstiftung muss über ein radikales Ankurbelungsprogramm nachdenken, denn 278.000 Besucher im Jahr für alle zehn Museen zusammen sind uns viel zu wenig", sagt die BUNT-Vorsitzende. Ziehe man Holstentor und Buddenbrookhaus als typische Touristenmagnete ab, verliefen sich in den übrigen acht Museen gerade mal 64 Besucher pro Tag - eine Zahl, die man bei freiem Eintritt leicht vervielfachen könne.
"Die ohnedies überwiegend vom Steuerzahler finanzierten Kultur- und Bildungseinrichtungen könnten so wesentlich besser ihren museumspädagogischen Auftrag erfüllen", so Stamm weiter. Denn viele Lübecker - auch Jugendliche und finanziell schlechter Gestellte - würden häufiger ins Museum kommen. Auch eine Mittagspause sei geeignet für einen besinnlichen Kurzbesuch, bei dem man sich vor einen einzelnen Kunstgegenstand setzen und sich so von Herzen am Reichtum seiner Stadt erfreuen könne.
"Es ist eindeutig: Von den Eintrittsgeldern werden viele abgeschreckt", sagt Stamm. Die Museen blieben verwaist und kosteten dennoch hohen Unterhalt, den auch diejenigen aufbringen müssten, die nie ins Museum gehen. "Wir wollen, dass es hier lebendiger zugeht! So wie in Londons staatlichen Museen, die allesamt keinen Eintritt erheben und attraktive Orte lebhafter Kommunikation und Kultur sind." Mehr Besucher würden auch mehr Einnahmen in den Shops und Cafés der Museen. "Das rechnet sich mit Sicherheit", sagt Stamm. Mit diesem System sei es auch möglich, die hochwertige Völkerkundesammlung wieder zu öffnen und damit den Bürgern ein wichtiges Stück Lübecker Kolonialgeschichte zurück ins Gedächtnis zu rufen.
Autor: BUNT/red.
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