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Warnstreik bei der LVGIn Travemünde warteten am Mittwochmorgen viele Fahrgäste vergeblich auf die Busse. Die Gewerkschaft verdi hatte die Busfahrer der LVG zu einem Warnstreik aufgerufen. In Travemünde fuhren zwischen 3 Uhr und 7 Uhr keine Busse.Hintergrund des Streiks sind die Tarifgespräche mit den Arbeitgebern des privaten Omnibusgewerbes, deren Mitglieder vieler Orts in öffentlichen Aufträgen unterwegs sind. "Menschen, die tagtäglich die Fahrgäste sicher von Ort zu Ort bringen, müssen endlich auch vernünftig bezahlt werden. Eine Busfahrerin oder ein Busfahrer dieses Tarifgebietes verdient bis zu 200 Euro weniger als dies in anderen Tarifgebieten in Schleswig-Holstein der Fall ist", sagte Frank Schischefsky, Pressesprecher von ver.di Nord. "Es gibt in Schleswig-Holstein bisher Regelungen, aufgrund derer – selbst im gleichen Ort – Busfahrer unterschiedlich bezahlt werden. Ursache ist, dass sie unter jeweils unterschiedliche Tarifverträge fallen."
Gerhard Mette, der Verhandlungsführer von ver.di Nord: "Wir glauben jedoch, ein Busfahrer ist ein Busfahrer. Gleich, ob er bei der Autokraft, bei Bölck oder bei der KVG tätig ist und auch, ob er in Husum, Kiel, Flensburg, Bad Segeberg, Pinneberg oder wo sonst arbeitet, macht keinen Unterschied. Deshalb ist unser Ziel, die Gleichheit der Arbeitsbedingungen für alle Busfahrer im Land zu erreichen."
Die Aktion war nicht angekündigt worden, weil die Gewerkschaft fürchtete, dass die Aktion durch Streikbrecher unterlaufen wird. Schon im Vorfeld habe der Arbeitgeber Angestellte angerufen und gefragt, ob die im Streikfalle fahren würden, erklärte Gerhard Mette am Morgen gegenüber dem Magazin "Travemünde aktuell". Ver.di bietet der LVG an, Streiks anzukündigen, wenn der Arbeitgeber auf Streikbrechereinsätze verzichtet.
Ver.di hatte bereits im Juli den Tarifvertrag gekündigt, berichtet Gerhard Mette. Bis Ende Oktober läge immer noch kein Angebot der Arbeitgeberseite vor. Er spricht von "Verzögerungstaktik" des Arbeitgebers. Die Gewerkschaft will über Warnstreiks nun Druck machen. "Wir gehen davon aus, dass wir weitere Aktionen machen", so Gerhard Mette.  | Bei der LVG wurde von 3 bis 7 Uhr gestreikt. Foto: TA |
Text-Nummer: 56713 Autor: TA/red. vom 04.11.2009 10.23 Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken. Kommentare zu diesem Text:Sebastian (eMail: s-ziehl@t-online.de) schrieb am 04.11.2009 um 14.57 Uhr: 200€?? Viele Mitarbeiter in der Krise müssen um ein vielfaches verzichten damit Sie Ihren Job behalten.
In vielen Berufszweigen(Einzelhandel, Zeitarbeit ect.)müssen Mitarbeiter auf über 1000€ verzichten. Vielleicht sollte man sich mal um diese Leute kümmern anstatt mit solchen missglückten Aktionen
noch mehr Kunden zu verärgern. Der Fahrgast der mehr bezahlen muss und weniger Leistung geboten bekommt ist nur noch der Dumme! Benno schrieb am 04.11.2009 um 15.17 Uhr: Das ist doch eine richtig gute Aktion im Raum Schleswig-Holstein gewesen. Ich kann die Busfahrer voll verstehen, denn in der Fläche kann es nur unter dem Motto gehen: "Ein Land - Ein Lohn im Bereich des ÖPNV!"
Sicher hat dieser Warnstreik Auswirkungen auf die Beförderung von Personen im Bereich Travemünde, Kücknitz und in Richtung Bad Schwartau gehabt, muss er ja auch, ansonsten hätte man sich so eine Entscheidug sparen können.
Ich wünsche euch Busfahrer im privaten Omnibusgewerbe viel Erfolg bei den anstehenden Tarifgesprächen und denkt daran: "Einigkeit macht stark" Karmeikel schrieb am 04.11.2009 um 17.21 Uhr: Ich wünsche den Busfahrern und Busfahrerinnen viel Erfolg bei den jetzt anstehenden Verhandlungen. Sascha schrieb am 04.11.2009 um 19.05 Uhr: Der Streik war völlig in Ordnung. Aber bitte, liebe ver.di, warnt uns vorher. Dann hätte ich mir 30 Minuten im Regen erspart und locker auspennen können. onkel manni (eMail: ms.schnuff@gmx.de) schrieb am 04.11.2009 um 21.20 Uhr: Sebastian@
Ihnen scheint es ja sehr gut zu gehen,was sind für Sie 200,-€,. Sie möchten jeden Tag pünktlich Ihren Bus an Ihrer Haltestelle haben,damit dieser Sie von A nach B bringt,so soll(sollte) es sein, das ist Ihr gutes recht.Jede Berufssparte hat eine G,ewerkschaft, ist man/frau organisiert,zahlt jedes Mitglied 1% vom Bruttolohn,es ist jedem freigestellt! Ich zahle 26,-€ u.wenn durch Arbeitgeber u.Politiker,die nonstop ihre Diäten erhöhen die Tarifverhandlungen gekänzelt werden u. das nicht nur im Öffentlichen Dienst(schlau machen,wann ist Ihre Sparte dran??),sollte man/frau mal einen Warnschuß geben,kämpfen für seine rechte! Die Aktion hat nichts gebracht?? DOCH!! Sie haben getextet,regen sich auf,diskutieren mit anderen Mitmenschen,Aktion gelungen! Danke ver.di,weiter so für die Kollegen der LVG u.SL,KVG usw.! tut nix zur Sache schrieb am 05.11.2009 um 07.07 Uhr: Wenn € 200 gefordert werden, dann kann man davon ausgehen, das am Ende €50 sind, wenn überhaupt. Des weiteren, hat die LVG seit Jahren keinen Arbeitskampf gemacht, hin und wieder kahm es zu einem einzigen Warnstreik. Wenn andere Firmen streiken, z.B. aus der Metallbranche, dann klagt doch auch keiner aber die blöden Busfahrer, die sollen doch weiter für einen Hungerlohn fahren. Wenn wir alle zusammen halten würden, dann würde es allen besser gehen aber in Deutschland, ist sich jeder selbst der Nächste! Anni (eMail: bubblegum87@gmx.de) schrieb am 05.11.2009 um 10.04 Uhr: Sie müssen wahrscheinlich auch alle kein Bus fahren.Kinder standen im Regen und in der dunkelheit, wussten nicht wohin.Fahrlässig. Es war schwachsinnig, zu verkehrslastigen Zeiten und vor allem ohne Vorwarnung so etwas zu verantstalten. Hauptsache mehr Lohn, vielelicht sollten unsere Busfahrer an Kompetenz, Freundlichkeit und Service mal denken. Die sind mehr wert als 200 €, oder sind Busfahrer nur noch freundlich, wenn sie mehr Geld bekommen? Da wird einem Abo-Fahrgast , das Fälschen unterstellt, nur weil er sein Karte nicht zum 1ten im Monat umgewechselt hat.
Warnstreiks sind gut, bin sicherlich dafür, aber nicht zu diesen Tageszeiten. Die Empörung war riesengroß. Andreas (eMail: andreas.riedl@alice-dsl.net) schrieb am 07.11.2009 um 13.43 Uhr: Sebastian beschwert sich, dass in vielen anderen Branchen Beschäftigte Verluste hinnehmen mussten, man sich lieber um diese Branchen kümmern sollte.
Bevor man vorschnell die Kollegen im ÖPNV verurteilt, sollte man sich über die Vorgeschichte informieren:
In vielen Unternehmen haben die Busfahrer im letzten Jahr bereits bis zu 2000 Euro pro Jahr verloren. Andere hatten im Verhältnis zur Preissteigerung einen stetigen Reallohnverlust über 10 Jahre hinweg. Viele halten sich nur noch mit dauerhaften Überstunden im Rahmen von 200 bis 240 (!!!) Stunden (und mehr) über Wasser, andere, die eher Regelarbeitszeit leisten, nehmen Wohngeld, Kinderzuschläge oder Hartz IV in Anspruch (Dieses sind Leistungen der Allgemeinheit, die auch Sebastian bezahlen muss, wenn er überhaupt Steuern und Sozialleistungen abführt). Kein Busfahrer nimmt gerne "Staatsknete" in Anspruch, weil die eigenen Autonomie dadurch untergraben wird. Ich selbst musste im vergangenen Jahr 2580 € Steuergelder in Anspruch nehmen. Freue ich mich darüber? Nein!
Zu den "anderen Branchen": Natürlich muss sich dort auch was ändern. Das müssen die Kolleginnen und Kollegen aber selbst in die Hand nehmen, indem sie sich orgasnisieren, ansonsten passiert gar nichts. Meine Solidarität haben all die Beschäftigten in den Mikrolohnbranchen auf jeden Fall - auch wenn ich selbst als Unbeteiligter betroffen bin. Während des Kitastreiks habe ich die Erzeiherinnnen meiner Kinder gefragt, weshalb sie sich nicht daran beteiligen - obwohl ich ganz schwer betroffen gewesen wäre - meine Solidarität und Unterstützung haben diese Leute trotzdem.
Weiter schreibt Sebastian von "mißglückten Aktionen" und von "verärgerten Fahrgästen" - klar, dieses ist "naturgemäß" ein Problem der gesamten Dienstleistungsbranche, weil immer auch dritte Unbeteiligte stärker betroffen sind - wie aber bitte schön, sollen die Busfahrer aus ihrer prekären Situation sonst herauskommen, wenn nicht durch Arbeitskampf? (Auch meine Kinder fahren übrigens mit dem Bus!) Streik ist das einzige Druckmittel, das die Fahrer haben. Alles andere wäre "kollektives Betteln"!
Hätte ver.di die Fahrgäste vorher informieren sollen? Soll ver.di Notdienstvereinbarungen für den Schülerverkehr mit den Arbeitgebern abschließen? Schön wärs, wenn das so einfach ginge. In der Vergangenheit haben die Arbeitgeber, weil sie nach Vorankündigung genug Vorbereitungszeit hatten, zu massiven Streikbruchmaßnahmen gegriffen und so dem Streik die Effizienz geraubt - die Folge wären mehr Streiks, um überhaupt annähernd zum Ziel zu kommen. Notdienstvereinbarungen? Ausdrücklich wurden in meinem Bezirk Notdienstvereinbarungen von ver.di angeboten - nur wollte die Arbeitgeberseite sie nicht in Anspruch nehmen. Ganz klar werden gezielt von den Arbeitgebern die Fahrgäste als "Geiseln" genommen, um den Busfahrern den schwarzen Peter zuzuschieben.
Im Übrigen muss einmal klar und deutlich unterstrichen werden, dass dieser vollkommen unterbezahlte Beruf mit einer hohen Verantwortung für Menschenleben und starken gesundheitlichen Beanspruchung verbunden ist. Die Fahrer leisten Wechselschichtdienst, Tag und Nacht. Die Schichtlängen gehen bis zu 11 Stunden und mehr. Bei geteilten Diensten sofgar bis zu 15 Stunden. Die Fahrer stehen also über einen langen Zeitraum bei äußerst knappen Fahrzeiten und dichtem Verkehr unter hohen Druck. Dieses geht nicht spurlos am Organismus vorbei: Jahrelang erhöhte Adrenalin- und Kortisolwerte sogen dafür, dass diese Berufgruppe dreimal häufiger als alle anderen Berufgruppen an Herz- Kreislaufleiden erkranken (Dänische Langzeitstudie an 10.000 Arbeitnehmern). Ab Anfang 50 sind die ersten platt, verlieren aufgrund einer eintretenden Fahrdiensttauglichkeit ihren Beruf und werden zum Sozialfall. Viele meiner Kollegen haben das Rentenalter nicht mehr erreicht - sie sind tot!
Sebastian schreibt, dass die Preise erhöht werden. Genau das hat meine Kollegen besonders verärgert: Die über die Presse regelmäßig verbereiteten u.a. mit Lohnerhöhungen begründeten Preiserhöhungen im HVV - wo bitte schön ist das Geld?
Im Übrigen habe ich in Hamburg mit vielen betroffenen Fahrgästen gesprochen und dort hat sich mir ein ganz anderes Bild dargestellt: Offene Unterstützung, Solidarität, Verständnis, Aufforderungen wie: "Macht weiter so!", ja sogar "Streikgeldspenden" von Fahrgästen sind eingegangen.
Also, bevor das nächste Mal wieder so auf die Tonne gehauen wird, sollte man sich erst einmal über die Hintergründe im Klaren sein!
MfG
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