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+++ HL-live.de - Archiv +++05.02.2010 09.10
Polit-Krimi: Aqua Top, der vorletzte AktDie Abrisspläne des stillgelegten Travemünder Spaßbades Aqua Top beschäftigen Politik und Verwaltung seit Jahren. Erst jetzt wurde bekannt: Interne Querelen innerhalb der Stadtverwaltung hatten den Abriss fast platzen lassen. Im letzten Moment kam jetzt die Lösung.
Für Nicht-Insider: Lübeck will auf dem Gelände des maroden Bades direkt am Ostseestrand ein weiteres Hotel bauen. Als Ausgleich für wirtschaftliche Nachteile bot die Hansestadt dem benachbarten "Maritim" die Genehmigung, alle Hotelzimmer in gut verkäufliche Eigentums-Appartements umzuwandeln. Die Verträge waren quasi unterschriftsreif.
Doch zwei Wochen vor Weihnachten platzte die "Bombe". Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel verkündet auf Anfrage von Klaus Petersen(CDU) völlig überraschend dem Wirtschafts-Ausschuss: "Die Vertrags-Verhandlungen mit dem benachbarten Maritim sind ohne erkennbaren Grund geplatzt!" Überraschende Begründung war, so das Maritim, die langwierige Zustimmung der zahlreichen Appartementeigentümer um eine für den Abriss verlegte Feuerwehrzufahrt. Der Wirtschaftssenator vor dem Ausschuss: Ich werde dem Maritim zum Jahresbeginn eine allerletzte Frist stellen!
Am Rande der letzten Bürgerschaftssitzung erfuhr HL-live.de jedoch den wahren Grund für die Politik-Posse: Das Rechtsamt, so Halbedel, habe die Vertragsunterzeichnung rechtlich gestoppt, angeblich weil die geplante Umwandlung von Hotelzimmern in Eigentum-Appartements mit der gültigen Fremdenverkehrssatzung für Travemünde nicht vereinbar wäre. Bürgermeister Saxe, so Halbedel, habe diese Auffassung des Rechtsamtes geteilt und damit den Vertrag "platzen lassen" - ohne dies jedoch dem langjährigen Verhandlungsführer Halbedel mitzuteilen. Erst Tage später, so Halbedel zu SPD-Fraktionschef Peter Reinhard, habe er den wahren Sachverhalt erfahren. Reinhard vieldeutig: "Ich hab‘ ja geahnt, an wem es lag."
Halbedel und Reinhardt planten umgehend die Eckpunkte eines neuen Spitzengesprächs mit der Maritim-Gruppe. Reinhardts Bedingung zur Zustimmung: Man möge den lautstarken SPD-Kritiker Petersen, Vorsitzdender der CDU in Travemünde, "einfangen".
Jetzt erfuhr HL-live.de weitere Details des "Maritim-Krimis". Halbedel: Wir haben der Maritim-Leitung klar mitgeteilt, dass die Hansestadt Lübeck bei mangelnder Einigung die volle rechtliche Schiene fährt. Sprich: sofortige Anmahnung der aufgelaufenen und gestundeten Erbpachtschulden. Rücknahme aller Entschädigungs-Zusagen für die neue Konkurrenz. Und: "Wir würden rechtlich versuchen, Maritim aus dem Eigentumsanteil von 2,54 Prozent des Aqua Top rauszuklagen."
Am Dienstag war das Spitzengespräch in Lübeck angesetzt. Wer nicht kam: Die Maritimgruppen-Leitung. Grund: Wetterprobleme. Stattdessen kam ein Schriftstück. Halbedel zu HL-live.de: "Maritim stimmt jetzt dem sofortigen Aqua Top-Abriss zu! Maritim stellt uns für die Zustimmung nur zwei kleine Bedingungen für Vertragsformulierungen zum Appartement-Verkauf. Details darf ich nicht nennen. Die Bauverwaltung prüft bereits die Realisierung. Ich denke, dass Bürgermeister Saxe und das Maritim in Kürze die Verträge unterzeichnen." Je nach Wetterlage wird dann die Bad-Ruine noch kurz vor oder direkt nach der Saison 2010 abgerissen.
Wolfgang Halbedel ist erleichtert: "Die Lösung des jahrelangen Problems Aqua Top ist für mich ein guter Schlusspunkt, wenn ich in sieben Wochen in den Ruhestand gehe." Autor: Thomas Willam Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.
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