Sonnabend, der 31. Juli 2010
Stadtwerke Lübeck

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25.02.2010 17.16


Stadt ruft zur Teilnahme an Demos und Prozessionen auf

Seltene Einstimmigkeit in der Lübecker Bürgerschaft. Einstimmig rufen die Politiker alle Lübecker auf, sich am 27. März am Protest gegen die Nazi-Demo und dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu beteiligen.

Wir veröffentlichen den Aufruf im Wortlaut:

(")Die Stadtpräsidentin, der Bürgermeister und die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck laden alle Bürgerinnen und Bürger, die demokratischen Parteien, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Kirchen, Kultur, Wissenschaft, Gewerkschaften, Sport und Verbänden ein zum gemeinsamen Erinnern und Handeln am Samstag, dem 27. März 2010.

Die Bürgerschaft ruft alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf, in würdiger Weise der Opfer des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges, der von Deutschland ausging, zu gedenken.

Gleichzeitig wollen wir ein deutliches Zeichen gegen den von rechtsextremen Gruppen geplanten Aufmarsch in Lübeck setzen. Die Unterzeichnenden bitten alle Bürgerinnen und Bürger, sich an den Andachten, Kundgebungen und dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Holstentor und auf dem Behnhofsvorplatz zu beteiligen. Die Unterzeichnenden unterstützen ausdrücklich alte friedlichen Aktivitäten zur Erinnerung und Mahnung sowie das Engagement gegen Rechtsextremismus.

Gemeinsam fühlen wir uns folgenden Grundsätzen für den Umgang mit dem Erinnern verpflichtet:

WORAN WIR ERINNERN.

Wir gedenken der unzähligen Opfer des Nationalsozialistischen Terrors und ehren ihr Andenken.

Wir gedenken der wenigen, die Widerstand geleistet haben gegen Krieg und Gewaltherrschaft und ehren ihr Vermächtnis.

Wir erinnern an die Opfer der Zerstörung Lübecks durch alliierte Bombenangriffe in der Nacht zu Palmsonntag, om 28. März 1942.

Wir erinnern an die Bombardierung Coventrys durch Deutsche Truppen, die dem Angriff auf Lübeck vorausging.

Wir erinnern daran, dass in Coventry und Lübeck gleich nach Kriegsende erste Schritte zur Versöhnung gesucht wurden, die mit zur Grundlage für ein friedliches Europa wurden.

WARUM WIR ERINNERN.

Wir erinnern, weil die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und der Bombardierung Lübecks und ihre Nachkommen das Recht haben, ihrer Erinnerung und ihrer Trauer öffentlich Raum zu geben.

Wir erinnern, weil wir aus unserer Geschichte die Verpflichtung zur Aussöhnung und am Frieden ableiten.

Wir erinnern, weil die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte uns die Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaft zeigt. Wir sind uns ihrer Fundamente bewusst: Demokratie, Freiheit, Toleranz, Schutz von Minderheiten.

Wir erinnern, weil wir durch Aufklärung, Bildung und Begegnung dazu beitragen wollen, dass Rassenwahn, Gewaltverherrlichung und Antisemitismus keinen Raum mehr in unserer Gesellschaft finden.

WAS WIR ABLEHNEN.

Wir wehren uns gegen die Instrumentalisierung der Opfer der Bombardierung Lübecks durch rechtsextreme Gruppen, um die millionenfachen Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen.

Wit wehren uns gegen jede Verhöhnung der Opfer.

Wir wehren uns gegen Revanchismus und Gewaltverherrlichung.

Wir wehren uns gegen Behindertenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Wir wehren uns dagegen, dass Rechtsextremisten ihre demokratiefeindliche Gesinnung offen zeigen und für ihre menschenverachtenden Ziele werben.

Wir wehren uns gegen den geplanten Aufmarsch von Nazis am 27. März 2010 in unserer Stadt.

WAS WIR WOLLEN.

Wir wollen die friedliche Gemeinschaft mit den Völkern der ehemaligen Kriegsgegner bewahren und die weitere Annäherung fördern.

Wir wollen, dass rechtsextreme Gedanken keinen Einzug in öffentliche Räume halten und die Werte unserer Gesellschaft durch demokratiefeindliche Gruppen missbraucht werden.

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Opfer von Gewalt in unserer Stadt Schutz und Hilfe finden.

Wir wollen, dass das Gedenken an die Zerstörung Lübecks Ausgangspunkt eines über den Tag hinausweisenden Lernens und Engagements für Frieden und Menschlichkeit wird.

Wir laden alle ein, die sich eine weltoffene Hansestadt Lübeck wünschen, die sich ihrer Verantwortung aus der Geschichte bewusst ist: Werden Sie aktiv, setzen Sie ein sichtbares Zeichen für Demokratie und für den Frieden!

Kommen Sie zu den Andachten, Prozessionen und Kundgebungen gegen Rechts am 27. März 2010!

Peter Reinhardt
Bernd Möller
Antje Jansen
Andreas Zander
Raimund Mildner
Thomas Schalies
Hildegund Stamm(")

Autor: red.

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.




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