Sonnabend, der 31. Juli 2010
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09.03.2010 18.30


Flughafen: Wirtschaftsprüfer sehen bilanzielle Überschuldung

Harte Kost am Dienstag im Hauptausschuss der Bürgerschaft: Die Wirtschaftsprüfer erklärten den Politikern, warum sie der Bilanz zum 31. März 2009 kein Testat erteilen. Nach derzeitiger Lage sei der Flughafen bilanziell überschuldet und habe bei der Liquidität keine ausreichend lange Perspektive.

Die Wirtschaftsprüfer forderten von der Stadt die Abgabe einer Rangrücktrittserklärung. Lübeck hätte damit zugesichert, dass es auf die Rückzahlung seines 33 Millionen Euro Darlehns an die Flughafen Lübeck GmbH solange verzichtet, bis das Unternehmen saniert ist. Die Politiker im Hauptausschuss konnten sich in Nicht-Öffentlicher Sitzung nicht einigen und haben die Entscheidung über die Abgabe einer solchen Erklärung vertagt.

Die Prüfer erklärten ihre Einschätzung der Situation damit, dass sie in der Bilanz die vorhandenen Werte so einstufen, als wenn der Betrieb eingestellt werde: Die Fortführung sei nicht "überwiegend wahrscheinlich". Damit verliert das Eigentum des Flughafens deutlich an Wert. Man müsse das Schließungsszenario bewerten. Den Experten fehlt für eine andere Beurteilung auch die langfristige Sicherung der Liquidität. Nach der aktuellen Beschlusslage sichert die Stadt die Übernahme von Verlusten erst einmal nur bis Herbst zu.

Flughafen-Geschäftsführerin Doris Böhmke machte im Ausschuss ihrem Unverständnis Luft: Der bisherige Haupteigentümer Infratil habe in den Vorjahren problemlos einen Rangrücktritt erklärt. Nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer sei das auch eher ein formaler Akt, denn die Stadt ist zugleich Gesellschafter und Darlehnsgeber.

Direkte Auswirkungen hat die Vertagung der Entscheidung nicht. Der Flughafen kann seine Bilanz auch ohne Testat veröffentlichen. Die Geschäftsführung kommt zu einer anderen Bewertung als die Wirtschaftsprüfer: Sie sieht die Liquidität als ausreichend gesichert an und geht nicht von einer Schließung aus.

BfL-Fraktionschef Dr. Raimund Mildner spricht bei der Vertagung von "politischen Image-Erwägungen" durch die Mehrheit. "Das Testat ist nicht lebenswichtig", meint er. "Das Gesellschafterdarlehn ist da." Und de facto entspreche es einem Rangrücktritt.

Autor: VG

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