Dienstag, der 7. September 2010
Stadtwerke Lübeck

Die Redekunst der Christen Engholm und Paulus

In seinen Gedanken zum Wochenende stellt sich HL-live.de Pastor Heinz Rußmann die Frage, wie man erfolgreich eine Rede hält. Dabei bekam er Unterstützung von Björn Engholm, der es immer wieder schafft, seine Zuhörer zu begeistern.

Miteinander reden gehört zu unserem Leben dazu. Reden hören ebenso. Persönlichkeiten unserer Umgebung wollen uns bei ihrer Rede besonders überzeugen durch ihre Ideen und ihre Ausstrahlung. Tatsächlich verstehen wir den Politiker besser bei seiner Rede als durch sein Partei-Programm. Den Professor begreifen die Studenten bei der Vorlesung besser als in seinen Büchern. Die christliche Botschaft versteht man gewöhnlich bei der Predigt des Pastors besser als beim Lesen der Bibel.

Woran liegt es aber, dass manche Reden und manches Gespräch so begeistern und manche nicht ankommen? Auch wenn ich in Lübeck 34 Jahre lang jeden Sonntag als christlicher Berufsredner mit Herz und Hirn gepredigt habe und um die hunderttausend Gespräche geführt habe, lässt mich diese Frage einfach nicht los.

Einer der faszinierendsten Redner unserer Zeit ist der frühere Ministerpräsident Björn Engholm. Durch seine Person, Überzeugung aber besonders auch mit seiner Redekunst vermag er immer wieder sehr viele Bürger überzeugen. So war ich wie nach seiner elften religiöse Rede im Jazzgottesdienst in St.Stephanus im März ebenso von seiner Festrede im Juli zum Hundertjahr-Jubiläum der St. Gertrud-Gemeinde wieder ganz begeistert.

Nach dem Vortrag habe ich ihm deswegen hinterher die Frage gestellt: "Was ist eigentlich das Erfolgsrezept Ihrer Redekunst?" Netterweise hat er mir nach unserem Gespräch fünf bemerkenswerte Regeln gemailt. Auf meine Bitte hin ist er einverstanden, dass ich sein Erfolgsgeheimnis an Sie weitergebe. Er schreibt: "Fünf kleine Regeln sind hilfreich": 1. Eine klare Gliederung, ein roter Faden. In der Uni lernte ich den Aufbau im Dreischritt: Lage-Ziel-Maßnahme. 2. Immer Informationen weitergeben, welche die Zuhörer (noch) nicht besitzen und die sie bereichern. 3. Eine klare, verständliche, aber doch anspruchsvolle Sprache verwenden (kein Jugendpop o.ä.) 4. Der Redner muss erkennbar und fühlbar hinter seiner Rede, seiner Botschaft stehen. 5. Je persönlicher die Ansprache ist, je direkter sie auf die Zuhörer, ihre Sorgen, Fragen, ihre Umgebung zugeschnitten ist, desto besser.

Für mich sind diese Thesen sehr hilfreich und überzeugend. Sie entsprechen im Kern auch der christlichen Überzeugung des Apostels Paulus. Der schreibt im sogenannten Hohelied der Liebe in der Bibel: 1. Korinther 13 Vers 1: Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, wäre alles nur Wortgeklapper. Mit Liebe als Grundhaltung sollten deswegen Redner sprechen, mit Herzlichkeit sollten wir unsere Gespräche führen. Sonst wird alles hohl. Der Psychologe und Christ Prof Schulz von Thun überträgt den Satz des Paulus auf unsere Zeit so: "Wenn ich auch rhetorisch geschult wäre und hätte kein Herz für mein Gegenüber, so bliebe doch alles nur eine Optimierung von Sprechblasen ohne menschliche Verbindung."

Es geht nicht nur um Redner. Mit Liebe und den fünf Engholm- Ratschlägen könnten wir alle unser tägliche Gesprächskultur erfreulich verbessern: Mit Rücksicht auf den Zuhörer sollten wir unseren Gesprächsbeiträgen einen roten Faden geben. Irgendwas spontan und ungeordnet aneinander zu reihen ist nervig. - Liebevoll ist es, unseren Gesprächspartner nicht immer wieder "denselben Quark" zu erzählen, sondern interessantes Neues, das ihn weiterführt. - Ein Zeichen von Liebe ist es, wenn Lehrer, Chefs, Politiker und wir alle uns bemühen, möglichst verständlich zu reden auf dem Sprach-Niveau unserer Gesprächpartner, besonders auch wenn es Kinder, Jugendliche, Ausländer oder sehr alte Menschen sind. - Beim Sprechen sollten wir nicht hinter eine Fassade flüchten, sondern echt und ehrlich, überzeugt und stimmig reden.- Liebevoll ist es, die Probleme des Mitmenschen mitfühlend und hilfreich zu durchdenken und Lösungen für sie mit voran zu treiben.

Ohne Liebe ist alles Reden nur hohles Wortgeklapper, sagt der Apostel Paulus. Wie enorm wichtig liebevoll-überzeugende Reden sind, zeigt er selbst. Ohne seine Reden bei seinen Missionsreisen wäre das Christentum keine Weltreligion geworden und wir heute keine Christen.

Heinz Rußmann gibt die Tipps für eine erfolgreiche Rede gerne weiter.

Heinz Rußmann gibt die Tipps für eine erfolgreiche Rede gerne weiter.


Text-Nummer: 62791   Autor: red.   vom 31.07.2010 08.53

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