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10.02.2005 15.31


Bildhauer Michael Schoenholtz zog in die Kunsthalle ein

Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit, sagt Museumsdirektor Thorsten Rodiek. Er freue sich deshalb darauf, Michael Schoenholtz am Sonntag (13. Februar) als seinen Gast in Lübeck begrüßen zu können. Um 11.30 Uhr wird dann in der Kunsthalle St. Annen die große Frühjahrsausstellung eröffnet.

Die Arbeiten von Michael Schoenholtz sind bis 29. Mai in Lübeck zu sehen. Im Juni geht die Schau zum Kunstverein Augsburg, im Herbst dann zur Kunsthalle Wuppertal-Barmen. "Körperbaukörper" lautet der ungewöhnliche Titel der neuen Ausstellung. Michael Schoenholtz komme es auf die Spannung zwischen menschlichem Körperbau und abstraktem Baukörper an, erläutert der Museumsdirektor. Der menschliche Körper sei noch immer Ausgangspunkt der Skulpturen. Danach werde die figurative Form reduziert, "aber so, dass die Spannung erhalten bleibt".

Die Beziehung zum menschlichen Körper verraten auch die Titel der schweren Arbeiten im Erdgeschoss der Kunsthalle. "Fingerspiele" liest man da, "Siebenarmig" oder "Umarmung". Bei den sieben Armen, zum Beispiel, kann man in den "Bauteilen" aus Marmor die gewinkelten Arme erkennen. Dem Besucher bleibe es offen, sich vom Titel einer Skulptur auf die Fährte setzen zu lassen oder mit Hilfe der eigenen Phantasie andere Wege zu gehen, meint der Museumsdirektor.

Schoenholtz setzt unterschiedliche Materialien ein. Arbeiten aus elegant wirkendem weißem Carrara-Marmor sieht man ebenso wie solche aus Granit, Kalk- oder Sandstein. In jüngster Zeit setzt der Künstler häufiger Muschelkalk ein. Nicht nur bei dem brüchigen, spröden Muschelkalk, sondern auch bei anderen Steinen wird durch die Behandlung der Oberfläche, die die Spuren des Meißels sehen lässt, für ein lebendiges Äußeres gesorgt. Die Räume der neuen Kunsthalle hätten Schoenholtz begeistert, berichtet Rodiek. Die Risse und Brüche der alten Klostermauern passen hervorragend zu seinen Skulpturen. Rodiek erklärt nebenher den Unterschied zwischen Skulptur und Plastik: "Der Plastiker addiert, fügt also Material hinzu. Der Skulpteur holt die Figur aus dem Stein heraus." Insofern zeigt Michael Schoenholtz Skulpturen, keine Plastik.

Aber nicht nur die großen, schweren Körper sind in St. Annen zu betrachten. An den Wänden hängen großformatige Kohlezeichnungen. Sie sind oft als Vorstufe zu den Bildhauerarbeiten entstanden. Bei der Wanderausstellung werden ausschließlich Arbeiten aus der eigenen Werkstatt des Künstlers gezeigt, keine Leihgaben. Ein Katalog ist erschienen und kostet zehn Euro. Michael Schoenholtz ist übrigens vor kurzem eine große Ehre zuteil geworden. Er hatte den Auftrag, eine Kapelle der Krypta der neuen Frauenkirche in Dresden mit Skulpturen auszustatten. Seine Arbeiten beeindruckten die Verantwortlichen so stark, dass Schoenholtz nun die gesamte Unterkirche ausgestalten darf.

Öffnungszeiten der Kunsthalle St. Annen: dienstags bis freitags 10-16 Uhr, Samstag/Sonntag 11-17 Uhr, ab 1. April täglich (außer montags) 10 -17 Uhr.

Autor: red

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