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15.09.2013 16.20


Fette Kunst bei Anja Es in Timmendorfer Strand

Rolf Ohst heißt er, kommt aus Berlin und versetzt zurzeit die Ostseeküste in mächtige Wallungen. Von Empörung, Begeisterung, Ekel, Bewunderung und Protest verspürt Galeristin Anja Es nahezu das gesamte emotionale Spektrum unter den Besuchern ihrer Galerie in der ehemaligen Timmendorfer Trinkkurhalle.



Wirbel um Kunst ist natürlich schön - und ein wenig Wirbel um diese Ausstellung darf es ruhig geben. Bereits vor der offiziellen Eröffnung gab es Reaktionen; bei der Vernissage am Sonntag hatten Anja Es und Rolf Ohst dann auch ein volles Haus.



Was gibt es zu sehen? Vor allem Frauen, und zwar solche die so rein gar nichts von dem Model-Zirkus haben, mit dem Heidi Klum durch unsere Fernsehkanäle tingelt. Nach einer ganzen Weile dämmert es einem, dass einige vielleicht doch Models sein könnten, da man im Laufe der Betrachtung langsam seine eingefahrenen Sehgewohnheiten ändert.


Künstler Rolf Ohst und Galeristin Anja Es eröffneten die Ausstellung am Sonntag.

Wenn man die Frauen-Leiber von Rolf Ohst auf sich wirken lässt, sucht man natürlich zunächst den Vergleich mit den großen Meistern von Tizian über Rubens und Botticelli bis Modigliani und wird doch nicht so recht fündig. Es ist nur zum Teil weibliche Schönheit, die zeitgebunden ist und unterschiedlich interpretiert wird - zum anderen Teil ist es auch Fettsucht und Fresssucht, die sich in ekelerregenden lebendigen Fettschwarten manifestieren. Nicht nur, dass man ohnehin schon spürt, wie die Pilze in den schmierigen Hautfalten förmlich wuchern - Beulen, Mitesser und Pickel auf der Haut, von Ohst äußert realistisch dargestellt, lassen im Betrachter deutlich das Gefühl aufkommen, dass es so doch nun wirklich nicht weiter gehen kann. Am liebsten würde man die Bilder gleich bei RTL II einliefern, wo ein Kompetenzteam aus Zahnärzten, Psychologen, Ernährungsberatern und Busen und Face- Nasen- und Bauchliftern den Fettleibern zu einem neuen Leben verhilft.

Aber es sind eben Bilder, die diese Reaktionen hervorrufen und in uns den deutlichen Wunsch erwecken, es soweit bitteschön nicht kommen zu lassen. Viele von Rolf Ohst wahrgenommene Ausschnitte kommen uns dabei seltsam bekannt vor. Die Dame im rosa Pullover, die im Bild "Good Morning" eine Speckschwarte vor sich auf dem Teller hat, haben wir alle irgendwo schon einmal gesehen. Wir wissen, dass sie den Speck essen wird, der uns - so damit konfrontiert - selbst den Appetit eher verdirbt.



Überhaupt sollte man sich den Bildern immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln nähern und nach Ausschnitten und Details suchen. So sieht man in "Die Welle" - wenn man das Bild etwas von der Seite betrachtet - die Fleischberge förmlich an den Strand rollen. Das Ganze hat etwas mächtiges, naturgewaltiges, genau wie das Gemälde "Der Schrei" das von der Kritik sowohl mit einem gestrandeten Wal, als auch mit der "liegenden Venus" verglichen wird. Auch hier ist das Detail interessant - im Schrei der gewaltigen Frau sind orgiastische und schmerzhafte Elemente gleichermaßen vereint.

Viele Assoziationen auch beim Triptychon "Earth", auf dem in einer riesigen Baustelle an einer Urmutter gebastelt wird, die in Gebärde und Haltung deutlich an die Wölfin erinnert, die der Legende nach die Gründer Roms genährt hat. Meteoriten, Echsen und das unendliche Weltall wurden hier verarbeitet - im Zentrum steht natürlich wieder die mächtige Frau - für Rolf Ohst auch noch in der unansehnlichsten Hülle die Mutter aller Dinge.

"Die Bilder kann man kaufen", betont eine gut gelaunte Galeristin Anja Es immer wieder. Ansehen sollte man sie sich in jedem Fall - die Ausstellung läuft bis auf weiteres in der Galerie am Meer, direkt an der Seebrücke am Timmendorfer Strand.

Autor: Harald Denckmann

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.




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