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05.10.2013 14.29


Im Westen gab es für die Stasi viel Neues

Es ging schon unter die Haut, was Dr. Hans-Jürgen Grasemann, ehemaliger stellvertretender Leiter der Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen für Verbrechen des DDR-Regimes in Salzgitter am Freitagabend aus seiner ehemaligen behördlichen Praxis erzählte.

Das Interesse war dann auch entsprechend groß. Lange nachdem die Veranstaltung bereits begonnen hatte, musste das Team um Ingrid Schatz immer noch Stühle heranschleppen - der Saal bei der AWO am Lauer Weg in Schlutup war brechend voll.

"Tätigkeiten der Staatssicherheit der DDR im Westen sind für ein durchschnittliches Publikum immer erst einmal mit dem Namen Günter Guillaume verbunden," begann Grasemann - ein exzellenter Rhetoriker - seinen Vortrag, bevor er dann anschließend ausführlich aus dem Nähkästchen von Staatssicherheit und Justizbehörden der DDR berichtete. Vom Top-Spion Topas, der er es schaffte, die geheimsten strategischen Überlegungen der NATO gen Osten zu befördern, über einsame Herzen im Bundesnachrichtendienst, die per Ordre-de-Mielke von Ostberliner Offizieren angebaggert und manchmal sogar geheiratet wurden - nur um sie anschließend hemmungslos auszuforschen.

Mit Geld aus Ostberlin wurde auch die Niederlage von Rainer Barzel (CDU) beim konstruktiven Misstrauensvotum gegen Willy Brandt (SPD) im Jahre 1972 erkauft. Manche Vorgänge waren dabei nicht ohne Komik. Hans-Heinz Porst, Photo-Grossist aus den jungen Jahren der Republik, hat immer großzügig an die FDP gespendet, und sich diese "Unkosten" von Erich Mielkes Fieseltruppe anschließend ersetzen lassen. Die sollen darüber manchmal etwas zerknirscht gewesen sein.

Als William Borm von der FDP zur Zeit der ersten sozialliberalen Koalition Alterspräsident des Bundestages wurde, hielt der wegen seiner gepflegten Umgangsformen oft als "Sir William" titulierte Borm eine viel beachtete Rede - irgendwann kam dann heraus, das ihm das Ministerium für Staatsicherheit der DDR die Rede verfasst hatte. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen - man sollte sie daher lieber nicht mehr als Abiturtext verwenden.

Unbequeme Schriftsteller wurden auch gern schon einmal durch Stasi-Stalking belästigt. Da wurden dann Dinge angeliefert, die man gar nicht bestellt hatte, ständig standen Taxifahrer vor der Tür, die den unliebsamen Schreiber befördern wollten und sich nur schwer wieder abwimmeln ließen, oder das Telefon klingelte ständig ohne Grund vor sich hin. Apropos Telefon, wenn man außer der Reihe plötzlich so ein Gerät bekam war oftmals der Grund, dass man auf diese Weise besser abgehört werden konnte - genau besehen also nicht so recht ein Grund zur Freude.

In der Bundesrepublik tobte sich der Überwachungsapparat laut Grasemann dann so richtig aus. Kein Mittel war gemein genug, die junge Bundesrepublik als Nazi-Staat zu diffamieren. Jüdische Mitbürger erhielten schmutzige Post übelster Art letztlich aus Ost-Berlin, wo man keinesfalls vergaß die westdeutsche Presse über diese "Hetze in der Nazi-Republik" zu informieren. Ganz toll wurde es, wenn man einen westdeutschen Bürger dadurch schaden wollte, dass man ihn als Stasi-Informanten bloßstellte - was er, wie man bei der "Firma" ja ganz genau wusste, nie war. Genauso waren die angeblichen Unterlagen über den ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke Meisterstücke aus der Ostberliner Dokumentenfälsche. Sie trugen aber maßgeblich dazu bei, dass er seinerzeit sein Amt vorzeitig niederlegte - den Makel angeblich "KZ-Baumeister" gewesen zu sein, wurde er nie wieder los.

Persönliche Schicksale erreichten "Dimensionen, die man sich einfach nicht vorstellen kann," berichtete Grasemann. Bereits geflohene DDR-Bürger wurden aus dem Westen wieder zurückentführt, manchmal sogar mit Hilfe von engen Verwandten. In der DDR wurde ihnen dann der Prozess gemacht - viele von ihnen wurden wegen Spionage zum Tode verurteilt.



Hans-Jürgen Grasemann lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit der Grenzdokumentationsstätte in Lübeck. "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf," gab er den zahlreichen Zuhörern mit auf den Weg. Die Erinnerung an das Geschehen um die innerdeutsche Grenze ist daher ein wichtiger Bezugspunkt, um nachfolgende Generationen über Verbrechen in der damaligen DDR aufzuklären. Das fand auch Rasmus Vöge, der als Vorstandsmitglied der Hermann-Ehlers -Stiftung zusammen mit Ingrid Schatz abschließende Worte sprach. "Ich bin 1979 geboren", wandte er sich noch einmal an das Auditorium, und habe viel von dem, wovon heute die Rede war, nicht persönlich erlebt. Anstöße, sich darüber zu informieren, sind daher wichtig. Von daher freute sich Ingrid Schatz über zahlreiche Besuche von Schulklassen, die sich - mit stark ansteigender Tendenz - von Zeitzeugen durch die Grenzdokumentationsstelle führen lassen. Diese Arbeit will man in Schlutup fortsetzen.

Einen Mitschnitt des Vortrages und der Diskussion überträgt der Offene Kanal am Sonntag, 13. Oktober, ab 14 Uhr. Zu empfangen ist der OK auf den Frequenzen 98,8 MHz und 106,5 MHz im Kabel. Per Livestream ist der OK unter www.okluebeck.de zu hören.

Autor: Harald Denckmann

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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