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HL-live.de

Sonnabend,
der 23. Februar 2016






+++ HL-live.de - Archiv +++

31.07.2016 09.03


SHMF im Dom: Letzte Worte – nicht von Jesus

Letzte Worte – von einigen berühmten Menschen sind sie überliefert. Die letzten Worte des Jesus von Nazareth bedenkt die Kirche in den Tagen vor Ostern. Auch im Lübecker Dom; aber nie so wie am Sonnabend beim Schleswig-Holstein Musik Festival an eben diesem Ort.

"Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" nannte Joseph Haydn ein neunteiliges Orchesterwerk für die Passionszeit. Er schrieb es im Auftrag eines Domherrn für die Kathedrale der südspanischen Hafenstadt Cadiz. Dort gab es eine Tradition. Am Karfreitag war die Kathedrale wie andere Gotteshäuser der Stadt im Inneren schwarz ausgeschlagen. Im Gottesdienst verlas der Bischof jeweils eines der sieben Jesus-Zitate und sagte ein paar Sätze als Auslegung. Danach kniete er am Altar nieder, um zu beten. Während der Gebetsstille erklang Trauermusik.

Joseph Haydn schrieb als Auftragswerk seine Orchesterklage, bestehend aus sieben Klagesätzen plus Einleitung und Ausklang. Wie der Komponist selber sagte, keine leichte Aufgabe. Sieben langsame Sätze nacheinander sollten bei einer Aufführung "am Stück" das Publikum nicht langweilen. Er hat die Aufgabe genial gelöst. Die Sätze passen so perfekt zum lateinischen Text der Zitate, dass andere den Versuch unternommen haben, sie durch Chorsätze und Gesangssoli zum Oratorium "aufzuwerten". Im Lübecker Dom erklang die Orchesterfassung. Allerdings wurden dabei nicht die Jesusworte gesprochen oder gelesen.

Hierfür hatte sich die Dramaturgie (oder wer auch immer) etwas anderes einfallen lassen. Den meisten gefiel es, andere waren skeptisch. Die Schauspielerin Birgit Minichmayr las aus dem letzten Buch von Wolfgang Herrndorf "Arbeit und Struktur". Der Schriftsteller beschreibt darin seine letzten drei Jahre zwischen der Diagnose "Hirntumor" und seinem Selbstmord. Das ist eine fesselnde Lektüre. Allerdings passen inhaltlich die beiden Werke kaum zueinander. Joseph Haydn war ein tiefgläubiger Mensch, verwurzelt in seiner römisch-katholischen Kirche, Wolfgang Herrndorfer Atheist, der immer wieder die Kirche und ihre Vertreter beschimpft und Gott leugnet. Das mag im Kieler Schloss, wo das Projekt tags zuvor zu erleben war, angehen. Im Dom fiel die Divergenz auf.

Natürlich berührt das Schicksal Herrndorfs jeden mitfühlenden Menschen. Mit Galgenhumor beschreibt er die letzten Jahre und Monate, bezieht angeblich seine Kraft daraus, dass er es in der Hand hat, seinem Leben den Schlusspunkt zu setzen. Tatsächlich hat er sich am 26. August 2013 kurz vor Mitternacht am Ufer des Hohenzollernkanals in Berlin den Revolver in den Mund gehalten und abgedrückt, 48 Jahre alt.

Birgit Minichmayr las nicht einzelne Zitate, sondern lange Abschnitte zwischen den musikalischen Sätzen Joseph Haydns. Sie tat das derart intensiv, dass die Musik Gefahr lief, an den Rand gedrängt zu werden. Dabei saß mit dem Ensemble Resonanz ein ausgezeichneter Klangkörper auf dem Podium zwischen den Domtürmen. Intensiv erleuchtete während der ersten Stunde die Abendsonne das farbige Fenster von Lothar Quinte im Rücken der Mitwirkenden und zauberte eine friedliche Atmosphäre in die Bischofskirche. Unter Leitung des italienischen Dirigenten Riccardo Minasi loteten die Musiker die Haydn-Sätze tief aus, ließen Stimmungen von Trauer und Hoffnung in satten Streicherklängen und schönen Passagen der Naturhörner lebendig werden. Die Schlussmusik mit der Überschrift "Il terremoto" (Das Erdbeben) ließ quasi die Domtürme erbeben. Große Zustimmung des Publikums.

Autor: TD

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