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Dienstag,
der 23. Januar 2018






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10.09.2017 15.07


Ein ganz anderes Café...

Dieses Café ist so ganz anders. Es hat nur einmal in der Woche geöffnet. "Im Trauercafé an St. Lorenz kommen Menschen zusammen, die den Austausch mit anderen Trauernden suchen, denn es ist still geworden um sie herum", sagt Bettina von Seidel-Rob. "Die Welt dreht sich weiter auch nach dem Tod eines lieben Menschen, nur für den Trauernden scheint sie still zu stehen."

Bettina von Seidel-Rob koordiniert die Trauerbegleitung an St. Lorenz-Lübeck. Zusammen mit einem Team aus ehrenamtlichen Trauerbegleitern öffnet die Pastorin jeden Dienstag zwischen 15 und 17 Uhr das Trauercafé in der St. Lorenz-Kirche, Steinrader Weg – auch in den Ferien oder zwischen den Feiertagen. Den Turmraum hat die Gemeinde mit einer Glaswand vom Kirchenschiff abgeteilt. Neben den Bänken und Stühlen rund um die hübsch dekorierten Tische schaffen eine kleine Bibliothek und die Kaffeebar eine freundliche Atmosphäre.

Das Café ist offen für alle, die um einen lieben Menschen trauern. Hier finden sie Austausch aber auch Begleitung. Dabei ist es unerheblich, ob sie den Trauerweg gerade erst begonnen haben oder bereits seit langem gehen. Die St. Lorenz-Kirche ist dafür ein perfekter Ort, findet Bettina von Seidel-Rob. Die Trauerbegleiter gehen bei Bedarf mit Menschen zum Gespräch in die Kirche. Die Glastür ist zu, die Bänke sind hoch: hier kann man sich zurückziehen, ohne sich verstecken zu müssen. Für viele Trauernde ist es wichtig, zu wissen, dass ihre Sorgen und Gedanken gut aufgehoben sind. "Für uns gilt die Schweigepflicht", sagt Bettina von Seidel-Rob.

Nicht nur im Trauercafé sondern auch den festen Trauergruppen gibt es klare Regeln: die Teilnehmer nennen sich nur beim Vornamen. Kontaktdaten werden nicht weitergegeben. "Wer sich jenseits der Trauerbegleitung an St. Lorenz Lübeck treffen möchte, tauscht sich selbst aus", sagt Bettina von Seidel-Rob.

Dazu will die Trauerarbeit Mut machen: Selbst etwas Neues wagen, auch wenn es noch so klein ist. Einen Kinobesuch, ein Spaziergang an der Wakenitz oder ein Ausflug nach Travemünde an den Strand. Was so banal klingt, ist für Trauernde nur schwer zu schaffen. "Trauer macht die Seele lahm", sagt Bettina von Seidel-Rob. "Sie ist Teil des Menschen – aber eben nicht alles." Und deshalb ist es gut, dass es ein Café gibt, das so ganz anders ist.

Autor: Ines Langhorst

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