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18.10.2017 12.19


Premiere im Jungen Studio

Am 20. Oktober um 20 Uhr feiert "Lenz" mit Lars Wellings Premiere im Jungen Studio. Selbst auf der Flucht und in ungewisser Wartesituation, schildert Georg Büchner die rastlose Wanderung des jungen Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz im Jahr 1778.

Wie Büchner schrieb der Sturm-und-Drang-Dichter Lenz an gegen die herrschenden Verhältnisse, wagte ästhetisch und politisch einen Aufbruch, solidarisierte sich mit den Machtlosen und Armen. Seine Forderung nach gründlicher Gerechtigkeit: "Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist’s gut wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es häßlich ist", diese Forderung kommt zu früh für seine Zeit, lässt ihn scheitern, die Wirklichkeit fliehen.

Das Gefühl für Zeit und Raum, für Kälte hat Lenz in der Erzählung verloren – seltsam seiner Erschöpfung enthoben, wandert er nüchtern, augenblicklich kosmisch glücklich und im nächsten Moment tief einsam und angstvoll durch die Berge. Im Dorf findet er bei dem Pfarrer Oberlin einige Wochen Unterschlupf, Oberlins Berichte und Briefe von Zeitgenossen verwendet Büchner für seine berührende Erzählung eines zerrissenen Menschen in der Landschaft. Lenz sucht Ruhe, doch seine Aufregung steigert sich, sein Geisteszustand verschlechtert sich: Die Begegnung mit einem Freund, die Aufforderung des Vaters zur Rückkehr und die Abwesenheit des Pfarrers versetzen ihn in wahnsinnige Verzweiflung. Schließlich lässt Oberlin ihn nach Straßburg fahren: "Er tat Alles wie es die Andern taten, es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm eine notwendige Last. – So lebte er hin."

Lars Wellings, seit dieser Spielzeit neu im Schauspielensemble, erarbeitete bereits 2005 am Staatstheater Wiesbaden mit Christian Schneller ein Lenz-Schauspiel. Mit der jungen Regisseurin Gertje Graef begibt er sich in Lübeck erneut in Büchners bizarre Textlandschaft. Auf der leeren Studiobühne nähert er sich dem wandernden Schriftsteller, seiner Wahrnehmung und seinem Wahn, die Büchner mit erstaunlicher Präzision und Poesie in eindringlichen Bildern beschreibt.

Autor: Theater Lübeck

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