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Mittwoch,
der 21. Februar 2018






Neuer Schauspieler, alter Text: Lenz im Studio

In den Werkausgaben ist es eine Erzählung von überschaubarer Länge – und doch welch ein Brocken! Der neu nach Lübeck engagierte Schauspieler Lars Wellings stellte sich am Freitag mit Georg Büchners "Lenz" im Studio der Kammerspiele vor.



Ihren Namen kenne ich doch, sagt sinngemäß Pfarrer Oberlin, an dessen Tür der wandernde Dichter klopft und fährt fort: "Habe ich nicht einige Dramen gelesen, die einem Herrn dieses Namens zugeschrieben werden?" Beim Pfarrer im stillen Bergdörfchen Waldbach sucht Lenz Ruhe, findet sie allerdings nur in seltenen Momenten. Viel häufiger läuft er, von Angst und Selbstmordgedanken getrieben, durch die Wälder oder über den nächtlichen Hof.

Hinzu kommt religiöse Überspanntheit. Ein totes Mädchen will er mit den Worten Jesu und wie dieser auferwecken, was nicht funktioniert. Die Kanzel in Oberlins Kirche besteigt er, gibt sich als Theologe aus. Auch dies wird kein Befreiungsschlag.

Die junge Regisseurin Gertje Graef und Lars Wellings haben sich die 1835 geschriebene, erst nach Büchners Tod gedruckte Erzählung vorgenommen, Schneisen ins komplexe Gedankengut der Dichter Michael Reinhold Lenz und Georg Büchner geschlagen und in Szenen auf der ausgeräumten Spielfläche des Studio zum Leben erweckt.

Was beim toten Mädchen nicht klappte – hier funktioniert es. Der Club der toten Dichter bekommt Leben eingehaucht. Der Text wirkt zumindest lockerer, logischer, kurzweiliger als beim Lesen. Sie erfinden Gänge, wechselnde Spielorte, öffnen Türen und Wände, tun ansonsten dem Original weder Zwang noch Gewalt an.

Lars Wellings fängt eher behutsam an, erhält sich dadurch alle Möglichkeiten der Steigerung. Die kurzen Dialoge mit anderen Personen im Pfarrhaus wirken ehrlich, ganz natürlich. Im Verlauf von 65 Minuten gibt es auch manches Auftrumpfen. Da werden Wahn und Wirklichkeit geschickt nebeneinander gestellt. Die innere Zerrissenheit, die Leere, die Suche des Lenz und mancher seiner Zeitgenossen werden auf diese Weise verdeutlicht.

Gelegentlich gibt es ein paar Takte Musik, werden Sätze wiederholt, die sich einprägen sollen. Das tun sie denn auch; bis hin zum dreimaligen Schlusssatz, den bekanntesten vier Worten der Erzählung: "So lebte er hin." Langer Applaus im vollen Studio. Die nächste Vorstellung ist am 27. Oktober um 20 Uhr.

Für die Inszenierung gab es viel Applaus. Fotos: Oliver Fantitsch

Für die Inszenierung gab es viel Applaus. Fotos: Oliver Fantitsch


Text-Nummer: 117794   Autor: TD   vom 21.10.2017 09.18

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