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Mittwoch,
der 21. Februar 2018






Der ferne Klang: Sängerkrieg in der Lagune

Opulenter geht es kaum. Jedenfalls nicht im Stadttheater. Als Lübecker Erstaufführung kam am Sonnabend die Oper "Der ferne Klang" von Franz Schreker heraus. Die Mitwirkenden, die am Schluss die gesamte Fläche der Bühne des Großen Hauses füllten, wurden zehn Minuten lang gefeiert.



Es gibt merkwürdige Zusammenhänge. Franz Schreker, der 1878 in Monaco geborene Komponist, hat zwar 1921 am Lübecker Theater Proben zu seiner Oper "Der Schatzgräber" miterlebt und sogar eine Vorstellung dirigiert. Sein neun Jahre zuvor herausgekommener erster großer Erfolg, nämlich "Der ferne Klang", war hier nie zu sehen. Erst jetzt, exakt 105 Jahre nach der Uraufführung in Frankfurt, ist das Werk bei uns zu erleben, inszeniert von einem Kenner des modernen Musiktheaters, Jochen Biganzoli, im Bühnenbild von Wolf Gutjahr.

Der Grund für das späte Kennenlernen des Werkes mag darin liegen, dass die Realisierung einen ungewöhnlich hohen Aufwand erfordert. Nicht nur ein groß besetztes Hauptorchester wird benötigt, sondern zwei weitere, eine venezianische Banda und eine Zigeunerkapelle. Sie sorgen in einem Freudenhaus der Edelklasse auf einer Insel in der Lagune von Venedig und im Haus an der Beckergrube für Partystimmung.

Bei diesem mittleren der drei Akte greift die Regie in die Vollen. Die Pause davor, also zwischen erstem und zweitem Akt, wird inszeniert. Die Türen öffnen sich. Befrackte Herren kredenzen dem verehrten Publikum Sekt. In allen Gänge und Gassen herrscht Leben und Treiben. Solisten, Ensembles, Chöre treten in Aktion. Die Stars der Bühne mischen sich unters Pausenvolk.

Worum geht es in der Oper? Zwei Schlagworte könnten als Hinweise gegeben werden: um ein Künstlerdrama und um die Emanzipation einer Frau. Im Grunde ist es die Liebesgeschichte von Grete und Fritz. Er liebt sie, sie liebt ihn. Er, ein Künstler am Beginn einer ungewissen Karriere, zieht auf der Suche nach dem perfekten, dem fernen Klang in die Welt. Sie bleibt im kleinbürgerlichen Mief zurück, soll den Gastwirt heiraten, bei dem ihr stets alkoholisierter Vater verschuldet ist.

Grete flieht, findet ihren Fritz nicht, wird von einer Kupplerin ins Bordell vermittelt. Hier, in Venedig, wird sie der Star, dem die Männer zu Füßen liegen. Fritz begegnet ihr, verstößt sie als Dirne. Grete landet auf dem Straßenstrich. Im letzten Akt fällt Fritzens Oper durch. Jetzt würde er sich gern von Grete trösten lassen. Ob es ein spätes Happy End gibt, bleibt in der Lübecker Einstudierung offen.

Klare Züge trägt die Ausstattung. Der kleine Kasten der bürgerlichen Enge wird auch durch Videospiegelungen kaum größer. Der Glanz von Venedig – nichts als Flitter. Die erfolgreiche Kurtisane – ein Leben im Käfig. Die Brutalität des Gastwirts am Beginn erfährt ihre Fortsetzung durch die lüsterne Herrenriege im Bordell.

Die Lübecker Philharmoniker unter Leitung von Andreas Wolf entfachen musikalische Gluten, bringen verschiedenste Klangbilder ins Haus. Puccini klingt an, Wagner natürlich, aber auch Walzer- oder Schlagerrhythmen sind zu hören. Üppig besetzt ist der Chor (Einstudierung Jan-Michael Krüger). Hervorragend schlagen sich die Sänger der Hauptpartien: Cornelia Ptassek als Grete und Zoltan Nyari als Fritz, beide auch überzeugend im Wechselspiel der Gefühle und ihrer Beziehung.

Menschlich anrührend ist im Schlussbild Gerard Quinn als hilfsbereiter Advokat. Johan Hyunbong Choi in mehreren Rollen ebenfalls groß, vor allem als liebestoller Graf beim Sängerkrieg in der Lagune. Fast das gesamte Ensemble steht auf der Bühne. Am Schluss sitzt dort sogar das große Orchester für eine lange sinfonische Zwischenmusik. Der Erfolg – wie erwähnt – groß und verdient.

Die weiteren Aufführungen sind bis April durchgeplant. In diesem Jahr ist der "Ferne Klang" am 26. Oktober, am 10. und 25. November sowie am 9. Dezember zu erleben. Termine im kommenden Jahr: 12. Januar, 3. Februar, 3. und 11. März, 8. und 15. April.

Das Publikum feierte am Samstagabend die Premiere im Großen Haus. Fotos: Steffen Gottschling

Das Publikum feierte am Samstagabend die Premiere im Großen Haus. Fotos: Steffen Gottschling


Text-Nummer: 117808   Autor: TD   vom 22.10.2017 08.59

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