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28.10.2017 12.28


Luther verstehen durch moderne Psychologie

Das Lutherjahr geht seinem Höhepunkt entgegen. Der 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober ist bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. HL-live.de Pastor Heinz Rußmann widmet seine Gedanken zum Wochenende dem Thema "Luther verstehen durch moderne Psychologie".

Am letzten Mittwoch sollte ich im Gemeindekreis einer Lübecker Gemeinde einen Vortrag halten über Martin Luther. Wie kann man Luther heute gut verstehen? Für Luther stehen ja im Mittelpunkt seiner Verkündigung die Worte von Paulus: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzeswerke, allein durch den Glauben" im Römerbrief 3,28. Um diesen anspruchsvollen Satz heute einfacher zu verstehen, möchte ich die moderne Psychologie verwenden von Prof. Friedemann Schulz von Thun, dem Papst der Kommunikations-Psychologie: (Miteinander Reden: Band 3). Dazu: Fritz Riemann: Grundformen der Angst.

Beide Psychologen behaupten, dass jeder Mensch vier Charaktere und Verhalten braucht. Vier Pole stehen sich im inneren Team unserer Seele gegenüber. Ordnung und Freiheit, liebevolle Nähe und kühle Distanz. Das heißt: Jeder Mensch muss zu einem stimmigen, gelingenden Leben erstens ordentlich, gerecht und gewissenhaft, sauber und zuverlässig sein. Damit er aber nicht zum pingeligen, kleinkarierten Ordnungs-Fanatiker wird, braucht er auch den Gegenpol von Freiheit, Ideenreichtum, Selbstbestimmung, Kreativität, spontaner Lebendigkeit. Drittens brauchht jeder auch den Pol Nähe und Liebe. Das heißt, man muss auch freundlich, umgänglich, verständnisvoll und barmherzig sein. Zuviel Nähe aber klammert andere Menschen seelisch und umarmt sie so sehr, dass es unangenehm ist. Wer zu lieb und selbstlos ist, vernachlässgt sich selbst und geht unter. Man muss sich auch viertens innerlich etwas distanzieren können von den Mitmenschen. Übrigens heiraten viele Ehepaare nach den vier Polen: Gegensätze ziehen sich an. Oder: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Beide Psyhologen sagen, wir brauchen je nach Situation alle vier Pole im fließenden Gleichgewicht, damit unser Leben gelingt. Jesus hat alle vier Pole gelebt. Die Betrachtung des Lebens nach vier Polen möchte ich vereinfacht auch auf die Religionen übertragen. Auch alle Religionen brauchen vier Pole. Durch Gott, den Schöpfer im Himmel, ist immer auch Distanz gegeben. Manche Religionen haben dagegen eine wirbelnde, freie Vielfalt von verschiedenen Göttern. In manchen Religionen geht es drittens in erster Line um die Gerechtigkeit Gottes und der Gläubigen. Gesetzeserfüllung ist ein Hauptziel dieser Religionen und des Glaubens. Im Judentum zum Beispiel gibt es deswegen über sechshundet heilige Gebote. Aber im Christentum steht viertens Gottes Liebe und Barmherzigkeit im Vordergrund des Glaubens.

Zum eigentlichen Thema von Luther gehört, dass für gläubige Juden zur Zeit Jesu und der Bibel Gerechtigkeit fast ohne Barmherzigkeit einseitig im Vordergrund stand. Jesus sah zum Beispiel, dass es nicht im Sinne unseres Vaters im Himmel sein konnte, dass das Heilen und Gesundmachen am Sonntag streng verboten war. Außerdem sah er, dass wir Menschen uns zum Guten ändern nicht durch strenge Gebote, sondern durch Liebe und Mitgefühl. Martin Luther entdeckte nun, dass in der katholischen Kirche zu seiner Zeit die Gerechtigkeit und die Sühne für Gebotsübertretungen zu sehr im Vordergrund stand.

In den wilden und finsteren Zeiten des Mittelalters sah die Kirche darin die Hauptaufgabe des Glaubens. Alle Gebotsübertretungen, jede kleine Flunkerei, jede kleine Lieblosigkeit musste gesühnt, das hieß bezahlt werden durch gute Taten oder bei Tetzel durch Geld. Nur so konnte man den gerechten und sehr strengen Gott und Richter zufrieden stellen, dachte man. Sühne war das Hauptthema des kirchlichen Glaubens damals. Ursprünglich wollte Luther Jura studieren. Auf der Wanderung dorthin wurde er von Blitzschlägen eingekesselt. Nach der Logik seines mittelalterlichen Glaubens nahm er an, dass der strenge Gott ihn mit dem Tode bestrafen wollte für seine Sünden, Zweifel und Verfehlungen. Um sich zu retten, meldete er sich noch am nächsten Tag im Kloster an als Mönch, um nur noch Gutes zu tun und fromm zu leben. Aber sein katholicher Glaube war so streng, gerecht und ordentlich, dass er mit Qualen nie ein ruhiges Gewissen im Kloster bekam.

Durch sein unermüdliches Bibelstudium und seine Übersetzug der Bibel in gutes Deutsch begriff er plötzlich, dass die Liebe und Vergebung im Vordergrund der christlichen Religion steht und nicht eine unbarmherzige Gerechtigkeit. Der sündlose Gottessohn Jesus hatte durch seinen Sühnetod am Kreuz schon für die Sünden der gläubigen Christen soviel gesühnt und bezahlt, so dass sie frei und froh leben können. Das ist der Sinn der Worte des Apostels Paulus im Röm 3,28 "So halten wir denn dafür, dass wir gerechtfertigt werden, ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." Wir können frei und froh durch die Verbundenheit und Freundschaft mit Jesus leben und gern das Gute und Verantwortliche tun. Und mutig sagen: Hier stehe ich! Gott helfe mir! Luther sagt es auch so: "Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Und solche Zuversicht macht fröhlich, mutig und voll Lust zu Gott und allen Geschöpfen." Das hat er allen zugerufen bis heute.

Die Psychologen Schulz von Thun und Riemann betonen, dass wir alle vier Pole brauchen. Bei Luther steht die Liebe Gottes und von Jesus als befreiende Gnade im Vordergrund. Aber natürlich sollen Christen auch die Zehn Gebote und staatlichen Gesetze und die Regeln des erfreulichen, höflichen Umgangs miteinander gern und verantwortlich beachten. Das Motto von Jesus, Paulus und Luther ist deshalb: Gesetz und Evangelium. Aber wie bei keiner anderen Religion steht bei der christlichen Religion die Liebe von Gott zu uns und von uns zu Gott im Vordergrund. Unsere Welt hungert nach mehr Liebe und Gerechtigkeit und nach Jesus als Vorbild, Freund und Bruder. Er macht uns froh, gerecht und mutig!

Ihr HL-live.de Pastor Heinz Rußmann

Autor: red.

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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