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Freitag,
der 22. Juni 2018






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14.11.2017 08.55


Lindenau und Sünnenwold: Nachdenken über Lübeck

Ein gemütlich lodernder Kamin auf der Bühne hat noch gefehlt und vielleicht ein Butler, der bei Gelegenheit mal nachschenkt. Ansonsten stimmte das Bühnenbild, das die Akteure für die Diskussion zwischen Bürgermeister-Kandidat Jan Lindenau (SPD) und dem ehemaligen Stadtpräsidenten Peter Sünnenwold (CDU) am Montagabend mit viel Sinn für Humor gestaltet hatten.



Peter Sünnenwold wusste daher auch gleich, welcher Sessel ihm zugedacht war. Schwarz ist halt meine Farbe schäkerte er gleich in den Zuschauerraum hinein und das Publikum wusste natürlich, in welch vielfältiger Weise diese Bemerkung ausdeutbar war.

Jan Lindenau, sozialdemokratischer Bürgermeisterkandidat, nahm natürlich in der Tradition seiner Partei auf dem roten Sessel Platz und begann mit einer lockeren Tour d'Horizon über sattsam bekannte Lübecker Problemkreise. Dass sein Gesprächspartner fünf Tage vor der entscheidenden Bürgermeister-Stichwahl ein stadtbekannter CDU-Grande war, ein ehemaliger Stadtpräsident für seine Partei, war natürlich schon eine kleine Sensation und auch ein bisschen peinlich, besonders für die CDU Wahlkämpfer im gegnerischen Weiher-Team.

Über derartigen Überlegungen steht Peter Sünnenwold natürlich, der sich eben in kein Schema pressen lässt und der sich auch ohne politische Ämter in passenden Situationen gern auch mal ungefragt zu Wort meldet.

Der Dialog über Parteigrenzen hinweg sollte eben gepflegt werden, eine bittere Notwendigkeit in Zeiten um sich greifender politischer Unkultur. Nicht nur mit den großen Entscheidungsträgern, sondern gerade auch mit den kleineren Parteien, die alle am politischen Willensbildungsprozess beteiligt sind.

Man war sich in vielem einig und es wurde auch herausgestrichen, was alles gemeinsam, über Parteigrenzen hinweg für Lübeck bewegt wurde. Der Bildungsfonds beispielsweise, den man zusammen auf den Weg gebracht hat, und der ein bundesweit anerkanntes Erfolgsmodell wurde.

Oftmals wurden solche vernünftigen Wege nach heißen Auseinandersetzungen in der Bürgerschaft anschließend beim Absacker im Ratskeller gefunden. Leider heute nicht mehr möglich, bedauerten beide, denn nach den Bürgerschaftssitzungen ist das Lokal heutzutage dicht.

Man plauderte entspannt über Lübecker Tourismus-Chancen, angedachte Kreuzfahrt-Terminals, wie man Touristenströme entwickelt und lenkt und war sich dabei weitgehend einig. Oft tauchte die Redewendung auf "darüber reden wir schon seit 20 Jahren" was immer ein zustimmendes Raunen bei den Gästen der Veranstaltung hervorrief.

Es wird nicht einfacher, war man sich auch einig, als es um die zukünftige Entwicklung der Bürgerschaft ging, denn mindestens eine weitere Fraktion wird im kommenden Jahr dazukommen, wurde gemeinsam befunden.

Die schwierige Lage am Lübecker Hafen wurde von beiden beschrieben, und auch hier war man sich einig, dass in jedem Falle ein Handlungsmodell gefunden werden muss, um den Hafen als Wirtschaftsfaktor für Lübeck zu retten.

Ansiedlungspolitik, Gewerbeflächen, Konsequenzen aus der Fehmarnbeltquerung, das Logistikgewerbe mit seinen Arbeitsplätzen waren weitere Themen, die von Jan und Peter erörtert wurden.

Besonders Sünnenwold mahnte an, dass Entscheidungen auf diesen Feldern, besonders auch bei Gewerbeflächen, getroffen und zügig und zeitnah umgesetzt werden müssen. Da bestand Sünnenwold schon darauf, dass investorenfreundlich entschieden werden muss. "Alle Entscheidungen in diesem Zusammenhang fand ich nicht gut", befand er diplomatisch, aber alle wussten, was gemeint war. "Am Lindenplatz wird seit sieben Jahren gebaut", legte er nach, und rollte genüsslich den chaotischen Planungsprozess aus. Da gab es Beifall auf offener Szene, auch wenn das Publikum deutlich sozialdemokratisch geprägt war.

Universität, Ausgründungen, Wachstum, Wohnraum für Studenten waren weitere Problemfelder, bei denen viele Gemeinsamkeiten erkennbar wurden. Die Stadt muss leben und belebt sein, gab Sünnenwold hier zu bedenken, denn junge Studenten müssen in der Innenstadt wohnen, um die Attraktivität zu erhalten.

Kultur, Theater und die im Raum stehende Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 waren weitere Themenkreise. Dabei war wenig Begeisterung bei beiden für den Bewerbungsvorgang zu entdecken. Zu teuer, wurde befunden, das Geld kann sinnvoller für das Theater und für kulturelle Initiativen verwendet werden. "Das was wir haben behutsam weiterentwickeln", war so etwa die Leitlinie, auf die sich beide einigen konnten.

Am Ende natürlich die Stadtteilbüros, die Lindenau teilweise wieder eröffnen möchte, von denen Sünnenwold aber überzeugt ist, dass langfristig endlich mal eine vernünftige IT-Strategie hermuss, um Lübeck internettechnisch den Anschluss an das heutzutage Mögliche zu bescheren.

Die Brücken müssen dringend repariert werden, und die Vertragsgestaltung natürlich so angelegt sein, dass die Stadt gegen Bauverzögerungen und Rechtsabteilungen von Baukonzernen so abgesichert ist, dass sie nicht ständig den Kürzeren zieht und bei Murks von Baufirmen auch noch draufzahlt.

Als Jan Lindenau das artige Gespräch noch mit einer Kontroverse würzen wollte, fiel beiden kein rechter Punkt ein, den sie mal öffentlich hart aber fair ausfechten könnten.

Sünnenwold meinte grienend "Ich könnte jetzt sagen, ich mag dich einfach nicht", erkannte aber gleich, dass ihm diese Bemerkung am heutigen Abend eh keiner abnehmen würde.

Da waren sich alle einig: Er hatte mal wieder Recht.

Im Original-Ton hören Sie den Mitschnitt des rund einstündigen Gesprächs.

Autor: Harald Denckmann

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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