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Montag,
der 19. Februar 2018






Weihnachtsgeschenke auch für die armen Leute

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind... Seit ungefähr 2000 Jahren, sollte man meinen. Stimmt nicht, weiß Dr. Bettina Braunmüller, Leiterin der Geschichtswerkstatt Herrenwyk. Das Christkind kommt erst seit oder durch Dr. Martin Luther.



Diese Erkenntnis stammt nicht aus einem Nachtrag zum Reformationsjubiläum, sondern aus der Weihnachtsausstellung der Geschichtswerkstatt, die am Sonntag, 19. November, eröffnet wird. Vor Luther brachte der heilige Nikolaus den Kindern Geschenke. Luther wollte den Blick weg von der Heiligenverehrung auf das Christkind lenken. So wanderte die Bescherung vom 6. auf den Abend des 24. Dezember, den heiligen Abend.

"Bescherung unter dem Weihnachtsbaum" heißt die Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus der Werkssiedlung in Herrenwyk. Sie zeigt Spielsachen aus einem Zeitraum von rund 120 Jahren, von 1900 bis in die Gegenwart. Die Idee zur Ausstellung sei ihr gekommen, als sie hörte, dass im St. Annen-Museum eine Spielzeugschau vorbereitet werde. Da im Museum in der Altstadt Spielzeuge der "oberen Zehntausend" gezeigt werden, wolle sie in der einstigen Arbeitersiedlung Spielzeuge der kleinen Leute als Ergänzung bieten, sagt Kuratorin Helga Martens.

Bei den unteren Schichten fiel die Bescherung für heutige Begriffe sehr spartanisch aus. Nur die reichen Leute konnten sich Dinge leisten, die nicht unbedingt zum Leben und Überleben nötig waren. Hier gab es die ersten Spielsachen, oft als Prestige-Objekte und eher für die Vitrine als zum Spielen gedacht.

Viele Exponate stammen aus der privaten Sammlung der Kuratorin. 1984 habe sie damit begonnen, Spielzeuge in der ganzen Bandbreite zusammenzutragen. Oft sind es Dinge, denen man ansieht, dass sie bespielt, auch zerspielt wurden. Manches Spielzeug könne gerade dadurch Geschichten erzählen, zum Nachdenken anregen oder bei älteren Besuchern Erinnerungen wach rufen, meint Helga Martens.



Auch Geschichte werde ablesbar, betont Bettina Braunmüller. Spielzeuge aus der Zeit der Weltkriege seien Beispiele hierfür. So heißt ein Quartett vom Ende der Kaiserzeit "Durchhalten!" In den Jahren nach 1933 kamen Spielsachen auf, die auf den Krieg hinweisen konnten. Nach dem zweiten Weltkrieg überschwemmten Cowboys und Indianer aus den USA den europäischen Markt.

Als Beispiel für "sinkendes Kulturgut" – der Begriff aus der volkskundlichen Forschung meint, dass Sitten der Oberschicht bis "unten" dringen – ist dem Teddybär eine kleine Sonderschau gewidmet. Ursprünglich handgefertigt und nur von reichen Leuten erschwinglich, kam er nach Erfindung von Kunstfasern zu allen Bevölkerungsschichten. Übrigens gibt es auch "aufsteigendes Kulturgut". Die Jeans machte sich von der strapazierfähigen Arbeitskleidung auf den Weg zum Designer.

Nebenbei lernt der Besucher, dass der Weihnachtsbaum den Paradiesbaum kirchlicher Spiele vom Sündenfall ablöste. Oder dass das Schenken mit der kostenlosen Speisung von Armen begann. Erst später erhielten Kinder, dann auch Erwachsene Geschenke, oft nützliche Dinge. Das gegenseitige Schenken könne man als Zeichen gegenseitiger Liebe und Wertschätzung ansehen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 19. November, um 11 Uhr mit einer Podiumsdiskussion eröffnet. Sie ist bis 4. Februar zu sehen, freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr; in der Geschichtswerkstatt in Kücknitz-Herrenwyk, Kokerstraße 1-3.

Helga Martens hat sich mit dem Spielzeug der vergangenen 120 Jahr beschäftigt. Fotos: JW

Helga Martens hat sich mit dem Spielzeug der vergangenen 120 Jahr beschäftigt. Fotos: JW


Text-Nummer: 118346   Autor: TD   vom 15.11.2017 14.49

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