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19.11.2017 08.14


Tubes and Wires mit Niels Klein

Herkömmliche Genregrenzen stellt Niels Klein schon seit Jahren in Frage. Viel zu breit gestreut ist sein Interesse an Musik und Klang, um sich selbst zu limitieren. Am Dienstag, 21. November, kommt er mit seinem Programm "Tubes and Wires" in den Lübecker CVJM, Große Petersgrube 11.

Der 1978 in Hamburg geborene, seit seinem Studium in Köln ansässige Musiker hat sich in den letzten Jahren als Komponist und Leiter unterschiedlicher Formationen profiliert. Darunter auch große Ensembles, vom Metropole Orkest über das European Jazz Orchestra bis zum EOS Kammerorchester. Spätestens durch diese Arbeit hat sich Klein angewöhnt, über die gängigen Horizonte hinaus zu schauen. „Was ist überhaupt Jazz?“, fragt der Saxophonist und Klarinettist und findet, „das meiste, was interessant ist, lässt traditionelle Kategorisierungen hinter sich.“

Während Niels Klein für seine ausgeklügelten Kompositionen und sein expressiv-farbenreiches Spiel mehrfach ausgezeichnet wurde (ECHO 2015 als Saxophonist, WDR Jazzpreis Komposition, Europäischer Komponistenpreis der Stadt Berlin), geht er mit seinem Quartett Tubes & Wires in eine etwas andere Richtung als bei seinen sonstigen Projekten. Hier wird besonders das Spannungsfeld von natürlich und elektronisch erzeugten Klängen, die Begegnung von Holz und Strom auf individuelle Art ausgelotet. Die Spielhaltung der vier gestandenen Jazzer verrät ihren Hintergrund, zeigt gleichzeitig aber auch ihr Wissen um die Qualität von klaren Linien und transparenten Strukturen. Selbstverständlich kann das Quartett spontan interagieren, zumal der variable Puls von ECHO-Preisträger Jonas Burgwinkel und nicht etwa aus der Platine kommt. Man höre nur Grid mit seinen rhythmischen Finessen. Tatsächlich stehen bei Tubes & Wires Soli und Sounds gleichberechtigt nebeneinander, letztere werden oft im Zusammenspiel entwickelt. Deswegen setzt Klein hier auch kein Saxophon ein, konzentriert sich auf diverse Klarinetten in vielen, auch ungewöhnlichen Tonlagen. „Klarinetten haben einen sehr klaren, linearen Klang, der sich für mein Empfinden viel besser als jedes Saxophon für elektronische Manipulationen eignet“, erklärt Klein. Selbst wenn er seinen Ton elektronisch vervielfacht, scheinen die synthetischen Doubletten noch sehr nah am Original zu liegen.

Der größte Teil des Albums wurde innerhalb von drei Tagen live im Studio eingespielt. Etwa die Hälfte des Repertoires hatte das Quartett zuvor bereits auf Tournee ausformuliert, den Rest schrieb Niels Klein innerhalb eines Jahres dazu. Für die CD war ihm der Album-Gedanke wichtig, also die Dramaturgie einer bestimmten Reihen- und Abfolge und ein großer, übergreifender Bogen. Wesentlich für das Konzept von Tubes & Wires ist auch die Erweiterung der spielerischen Möglichkeiten. Keyboarder Lars Duppler, Gitarrist bzw. E-Bassist Hanno Busch und Niels Klein selbst können mal Melodie-, mal Harmonie-, mal Bass-Instrument sein. „Anders als mit einem konventionellen Harmonizer kann ich mit meiner Kombination aus Whammys und einem Delay auch die komplexen Akkordstrukturen meiner Musik auf den Klarinetten darstellen und vielfältig variieren“, freut sich Klein. Durch sein ausgefuchstes Setup entsteht bisweilen der Eindruck, mehrere Klarinetten zu hören, obwohl er nur eine spielt. Ganz ohne Overdubs, versteht sich. Gleichwohl wurden nach den Aufnahme-Sessions in einigen Passagen noch weitere Spuren hinzugefügt. Unüberhörbar ist das im Stück Perpetual Waves, wo das extrem seltene Ondes Martenot die Melodie übernimmt. Das in den zwanziger Jahren entwickelte Instrument erlaubt, ähnlich dem Theremin, suggestiv-sphärische Glissandi, lässt sich aber mit Hilfe einer Klaviatur präziser intonieren. Niels Klein verweist in diesem Zusammenhang gerne auf Radiohead, die ein Ondes Martenot hin und wieder einsetzen, und auf Olivier Messiaens „Turangalila“-Sinfonie.

Mit dem zweiten Album von Tubes & Wires beweist Niels Klein erneut sein Gespür für besondere Konzepte. Die schillernde Fusion von Gebläse und Elektronik, der Mix aus atmosphärisch-ausgefeiltem Bandsound und spannenden Improvisationen ergibt einen ebenso eigenwilligen wie unterhaltsamen Sci-Fi-Jazz.

Konzertbeginn ist um 21 Uhr. Karten gibt es für 14 Euro zuzüglich Gebühr an den bekannten Vorverkaufsstellen. An der Abendkasse kostet der Eintritt 16 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Autor: CVJM

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