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Montag,
der 19. Februar 2018





Lübeck Erleben

Vom Brot-Retter zur festen Anstellung

Als Stefan Rüdiger vor über einem Jahr zu den Lübecker BrotRettern stieß, musste er sich erst einmal beweisen. Das hat er getan. Und wie! Seit Oktober ist er kein BrotRetter mehr, sondern fest angestellt in einem Junge-Geschäft in Bad Schwartau. Er hat seine Chance genutzt.

Die Freude ist groß bei ihm an seinem letzten Arbeitstag. Beschwingt läuft er am Tresen im BrotRetter-Geschäft in der Lübecker Holstenstraße entlang. Jetzt heißt es Tschüss sagen, den Kolleginnen und Kollegen alles Gute wünschen. Ein Jahr lang hat er Gas gegeben, wollte seinem Leben eine neue, positive Wendung geben.

"Ich bin heute viel sicherer und disziplinierter. Das hat mich der Job gelehrt. Es ist natürlich sehr anstrengend im Vergleich zu vorher", erzählt der 36-Jährige, "aber genau das wollte ich ja." Einfach normal arbeiten und ein bisschen Geld verdienen, hat er sich zum Ziel gesetzt. Er sei sehr dankbar, dass man ihm bei Junge so viel Vertrauen schenkt. Für Junge-Sprecher Gerd Hofrichter eine Selbstverständlichkeit: "Wer sich wie Stefan Rüdiger voll in seinen Job reinhängt, der ist bei uns immer willkommen - egal wie seine Vergangenheit aussah."

Der Weg zum neuen Leben begann für Stefan bei den Sozialen Hilfen der Vorwerker Diakonie. "Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiterwusste." Zwei Ausbildungen habe er abgebrochen, immer wieder Aushilfsjobs gemacht. "Aber ich hatte halt nie was Richtiges." Bei der Vorwerker Diakonie änderte sich das. "Endlich hatte ich das Gefühl, man kann mir dort weiterhelfen."

Regelmäßiges Arbeiten war für den gebürtigen Rostocker nicht selbstverständlich, zu viele Täler musste er in seine Leben durchlaufen. Als er 14 ist, stirbt die Mutter. Beim Vater und der Stiefmutter fühlt er sich nicht zu Hause. Schlafstörungen quälen ihn. "Ich habe einfach immer verschlafen, weil ich vorher nicht einschlafen konnte. Ich wusste mir nicht zu helfen. So habe ich dann meine Ausbildung verloren." Schließlich suchte er sich Hilfe – und bekam sie.

Für Stefan Rüdiger war der BrotRetter-Job nicht nur der Start in den ersten Arbeitsmarkt, sondern auch die Rückkehr in ein geregeltes Leben. Sogar der Kontakt zur Familie lebte wieder auf. "Mein Bruder hat mich tatsächlich im Internet unter einem BrotRetter-Artikel wiedergefunden. Er rief im Geschäft an und ließ seine Nummer da. Ich war ganz schön nervös, als ich nach Feierabend zurückrief. Aber ich bin froh, heute telefonieren wir regelmäßig und planen auch bald ein Treffen. Das ist schön."

Stefan Rüdiger hat es geschafft: Er hat über das Brot-Retter Programm eine feste Arbeitsstelle bekommen. Foto: Henning Kubitzki

Stefan Rüdiger hat es geschafft: Er hat über das Brot-Retter Programm eine feste Arbeitsstelle bekommen. Foto: Henning Kubitzki


Text-Nummer: 118411   Autor: Henning Kubitzki/Junge   vom 17.11.2017 15.38

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