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25.11.2017 09.02


Medea – Der Tanz ums Goldene Vlies

Bildung wird abgefragt bei der jüngsten Produktion am Lübecker Theater. Lucia Bihler inszenierte Franz Grillparzers Medea-Trilogie "Das goldene Vlies". Das Premierenpublikum am Freitag spendete herzlichen Schlussapplaus.



Es erfordert Mut, die Trilogie für einen Abend zusammenzustreichen. Aber drei Abende würden den gewaltigen Stoff nicht leichter machen. Lucia Bihler kürzt die ersten beiden Teile geschickt auf 55 Minuten Länge. Es geht zügig voran. Bis zur Pause jedenfalls. Danach, vor den Mauern von Korinth, wird die Tragödie länglich.

Der Stoff führt in die Welt der Mythen und Sagen der Griechen, führt zurück in graue Vorzeit. Das goldene Vlies, ein Widderfell, das mit Goldpartikeln aus den Flüssen der Schwarzmeerküste besetzt ist, steht als Symbol für die Gier nach Gold, Macht und Geld. Dieser Schatz gehört den Göttern und deshalb ins Heiligtum von Delphi.

Trotzdem wird das goldene Vlies nach Kolchis entführt. Jason, griechischer Königssohn, bricht mit dem Schiff Argos und einigen Kriegern auf, um es zurück zu holen. Sein Onkel, König in Jolkos, will es besitzen, der König von Korinth auch. Jason – und da beginnt die Tragödie – verliebt sich in die Tochter des Königs von Kolchis und nimmt sie samt Vlies mit in die Heimat. Er ahnt nicht, dass die Fremde im hellen Licht Griechenlands als wilde, dunkle Barbarin verachtet und angefeindet werden wird. Ablehnung und Hass treffen auch ihn.

Stichworte wie Angst vor Fremdem, Ablehnung der Fremden, der Menschen aus anderen Kulturen werden breit ausgeführt und machen den Stoff natürlich aktuell. Dann aber kommt wieder die alte Mythologie: Medea wird zur Kindsmörderin und auch Jason ist verstoßen.

Lucia Bihler lässt das Spiel in einer Art Märchenwald beginnen. Pflanzen, Bäume, gezackte Felsen und Höhlen umgeben im Bühnenbild von Jana Wassong die Szenen. Alles wird in dunklen Farben gehalten, denn wir sind bei den Barbaren. Korinth dagegen liegt im Licht. Allerdings sieht der Palast nach Baracke aus. Vielleicht ist es kein Palast, sondern die Aufnahmestation für Flüchtende.

Wie Marionetten bewegen sich die Figuren im ersten Teil, steif, eckig, alles ein ständiges Ritual. Das wirkt manchmal geradezu grotesk. Zu der Starre mag das alte Versmaß Grillparzers angeregt haben. Im zweiten Teil fallen die Darsteller allerdings gelegentlich aus dem antiken Versmaßkorsett, toben die Temperamente.

Gegen Ende von Teil Eins wirft der wütende Kolcherkönig mit Felsen um sich, legt die Dekoration flach, die für Korinth ohnehin nicht mehr gebraucht wird. Dort begräbt sich der Held Jason schließlich unter Plastikstühlen. Die Figuren in Fantasie-Kostümen und grünen Haaren (Josa Marx, Ulf Brauner) schreien ihre Gefühle heraus.

Als Medea stellt sich Sophie Pfennigstorf in Lübeck vor: stolz, frei und dennoch Sklavin ihrer Liebe. Auch Johann David Talinski, der Jason, ist neu im Ensemble. Er darf Leidenschaft zeigen, hohe Gefühle, hängt am Schluss eben doch das Mäntelchen nach dem Wind. Robert Brandt als König von Kolchis macht fast zitternd die Gier nach dem Gold deutlich. Als Herold im Schlussteil ist er der Typ des sturen Erfüllungsgehilfen.

Susanne Höhne, Medeas Begleiterin, warnt hellsichtig vor dunklen Zeiten. Rachel Behringer ist zweifache Königstochter, in beiden Fällen dem Vater blind gehorsam. Patrick Berg als König in Korinth erinnert in Habitus und Strenge an ägyptische Pharaonen. Etwas anstrengend ist die Sache schon. Aber dem Österreicher Franz Grillparzer (1791-1872) begegnet man selten auf deutschen Bühnenbrettern. Im Dezember gibt es drei Vorstellungen: am 2. um 20 Uhr sowie am 10. und 26. jeweils um 18.30 Uhr.

Autor: TD

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