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Sonntag,
der 18. Februar 2018






Was ihr wollt: Schiffbruch in der Badewanne

Jede Generation muss sich ihren Shakespeare selber erobern. Seine Stücke sind so vielschichtig, dass das auch möglich ist. Eine eigene Sicht auf Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" bietet Regisseur Sebastian Schug jetzt in den Kammerspielen. Am Sonnabend war Premiere.



Sieben Darsteller nennt das Programmheft. Bei Shakespeare werden 14 Personen namentlich genannt, dazu "Höflinge, Matrosen, Gerichtsdiener, Musikanten und anderes Gefolge". Da war also vieles gestrichen und zusammengelegt worden. Das ist üblich und legitim, verschiebt hier aber die Akzente erheblich.

Die Figur, die in diesem Verwirrspiel der Sinne über dem Ganzen steht und Weisheiten des Lebens verkündigt, fehlt völlig, der Narr nämlich. Und lange hat man das Gefühl, dass auch Malvolio, diese tragikomische Person, übersehen worden ist. Aber nein, der hat einen Hausmeisterkittel an und bekommt seine Szene. Andreas Hutzel kostet sie auf seine Art als Comedian aus. Dann aber wird er in die verdeckelte Badewanne gesteckt und fast vergessen, nie rehabilitiert.

Den Plot, wie man das heute nennt, sollte man sich aus dem Schauspielführer oder dem Programmheft merken. Die junge Viola ist bei einem Schiffbruch gerettet worden, den ihr Zwillingsbruder Sebastian offenbar nicht überlebt hat. Viola verkleidet sich als Mann, nennt sich Cesario und tritt in die Dienste des Herzogs Orsino. Der ist in die Gräfin Olivia verliebt und benutzt Cesario als Liebesboten. Die Gräfin verliebt sich in Cesario, der wiederum seinen Herzog liebt.

Drei Franzosen sind angeblich eine moderne Ehe. Aber für zwei Ehen brauchte man um 1600 bei Shakespeare immer noch vier Leute. Shakespeare löste das Dilemma, indem er den Zwillingsbruder Sebastian auftauchen lässt. Das ist natürlich schlecht möglich, wenn beide Figuren – wie hier in Lübeck – von ein und derselben Frau gespielt werden. Agnes Mann macht das wunderbar, und die Regie hat sich für den Schluss einen ziemlich brutalen Trick ausgedacht. Herzog Orsino tritt mit dem blutenden Haupt der Viola aus der Kulisse. Von wegen zweimal Happy End!

Auch bei den sogenannten Rüpeln wurde gespart. Dass Saufbruder Fabio fehlt, ist kein Problem. Aber wenn es nur Sir Toby als einzigen Säufer gibt, sind Dialoge mit Sir Andrew schwierig darzustellen. Will Workman ruckt im Gespräch mit sich selbst von Zeit zu Zeit mit dem Kopf, verändert die Tonlage und ist so der Andere. Wer das Stück nicht kennt, meint womöglich, einen Epileptiker vor sich zu haben.

Von Musik ist bei Shakespeare zumindest am Anfang und am Ende die Rede. In der Lübecker Aufführung gibt es häufiger Musik. Zumindest drei Darsteller – Hermann, Workman, Sembritzki – beherrschen Instrumente, und zum Gesangsmikrofon greifen weitere Herrschaften in der Einheitsdekoration von Bühnenbildner Christian Kiehl.

Sebastian Schug hat viele unterhaltsame, schräge und auch erotisch aufgeladene Szenen erdacht. Zum Amusement reicht das allemal. Am Schluss wird dem geneigten Publikum geraten, das Stück recht zu bedenken und mitzunehmen, "was ihr wollt". Und das dürfte, je nach vorhandenen oder fehlenden Vorkenntnissen, sehr unterschiedlicher Natur sein.

In lebendiger Erinnerung bleiben auf alle Fälle die Leistungen der Darsteller. Das sind neben den bereits Erwähnten: Jan Byl als liebestoller Herzog, Astrid Färber als schnell entflammte trauernde Gräfin, Henning Sembritzki als kämpferischer Antonio und in weiteren Rollen sowie Matthias Hermann als musikbegabter herzoglicher Diener. Das Premierenpublikum zollte den Darstellern herzlichen, dem Regieteam verhalteneren Beifall. Die nächsten Vorstellungen sind am 14. und 29. Dezember.

Für die Schauspieler gab es herzlichen Beifall. Fotos: Jörg Landsberg

Für die Schauspieler gab es herzlichen Beifall. Fotos: Jörg Landsberg


Text-Nummer: 118925   Autor: TD   vom 10.12.2017 09.08

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