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Sonnabend,
der 22. September 2018






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18.12.2017 12.21


Der letzte Vorhang im Travemünder Kulturbahnhof

"Schön wird der Abend nicht", versprach Kulturbühnen-Chef Wolfgang Hovestädt bereits zum Auftakt des letzten Veranstaltungsabends der Kulturbühne Travemünde. Alle waren gekommen, die eine Einrichtung in ihr Herz geschlossen hatten, die das Kulturleben an der Ostsee unglaublich bereichert hatte.



Das wurde dem Publikum noch einmal so richtig deutlich, als zum Abschluss, kurz vor dem letzten Vorhang, noch einmal eine Präsentation lief, in der die Großen der Kleinkunstszene dem Kämpfer Wolfgang Hovestädt ihre Reverenz erwiesen. Brettl-Künstler aus Dresden, München, Mannheim waren dabei, und natürlich die berühmte "Pfeffermühle" aus Leipzig, die erst kürzlich als Ersatzprogramm (!) eingesprungen war, als Leipziger Kollegen plötzlich krank wurden.



Das Quartett "Meerklang", ein Alt-68iger an den Gitarren und drei reife Mädels gaben an diesem Abend alles, um das Publikum mit einem Rundschlag durch Rock'n'Roll und Schlagergeschichte zu unterhalten. Als "You never walk alone" aus der in Lübeck gedrehten Fernsehserie "Freunde fürs Leben" erklang, dachte so mancher, dass diese berühmte Liedzeile nicht so ganz stimmt, denn wenn auch das Publikum ihm immer die Treue hielt, so wurde er doch von der Lübecker Politik an entscheidenden Stellen oft allein gelassen.



Wolfgang Hovestädt hat alles versucht, um diese einmalige Spielstätte im Retro-Look für das deutsche Kabarett zu erhalten. An diesem letzten Abend trat dann auch der Impressario selbst am Ende als Kabarettist auf, mit einem Solo, das in seinen nachdenklichen Passagen an große Kollegen wie Georg Schramm erinnerte. Es war ein Ritt durch die Windungen und gefährlichen Fahrwasser der Lübecker Politik, der vom Publikum mit einer Mischung von ungläubigem Erststaunen und gelegentlichen "Pfui"-Rufen begleitet wurde. "Mit den Steinen, die uns in den Weg gelegt wurden, streute Hovestädt einmal ein, hätten wir mühelos ein wunderbares Theater bauen können."

Nun wissen alle, die mit Wolfgang Hovestädt zu tun haben, dass er alles andere als ein einfacher Zeitgenosse ist. Davon kann besonders Egon Ruhland, Anchorman des berühmten Shanty-Chors "Mövenschiet" ein Lied singen. Die beiden haben sich gelegentlich schon einmal mit hochroten Köpfen gegenübergestanden, was Ruhland natürlich nicht davon abhielt, mit einer ganzen Abordnung des Chores im Bühnen-Outfit seinem Freund Wolfgang an diesem schweren Abend zu begleiten. "Sowas wird unter Männern vernünftig geklärt", kommentierte Ruhland nur kurz, denn selbstverständlich überwiegt die Achtung, die er vor dem hat, was Wolfgang Hovestädt in Travemünde für Travemünde aufgebaut hat. Was wird nun aus dem schönen Bahnhof, den der Travemünder Bild-Chronist Karl Erhard Vögele einmal ehrfürchtig "Kulturgüter-Bahnhof" getauft hat? Wie man hört, sollen Freude und Entspannung im Umkreis des Bahnhofs auch weiterhin einen wichtigen Stellenwert erhalten. Aber das ist, wie so vieles in diesen Tagen, nur ein Gerücht.

Ehefrau Lydia hätte an diesem Abend jeden Gast am liebsten persönlich umarmt, als wollte sie mit Macht festhalten, was sich langsam und unaufhaltsam in große Vergangenheit auflöste. "Es muss weitergehen", sagten dann auch viele beim Abschied zu Wolfgang Hovestädt, der sich nach dem letzten Vorgang wie ein guter Hirte an den Ausgang gestellt hatte, um vielen zu danken und sie persönlich zu verabschieden. Marion Lemke-Stark vom Unterstützerkreis fand liebevolle Worte für den großen Einsatz der Hovestädts. "Was ist eigentlich mit dem Spiegelzelt?", fragten viele am Ausgang. "Die Pläne sind alle fertig", bestätigte die Tochter des Hauses.

Mit ein wenig Unterstützung aus der Politik und aus der Verwaltung könnte das doch noch etwas werden. Schließlich waren kürzlich erst alle Bürgermeisterkandidaten da und haben ihre Unterstützung signalisiert. Da trifft es sich doch gut, dass wir jetzt einen jungen und dynamischen Bürgermeister bekommen und die "fast-Bürgermeisterin" nicht nur Travemünderin ist, sondern auch noch für das Ressort "Kultur" zuständig. Wolfgang Hovestädt, als dritter im Bunde, ist Experte im Steine wegräumen. Der hat schon den Kulturbahnhof bespielt, als das Dach nicht mehr da war, und das Publikum mit Regenschirmen da saß. Die Künstler haben erst aufgehört, als sie drohten, am Bühnenstrom zu verbrazzeln. Das ist wahrer Einsatz, Freunde - so etwas Großes darf einfach nicht sterben.

Im O-Ton (unterhalb des Bildes) hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Besuchern der letzten Veranstaltung.

Autor: Harald Denckmann

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