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der 18. Oktober 2018






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31.12.2017 13.40


Post aus New York: Lübeck vor 120 Jahren

Post aus den USA bekam HL-Live. Ein Leser hatte auf einem Flohmarkt in New York alte Lübecker Stadtansichten erstanden. Könnt Ihr zu den Bilder etwas erzählen? fragte er. Wir können. Die Aufnahmen stammen aus den 1890er Jahren, wurden in Darmstadt im Großformat gedruckt.



Stadttore gab es im alten Lübeck in jeder Himmelsrichtung. Zwei sind erhalten. An andere erinnern Straßennamen, wie Hüxter- oder Mühlentor. Nach Norden aus der Stadt heraus führt das Burgtor, das seinen Namen von der über der Trave thronenden Burg erhielt. Hier residierte während der Dänenherrschaft von 1201 bis 1227 der Vertreter von König Waldemar II. Danach musste die Burg nach und nach dem Burgkloster weichen.

Das fünfstöckige Torgebäude war Teil der Befestigung. In seinen Anfängen geht es auf das Jahr 1217 zurück, Mitte des 13. Jahrhunderts war es im romanischen Stil fertiggestellt. 1444 ließ Stadtbaumeister Nicolas Peck das Tor erneuern. Angebaut wurden das sogenannte Zöllnerhaus im Osten und im Westen der Marstall zur Unterbringung der Pferde. Das Tor hatte früher einen spitzen Turmhelm. Der wurde im November 1685 von einem Feuer vernichtet. Im Stile des Barock ersetzte man die Spitze durch die glockenförmige Haube.

Ursprünglich gab es nur eine Durchfahrt. Als der Verkehr zunahm, gab es Stimmen, die den Abriss verlangten. Dies lehnte der Senat ab. Stattdessen wurden weitere Durchgänge in die Mauern gebrochen. 1850 kam ein neuer Durchgang im Westen hinzu, 1875 und 1928 zwei weitere, so dass das Tor jetzt vier Durchgänge aufweist, die inneren für den Autoverkehr, die äußeren für Fußgänger.

Die Gebäude werden bis heute genutzt, zum einen für ein Jugendzentrum, zum anderen als Wohn- und Arbeitsstätten. Von 1912 bis 1928 lebte hier die Lübecker Schriftstellerin Ida Boy-Ed, nach ihrem Tod Museumsdirektor Carl Georg Heise. Von 1934 bis 1999 waren Burgtor und Zollhaus Wohn- und Arbeitsstätte der auch international bekannten Handweberin Alen Müller-Hellwig. Nach der Eheschließung baute ihr Mann Günther Hellwig hier seine Geigen. Nach 1999 führte Alen Müller-Hellwigs Schülerin Ruth Löbe die kunsthandwerkliche Weberei fort. Ruth Löbe starb 2016 mit nur 56 Jahren.

Das Zöllnerhaus wurde zur Nutzung ausgeschrieben. Seit Anfang 2017 bewohnen ein Musiklehrer mit seiner Familie die Räume in mehreren Etagen. Auf einem der Klingelschilder macht die Bezeichnung "Drumburg" darauf aufmerksam, dass hinter den soliden Mauern dieser "Trommelburg" heute Schlagzeugunterricht erteilt wird.

Ausgesprochen spannend ist es, sich mit den Inschriften im und am Tor zu beschäftigen. Im östlichen Fußgängerdurchgang wird an die "Schlacht um Lübeck" erinnert, die 5.000 Tote forderte. Am 6. November 1806 kämpften napoleonische Truppen zwischen Tor und Koberg. Generalfeldmarschall von Blücher, der sich mit preußischen Truppen in der Stadt verschanzt hatte, musste sich zurückziehen.

Neben dem Westdurchgang findet man Hinweise auf eine Hinrichtung im Tower zu London. Am 6. November 1914 wurde dort Carl Hans Lody erschossen. Es war die erste Hinrichtung im Tower nach 150 Jahren. Lody war als deutscher Spion in Großbritannien enttarnt worden, obwohl er mit amerikanischen Papieren lebte.

Zwanzig Jahre nach der Hinrichtung, am 6. November 1934, ließen die Nazis ein Denkmal in die Mauer einfügen. In einer Nische stand ein Ritter in voller Rüstung, der eine Schlange zertrat. Auf einer Bronzetafel steht: "CARL HANS LODY starb für uns, 6. 11. 1914 im Tower zu London." Auf einer weiteren Tafel ist zu lesen: „ Am 6. November 1914, 6.30 Uhr früh, starb Lody, von feindlichen Kugeln durchbohrt, im Tode noch seinen Gegnern Achtung abtrotzend für deutsches Heldentum." Darüber ist ein Zitat angebracht: "Ich habe einen Auftrag meines Vaterlands erfüllt", so angeblich Carl Lody vor seinen Richtern.

Die Statue des Ritters ist 1946 auf Veranlassung der Stadtverwaltung entfernt worden. Die britische Militärregierung untersagte damals das Entfernen der Tafeln. Vor einiger Zeit wurde darüber in der Bürgerschaft gestritten. Eine Mehrheit entschied am 29. Oktober 2005, die Tafeln als geschichtliche Dokumente zu belassen.

Eine weitere Tafel weist inzwischen auf den Zusammenhang aus heutiger Sicht hin: "Mit dem Ziel, die Tätigkeit des deutschen Spions in England C. H. Lody zu verherrlichen und angebliches deutsches Heldentum zu predigen, wurde diese Tafel 1934 angebracht. Das Lody-Denkmal war Teil der propagandistischen Kriegsvorbereitung des NS-Staates gegen England und andere Staaten."

Merkwürdige Zufälle: 6. November 1806 Schlacht in Lübeck, 6. November 1914 Exekution im Tower. Nicht so merkwürdig ist das November-Ereignis von 1934. Der 20. Jahrestag war bewusst gewählt. Was Carl Hans Lody mit Lübeck zu tun hat, ist allerdings unbekannt.

Autor: TD

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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