Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

HL-live.de

Sonntag,
der 21. Oktober 2018






+++ HL-live.de - Archiv +++

05.01.2018 16.46


Post aus New York: Lübeck vor 120 Jahren - Teil 3

Post aus den USA bekam HL-Live. Ein Leser hatte auf einem Flohmarkt in New York alte Lübecker Stadtansichten erstanden. Könnt Ihr zu den Bilder etwas erzählen? fragte er. Wir können. Die Aufnahmen stammen aus den 1890er Jahren, wurden in Darmstadt im Großformat gedruckt.



Über den Kampf ums Burgtor zur Franzosenzeit haben wir berichtet. Auch ums Holstentor wurde gekämpft. Der Krieg fand allerdings im Saale statt, am 15. Juni 1863, und zwar im Saal der Bürgerschaft. Der Ausgang ist vielen Lübeckern bekannt, die Einzelheiten nicht unbedingt.

Das Holstentor, neben dem Brandenburger Tor in Berlin wohl der bekannteste Torbau Deutschlands, war um 1500 nur eines von vier Toren, die die Stadt nach Westen schützten. Es wird als das mittlere Tor bezeichnet. Ein inneres stand dicht davor zur Stadtseite hin. Außerdem gab es zwei äußere Tore, die ins Verteidigungssystem von Wasser und Wällen einbezogen waren.

Beim Anbruch des Industriezeitalters wurden viele alte Zöpfe abgeschnitten. Vor dem Holstentor brauchte man zum Beispiel Platz für einen Bahnhof. 1808 wurde das zweite äußere Holstentor abgebrochen, 1828 das innere und 1853 das letzte verbliebene äußere Tor. Nun stand nur das heutige Tor, und zwar in einem maroden Zustand. Die schweren Tortürme waren so weit in den morastigen Untergrund eingesackt, dass die untersten Schießstarten im Erdreich steckten.

In der Stadt verschafften sich sich zwei Parteien Gehör. Die eine plädierte für den Abriss, um Platz für ein modernes Lübeck zu schaffen. Die andere kämpfte für den Erhalt des Symbols aus großen hanseatischen Zeiten. Im Jahr 1855 erhielt der Senat eine Eingabe, das Tor abzureißen, unterschrieben von 683 Bürgern. Die Befürworter der Erhaltung konnten darauf hinweisen, dass selbst der preußische König, Friedrich Wilhelm IV., auf ihrer Seite stand.

Um das Kostenargument zu entkräften, sammelten Bürger Geld für eine Sanierung. Nach ersten Schätzungen sollte sie 8.000 Reichsmark kosten. Die Freunde des Holstentors sammelten 14.000 RM. Die Sanierung wurde später natürlich teurer als vorhergesehen. Aber die gesammelten Gelder deckten immerhin 75 Prozent der Schlussabrechnung.

Vom Senat wurden Gutachten in Auftrag gegeben. Sie kamen zu dem Schluss, dass es möglich sei, das baulich ramponierte Tor zu erhalten. Die Entscheidung fiel am 15. Juni 1863 im Rathaus. Eine spannende Sitzung der Bürgerschaft, berichten Zeitzeugen. Immer neue Redner traten ans Pult. Die Pro- und Kontrastimmen hielten sich die Waage. 83 gültige Stimmen wurden schließlich abgegeben; 42 für die Erhaltung, 41 für Abriss. Seitdem weiß man in Lübeck: Eine einzige Stimme kann ausschlaggebend sein.

Das Holstentor musste noch oft saniert werden, zuletzt in den Jahren 2005/06. Eine halbe Million Euro sollten die Arbeiten kosten. Die Schlussabrechnung belief sich auf das Doppelte. Aber auch hier spendeten die Lübecker, immerhin rund 574.000 Euro.

Seit den 1930er Jahren beherbergt das Holstentor als Museum Sammlungen zur Stadtgeschichte. Da manchen Fachleuten das Konzept inzwischen veraltet erscheint und immer wieder nach einer Heimat für die Völkerkunde gesucht wird, gibt es Überlegungen zur Umgestaltung, um mit Lübecker Altertümern auch Teile der Völkerkundesammlung dauerhaft präsentieren zu können.

Autor: TD

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender
Videos

Service:
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.