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Freitag,
der 19. Oktober 2018






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19.01.2018 12.17


Lübeck vor 120 Jahren: Das Kaisertor

Post aus den USA bekam HL-Live. Ein Leser hatte auf einem Flohmarkt in New York alte Lübecker Stadtansichten erstanden. "Könnt Ihr zu den Bilder etwas erzählen?", fragte er. Wir können. Die Aufnahmen stammen aus den 1890er Jahren, wurden in Darmstadt im Großformat gedruckt. Heute geht es um das Kaisertor.



Neben den bekannten Toren am Ende der Nord-Süd-Achse oder auch der Straßenverbindungen von West nach Ost gab es seit Ende des 13. Jahrhunderts ein weiteres Tor ins südliche Umland, und zwar in der Nähe der Mühlentore. Seit 1292 wird das Kaisertor erwähnt. Vor dem Tor führte ein schmaler hölzerner Steg über einen kleinen Wasserlauf. Heute bildet dort der Elbe-Lübeck-Kanal ein Hindernis, aber den gab es um 1300 nicht.

Über den Namen Kaisertor für einen eher unbedeutenden Stadtausgang ist oft spekuliert worden. Sollte ein Kaiser das Tor durchschritten haben? Vielleicht Kaiser Karl IV., der anno 1375 Lübeck besuchte und verfügt haben mochte, dass das Tor hinter ihm zugemauert würde, damit niemand es mehr durchschreite? Nur: Was hätte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, dessen Hauptresidenz die Stadt Prag war, davon gehabt?

Die Historiker nehmen an, dass der Erbauer ein Mann mit dem Namen Kaiser war. Ein Kaiser ohne Krone und ohne jeglichen Herrschaftsanspruch also. Sei dem wie ihm wolle. Zugemauert war das Tor allerdings lange Zeit. Aber auch für diese Tatsache finden sich bei alten Chronisten und durch überlieferte Sagen Erklärungsversuche. Das Tor lag nämlich im Einflussbereich des Domkapitels. Angeblich musste ein Bediensteter der Domherren dafür sorgen, dass der kleine Eingang abends gut verschlossen wurde.

Das mochte die Domherren auf die Idee gebracht haben, das Betreten der Stadt auf diesem Wege mit einem Zoll zu belegen, einer frühen Form einer privaten Maut gewissermaßen. Als der Rat davon erfuhr, wurde das Erheben der Gebühr strikt untersagt. Dann eben nicht, mochten die Domherren gedacht haben, mauerten das Tor zu und rissen die hölzerne Brücke ab.

Als die Lübecker hier die Wälle erhöhten und den den Mühlenteich aufstauten, sollte der neue Damm geschützt werden. Hierfür wurden zwei Türme errichtet, einer benutzte quasi als Unterlage das nicht mehr benutzbare Tor. Ein weiterer Turm, der Butenturm, stand draußen vor dem Tore. Der Kaiserturm wurde dann in die Bastionen einbezogen, die ab 1595 als neue Form der Befestigung entstanden. Der Name erinnert daran; er wurde Teil der Kaiserbastion. Als solche Wehranlagen wegen modernerer Waffen sinnlos geworden waren, trug man den Turm ab. Stehen blieb der Turmstumpf mit vermauertem Tor.

Der Stumpf wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einem Gebäude bekrönt, das – zusammen mit Anbauten – von 1826 bis 1993 als Navigations- beziehungsweise Seemannsschule diente. Sie wurde durch Beschluss der Landesregierung nach Flensburg verlegt. Das Gebäude diente nun verschiedenen Zwecken: von 1993 bis 2011 dem Institut für Mathematik der Universität, dann den Beamten der Polizei, als die Wache in der Mengstraße umgebaut wurde.

Zuletzt sind hier Flüchtlinge untergebracht worden. Laut Vertrag stehen die Gebäude bis Anfang 2019 für diesen Zweck zur Verfügung. Inzwischen hat die Stadt Lübeck dem Land Schleswig-Holstein das Grundstück abgekauft. Über eine neue Nutzung wird diskutiert.

Übrigens ist doch einmal ein Kaiser durch das Tor geschritten. Beim Bau des Elbe-Lübeck-Kanals war die Pforte 1899 wieder geöffnet worden. Als Wilhelm II. am 16. Juni 1900 nach Lübeck kam, um den Kanal zu eröffnen, ging er durch dieses Tor; womöglich im Bewusstsein, dass es nun seinen Namen verdiene. Vor dem Tor, auf dem neuen Wasserweg, wartete ein Boot, die "Lubeca", die Seine Majestät bestieg, um zu den Eröffnungsfeierlichkeiten zu fahren.

Autor: TD

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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