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der 21. Oktober 2018






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27.01.2018 09.28


Rossinis neuer Barbier: Wohlgenährt und liebeshungrig

Wer in der vergangenen Spielzeit Rossinis "Reise nach Reims" im Theater Lübeck gesehen hat, wusste, was auf ihn zukommt. Denn der italienische Regisseur Pier Francesco Maestrini und der Comiczeichner Joshua Held haben ein weiteres Mal zugeschlagen. Die Premiere am Freitag im Großen Haus wurde umjubelt.



Dieses Mal haben Maestrini und Held Gioacchino Rossinis erfolgreichste Oper, "Der Barbier von Sevilla", aufs Korn genommen. Das kann man eigentlich nur mit Werken machen, die fast jeder kennt. Und der Geniestreich des jungen Komponisten ist den meisten Opernbesuchern bekannt.

Das Spiel beginnt schon eine halbe Stunde vor dem ersten Ton. Auf der Hintergrundleinwand sieht man Maestro Rossini als Comicfigur im Bett liegen, links die nie leer werdende Rotweinflasche, rechts ein Pult mit leeren Notenblättern. Aus dem Untergrund holt er – wie Obelix seine Wildschweine – die gebratenen Hähnchenschenkel herauf.

Er muss eine Oper abliefern. Die Einfälle kommen, aber der Maestro ist nicht zufrieden, zerknüllt immer wieder das Papier. Und so schallt schließlich, als der Kapellmeister den Taktstock hebt, ein Schrei aus dem Orchester: "Wir haben keine Noten!" Dirigent Numajiri eilt auf die Bühne ans Bett des Komponisten. Der deutet an: Fünf Minuten noch. Dann erhält der Herr im Frack das Konvolut mit der fertigen Oper und wirft die Blätter in den Orchestergraben.

Zwei Bemerkungen dazu. Erstens: Wenn Rossini so oft die Notenblätter weggeworfen hätte, wäre er nie in weniger als drei Wochen mit dem "Barbier" fertig geworden. Zweitens: Man kennt jetzt, vor Beginn der Ouvertüre, das Prinzip der Inszenierung. Comicfiguren auf der Leinwand und reale Künstler arbeiten Hand in Hand, fallen übereinander her, ergänzen oder kommentieren sich.

In bunter Folge geht es gut drei Stunden lang durch die Geschichte von der Liebe des verkleideten Grafen Almaviva zu seiner angebeteten Rosina, hinter der auch der altersgeile und geldgierige Vormund Bartolo her ist. Es bedarf der Listen des weltmännischen Figaro, um die Probleme zu lösen. Munter werden die Szenen abgespult. Besonders auffallend: Die Hauptfiguren sind mit Mengen von Stoff in singende Monster verwandelt. Da muss man Fantasie aufbringen, um sich Verliebtheit vorzustellen.

Hut ab vor den Sängern, die bei Rossini ja oft atemberaubende Tempi vorzulegen haben. Rosina, zum Beispiel, muss sich bei einer Arie mit halsbrecherischen Koloraturen im Fitnessstudio auf hölzernem Fahrrad abstrampeln, sich dabei die Seele aus dem Leib singen. Wioletta Hebrowska macht das glänzend. Überhaupt liefert die Mezzosopranistin eine begeisternde Partie. Sie wechselt sich in dieser Rolle mit der Sopranistin Emma McNairy ab.

Gerard Quinn singt den Figaro, ein schon lebenserfahrener Barbier mit kraftvoller Stimme. Eugenio Leggiadri-Gallani als Bartolo muss ständig auf der Lauer liegen, ist darstellerisch und stimmlich gut disponiert. Seinem Vertrauten Don Basilio (Taras Konoshchenko) gelingt die Verleumdungs-Arie bestens. Eine gute Tenorstimme bringt Alessandro Luciano mit. Die Partie des verliebten Grafen fordert ihn allerdings mächtig. Seine Parodie auf den Startenor Pavarotti – gelungen. Andrea Stadel macht aus der kleinen Rolle der Marzelline viel.

Wenn man die Inszenierung kritisch betrachtet, fällt natürlich auf, dass die Aufführung nicht nur durch die Comics komisch wird, sondern auch, dass die Figuren sich nicht ernstnehmen. Ein Beispiel: Dem verliebten Grafen, der als Stellvertreter des Musiklehrers bis zur Geliebten vordringt, ist das gebratene Huhn wichtiger als seine Angebetete. Manches wirkt gesucht und bemüht.

Die musikalische Leitung hat der frühere Lübecker Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri. Er bietet einen derben, zu Beginn sogar langsamen Rossini. Deftiger Schwung reißt das Publikum mit, lässt aber manche Feinheit der Musik, das Farbenspiel der Klänge vermissen. Die neue Fassung der Oper hat ihre Uraufführung in Verona erlebt. In der kommenden Spielzeit wird sie mit den dortigen Sängern in Kiel zu sehen sein. Sie wird in Lübeck volle Vorstellungen bringen. Das ist doch etwas!

Erste Wiederholung ist am Sonntag um 16 Uhr. Weitere Termine: 11. Februar, 18. März, 2. und 27. April, 4., 5. und 26. Mai, 7. und 16. Juni.

Autor: TD

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