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HL-live.de

Donnerstag,
der 22. Februar 2018






Lübeck vor 120 Jahren: Die Schiffergesellschaft

Post aus den USA bekam HL-Live. Ein Leser hatte auf einem Flohmarkt in New York alte Lübecker Stadtansichten erstanden. "Könnt Ihr zu den Bilder etwas erzählen?", fragte er. Wir können. Die Aufnahmen stammen aus den 1890er Jahren, wurden in Darmstadt im Großformat gedruckt. Heute geht es um die Schiffergesellschaft.



Sie wird gern die "klassischste Kneipe der Welt" genannt, die Lübecker Schiffergesellschaft. Das Gebäude am Koberg, am Anfang der Breiten Straße, kennt jeder. Eigentlich müsste man vom Haus der Schiffergesellschaft sprechen, denn die Gesellschaft ist die Vereinigung von Kapitänen, deren Vorgänger das Grundstück im Jahre 1535 erwarben und die Gebäude für ihre Zwecke umbauten. Im Eingang gibt es eine Liste der Eigentümer seit 1292.

Die Gesellschaft ist aus zwei Bruderschaften hervorgegangen, aus der Nikolaus-Bruderschaft und der St. Annen-Bruderschaft. Das waren nicht nur Standes- oder Berufsvertretungen, sondern auch soziale Einrichtungen, die sich zum Beispiel um die Hinterbliebenen von Schiffsunglücken oder um Schifferwitwen kümmerten. Der nasse Tod forderte im Mittelalter häufiger Opfer als die Seefahrt heute.

Nach der Reformation lösten sich die katholischen Laienbruderschaften auf und bildeten die Schiffergesellschaft. Da man sich nicht mehr in den Kapellen der Gotteshäuser traf, wurde ein eigenes Gebäude als Gesellschaftshaus erworben. Die Jahreszahl 1535 findet sich noch in der Fassade des Restaurants. Hier fallen die tief liegenden Fenster mit ihren langen Blenden oder die hellen Kreisblenden. Beides gibt der Fassade ein lebendiges Aussehen.

Über dem Portal sieht man ein auf Kupfer gemaltes Bild aus dem 17. Jahrhundert, ein Dreimaster unter vollen Segeln. Rechts und links des Bildes findet man, auf Holztafeln geschrieben, einen oft zitierten Spruch: !Du bist der Mann, Herr Jesu Christ, dem Wind und Meer gehorsam ist. Drum halt in Gnaden deine Hand auch über unserm Schifferstand.!

Zunächst war dies also das Gesellschaftshaus der Schifferbrüder, das zu Versammlungen und Beratungen, aber auch zu Feiern und Festen genutzt wurde. Seit 1868 wird die große Diele, das Herz des Gebäudes, als öffentliche Gaststätte geführt. Der erste Eindruck erinnert an ein maritimes Museum, denn Flaggen, Schiffsmodelle und weitere Ausstattungsstücke aus der Seefahrt hängen an den Pfeilern oder von der Decke. Die langen Tische waren einmal Schiffsplanken. Während sich in Norddeutschland ansonsten jeder lieber an einen eigenen Tisch setzt, rückt man hier zusammen.

In den Hofgebäuden leben bis heute Witwen von Seefahrern und alt gewordene Fahrensleute. Rechts vom Hauptportal sieht man eine kleine Tür und dahinter eine Treppe, die in die Tiefe führt. Es handelt sich um den letzten erhaltenen Gotteskeller in Lübeck. Hier durften im Winter die Ärmsten der Armen schlafen, und zwar für Gotteslohn, also umsonst. Daher der Name.

Im Gotteskeller lebte auch der Bote der Schiffergesellschaft. Er musste bei Festen Speisen auftragen, Benachrichtigungen von Haus zu Haus bringen, Beiträge kassieren, sich um die Bewohner im Schifferhof kümmern. Auch das Reinigen der Plätze der Seefahrer in der Kirche St. Jakobi sowie die Verwaltung der Kerzen gehörte zu seinen Aufgaben. Außer der Schlafstelle erhielt er einen Jahreslohn von 25 Mark. Schon an dieser Zahl sieht man, wie sehr die Zeiten sich geändert haben.

Die Schiffergesellschaft um das Jahr 1890.

Die Schiffergesellschaft um das Jahr 1890.


Text-Nummer: 119820   Autor: TD   vom 29.01.2018 09.58

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