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Sonntag,
der 18. Februar 2018






Der Widerspenstigen Zähmung: Käthchens Kapitulation

William Shakespeares früher Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" begegnet man nicht oft an deutschen Bühnen. Vielleicht fürchten Regisseure den Konflikt mit Frauenverbänden. Schließlich geht es um die "Zähmung" einer selbstbewussten, starken Frau. Das Theater Lübeck setzte das Stück vom Ende des 16. Jahrhunderts auf den Spielplan. Am Freitag war Premiere.



Die Regie war dabei einer Frau übertragen, einer jungen Engländerin mit guten Deutschkenntnissen. Lily Sykes wurde in London geboren, lebt jetzt in Berlin. Es gehe um die Änderung von Machtverhältnissen, zwischen Mann und Frau, zwischen Herren und Sklaven, erklärte Lily Sykes am Anfang der Woche auf einer öffentlichen Probe. Insofern sei das Stück immer noch aktuell.

Ihre Bühnenbildnerin Jelena Nagorni verlegt die Szenen weg aus Padua in eine Mischung aus Zirkus-Arena und Viehmarkt. Mancher im Publikum mag sich an die Zeiten der Theatersanierung in der Beckergrube vor 20 Jahren erinnern. Viele Aufführungen fanden damals im Bullenstall statt, einer Viehauktionshalle mit aufsteigenden Tribünen für die Zuschauer.

Jetzt gibt es eine aufsteigende Tribüne unter einem Zirkuszelt und einer Spielfläche in der Mitte der Bühne. Zu den Spielern gehört natürlich die Widerspenstige. Katharina heißt sie. Niemand will sie heiraten. Ihrer jüngeren Schwester Bianca dagegen machen die Männer reihenweise den Hof. Vater Baptista verkündet: Erst wenn die Ältere unter der Haube ist, darf auch die Jüngere heiraten. Basta!

Und so machen sich Biancas Freier auf die Suche nach jemandem, der das Käthchen nimmt. Sie finden Petruchio, den die Mitgift reizt. Ohne seine Zukünftige gesehen zu haben, meldet er sich beim Schwiegervater in spe; die Dressur beginnt. Das geschieht in den Kammerspielen mit einer neuen Übersetzung von Anna Cron. Sie enthält Vokabeln, die bei den Übertragungen des 18./19. Jahrhunderts nicht vorkommen, aber den Graben von 400 Jahren zuschütten.

Da in Shakespeare-Stücken oft Geschlechtertausch stattfindet, wechselt die Regisseurin fast durchgängig die Rollen. Vater Baptista bleibt männlich, die Liebenden und ihr Gefolge tauschen die Geschlechter. Eine Marotte heutiger Inszenierungen, die sich auch eines Tages überleben wird.

Lily Sykes macht in einer leicht gekürzten, leicht umgestellten Fassung aus dem alten Text ein zirzensisches Unterhaltungsstück. Da purzeln Menschen und Puppen in Menschengröße durcheinander. Da wird mit Worten und Weisen jongliert, da wird gerockt und gesungen. Jan Schöwer hat eine flotte Bühnenmusik geschaffen. Er begleitet auf der Szene mit der Gitarre, singt auch mit.

Für die Szenen auf dem Lande verschwindet die Zirkuskuppel. Man spielt quasi unter freiem Himmel. Hier wird besonders deutlich auf den Unterschied zwischen oben und unten, zwischen Herrenmenschen und kriechender Dienerschaft hingewiesen.

Die beiden Schwestern spielen zwei Herren des Lübecker Ensembles, das durch einige Gäste ergänzt ist. Patrick Berg ist das Käthchen, eher die stolze Katharina, deren Rückgrat gebrochen werden soll: kahlköpfig, ein wenig grobschlächtig, alles andere als weiblich. Will Workman als "liebliche Bianca" ist von der Statur her auch keine Elfe, bewegt sich gelegentlich sehr elegant fraulich, fast ein Bruder von Hape Kerkeling. Peter Grünig macht die Gefühle des geplagten Vaters zweier unverheirateter Töchter deutlich.

Astrid Färber kehrt zum Fürchten den Machtmenschen heraus. Um die Gunst Biancas wirbt Maike Jüttendonk als flotter, schlaksiger Lover in Leder. Rachel Behringer, der Konkurrent Lucentio, gibt mit tiefer Stimme den erfahrenen Mann von Welt. Liliy Sykes lässt ohne Pause knapp zwei Stunden durchspielen. Diese Stunden vergehen schnell. Das Premierenpublikum sparte nicht mit Beifall und Bravorufen. Die nächsten Vorstellungen sind am 10. und 18. Februar.

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Kerstin Schomburg

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 119937   Autor: TD   vom 03.02.2018 08.59

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