Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

HL-live.de

Mittwoch,
der 15. August 2018






+++ HL-live.de - Archiv +++

10.02.2018 18.15


Turbulenter CDU- Wahlparteitag

"Wenn Personalentscheidungen anstehen ist es immer voller als sonst", stellten langgediente CDU Mitglieder schon kurz vor Eröffnung des Kreisparteitages am Samstag zur Aufstellung der Kandidatenliste für die anstehende Bürgerschaftswahl fest. Und es war spannend. Um die Kandidaturen für die Bürgerschaft wurde hart gekämpft.



Immerhin nahmen 196 registrierte Mitglieder an der ersten Abstimmung des Tages teil. Und die hatte es bereits in sich. Volker Nehrhoff war vom Kreisvorstand als Bewerber für den Wahlkreis 3 vorgesehen - es gab aber, nicht unbedingt üblich bei der CDU, gleich eine Kampfabstimmung über die von vielen im Saal ungeliebten Vorschläge. Durchgesetzt mit 97 zu 95 Stimmen hat sich letztlich der Bewerber Hermann Junghans, der mit dieser Kampfabstimmung für sein Comeback auf der politischen Bühne der Hansestadt sorgte. Er war schließlich vor Jahren bereits einmal in der Lübecker Bürgerschaft, sollte sogar Senator werden, scheiterte dann aber in der entscheidenden Abstimmung an Wolfgang Halbedel. Heute meldete er sich voll zurück, und sorgte gleich für recht dramatische Akzente.

Das klang schon an in der einstimmenden Rede der Kreisvorsitzenden Anette Röttger. Die war sichtlich angehaucht vom neuen Politikstil in Kiel, wo man den menschlich anständigen Dialog mit ganz anders denkenden pflegt und zu sachlich ausgewogenen Entscheidungen kommt. Es waren deutliche Worte, die sie sprach und viel war von Offenheit, fairer demokratischer Auseinandersetzung und auch von Konfliktfähigkeit die Rede. Natürlich wusste sie, dass es mit heruntergeklapptem Visier auf diesem Parteitag zu Auseinandersetzungen kommen würde, die altgediente Mitglieder der Partei in dieser Form noch nicht erlebt hatten.



Vor diesem Hintergrund war Tagungsleiter Volker Kaske ein absoluter Glücksfall. Versiert in der Sache, erfahren und absolut korrekt steuerte er einen der schwierigsten Parteitage seiner Laufbahn fast sechs Stunden lang durch alle Untiefen. Auf den Tag vor genau 59 Jahren war er in die Partei eingetreten, gab er im Nebensatz bekannt, worauf Parteichefin Anette Röttger eine Tulpe aus einer Vase in der Nähe zog und ihm galant überreichte.

Christopher Lötsch, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Lübecker Bürgerschaft, begründete anschließend die vom Kreisvorstand aufgestellte Liste, über die Parteimitglieder in die Bürgerschaft gelangen können, falls sie ihren Wahlkreis nicht direkt gewinnen sollten. Vordere Plätze auf dieser Liste sind daher eine wichtige Rückversicherung, wenn man für die Partei in den Wahlkampf zieht.

Einigkeit herrschte darüber, dass die ersten 25 Plätze auf der Liste denjenigen gehören, die auch direkt für die Partei in einem der 25 Wahlkreise kandidieren. Im Umkehrschluss bedeutete das natürlich, dass jemand der nicht direkt aufgestellt war, auch nicht einen Platz unter den ersten 25 erhalten würde. Das sollte im weiteren Verlauf des Parteitages noch wichtig werden.

Im Wahlkreis 12 kam es dann zum nächsten Showdown. Sabine Wargenau, die bereits lange Jahre für die CDU in der Bürgerschaft tätig war, sollte nach den Vorstellungen der Parteioberen in diesem Wahlkreis antreten. Und dann kam plötzlich Dagmar Hildebrandt an das Podium und schlug mit Paul Gerhard Röttger einen Mitstreiter nach ihren Vorstellungen vor. Ganz bewusst bei wohl ausgewogener Frauenquote einen ihrer Meinung nach qualifizierteren Mann. So manche Dame im Saal schnappte nach Luft. Sabine Wargenau verlor mit 81 Stimmen den Wahlkreis gegen Paul Gerhart Röttger (101 Stimmen) und Dagmar Hildebrand stand bereits wieder am Pult um die gleiche Sache noch einmal durchzuziehen. Für den Wahlkreis 13 wollte sie nicht die vorgeschlagene Bewerberin Liane Rüther, sondern warb intensiv für den von ihr favorisierten Bernd Lutzkat. Das war zu viel für Liane Rüther, entnervt zog sie ihre Bewerbung für den Wahlkreis zurück.

Und noch einmal gingen die Damen in den Ring. Als mit warmen Worten für den hoch verdienten Travemünder Ortsvorsitzenden Thomas Thalau geworben wurde, platzte Ursula Wind-Olßon aus Kücknitz der Kragen. In einer motivierenden Rede setzte sie sich für den ebenfalls hochverdienten Jochen Mauritz aus Travemünde ein, der sich dann mit 91 gegen 89 Stimmen gegen Thomas Thalau durchsetzen konnte. Daraufhin trat Thomas Thalau vor das Parteivolk und erklärte seinen Rücktritt vom Amt des Ortsvorsitzenden in Travemünde. Volker Kaske ordnete daraufhin sofort an, dass das nicht protokolliert wird, da eine solche Erklärung weder auf der Tagesordnung steht, noch auf einen Kreisparteitag gehört. Alle, die ein Interesse daran hatten, dass Thomas Thalau seinen Einfluss behält, scharten sich dann um ihn und bewegten ihn zum Rücktritt vom Rücktritt. Volker Kaske hatte die Situation einmal wieder souverän gerettet.



Das ganze zeigt natürlich, dass die Nerven bei allen Beteiligten blank lagen, und das zeigte sich auch beim unbestrittenen Höhepunkt der Auseinandersetzungen des Tages. Eingeleitet wurde das Ganze von dem bereits vorgenannten Hermann Junghans, der sich nicht scheute einen CDU-Lübeck -Newcomer, Henning Schumann, gegen eine absolute CDU-Grande im Wahlkreis 20 vorzuschlagen: Dr. Burkhart Eymer. Das führte zu absoluter Fassungslosigkeit im Eymer-Lager und man wusste so schnell auch nicht, wie man der Gefahr begegnen sollte, denn wenn Burkhart Eymer nicht für den Wahlkreis nominiert werden sollte, wäre er automatisch auch von der Liste verschwunden. Zahlreiche Krisengespräche daher in den Zählpausen der langen Sitzung. Man witterte Verschwörung. Parteifreunde sprangen Eymer bei und warben für Besonnenheit beim Publikum.

Erleichterung dann, als das Ergebnis bekannt wurde. Mit 93 zu 90 Stimmen konnte Burkhart Eymer sich gegen den Polit-Nobody durchsetzen, ganze drei Stimmen trennten ihn vom Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit im Lübecker Rathaus.

Wieder einmal wird die CDU länger brauchen, um all die Wunden, die auf diesem Parteitag geschlagen wurden, zu lecken. Ein Parteifreund brachte es allerdings am Ende auf den Punkt. Der politische Gegner, so befand er, befindet sich nicht in diesem Raum: "Wir müssen jetzt gemeinsam auf die Straße, um für unsere Ziele gegen die anderen Parteien zu kämpfen." Man hatte das Gefühl, dass einige Anwesende anfingen beim Herausgehen aus dem Saal darüber nachzudenken.

Autor: Harald Denckmann

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender
Videos

Service:
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.