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Sonntag,
der 21. Oktober 2018






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19.02.2018 08.07


Dostojewskijs Meisterwerk: Eine Leiche, viele Mörder

Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki nannte ihn den "besten Roman der Welt". Hermann Hesse las nach der russischen Oktoberrevolution darin "Hinweise auf den Untergang Europas". Fjodor Dostojewskijs letzter Roman "Die Brüder Karamasow" ist ein Brocken, mit dem Film- und Theaterregisseure sich auseinandergesetzt haben. Das jüngste Beispiel ist am Theater Lübeck zu erleben.

Schauspieldirektor Pit Holzwarth stellte sich der Aufgabe, in das vielschichtige Geflecht von Schicksalen und Philosophien Schneisen zu schlagen. Er inszenierte seinen langen Theaterabend selber. Fjodor Dostojewskij handelt in seinem letzten Roman Fragen nach einer christlich verstandenen Ethik, nach Glaube, Liebe, Hoffnung ab. Immer wieder verzweifeln die handelnden Personen an der Ungerechtigkeit der Welt.

Dostojewskij stellt mehr Fragen, als jeder Weise oder jeder Regisseur beantworten kann. "Gibt es einen Gott? Gibt es ihn nicht?" ruft der verzweifelte Grübler Iwan mehrmals. Leidenschaften toben sich aus. Menschen winseln um Liebe, werden belogen, betrogen, verspottet, verletzt. Warum müssen selbst Kinder leiden?

Nach der Pause wird im Theater der Mordfall verhandelt, den manche für das eigentliche Thema des Buches halten. Die Staatsorgane verhaften einen Verdächtigen. Das Gericht verurteilt ihn. Es ist ein Fehlurteil, wie das Publikum erfährt. Der Verurteilte akzeptiert dennoch. Denn alle Brüder Karamasow haben dem Vater den Tod gewünscht.

Werner Brenner baute ein sinnfälliges Bühnenbild. Begehbare Kästen sind in der Mitte übereinander gestapelt – Zellen, Gefängnis, Liebeslauben. Rund um den Mittelbau verläuft ein Gang mit Türen. Ein halbrunder Kreuzgang? Etliche Szenen spielen im Kloster. Vorn an der Rampe haben die Schauspieler einen ebenfalls runden Laufsteg. In der linken Loge neben der Bühne sitzt Willy Daum mit seinen Musikern. Sie zaubern manchmal Stimmung auf die Bühne, die an die Weiten Russlands denken lässt, unterstreichen mit Geräuschen dramatische Stellen.

Der intensive Abend wird von neun großartig agierenden Darstellern getragen. Sie alle leiden, lieben, werden bis an die Grenzen des Wahnsinns getrieben. Robert Brandt ist der Vater Karamasow, herrisch bis zum Despotismus, geldgierig, stets auf junges Fleisch aus. Sehr unterschiedliche Charaktere sind die Söhne, die Brüder Karamasow. Da ist Henning Sembritzki, der stramme schneidige Soldat Dmitrij, der in die Mühle der Justiz gerät. Da ist Iwan, der Intellektuelle, gespielt von Andreas Hutzel, den die Frage nach Sinn und Wahrheit zur Verzweiflung treibt.

Aljoscha, der Jüngste, ist ins Kloster gegangen. Johann David Talinski liebt und vergibt bis an die Schmerzgrenze. Ruhender Pol in der Welt der Emotionen ist Aljoschas geistlicher Vater, der Priestermönch, dem Jan Byl menschliche Größe verleiht. Der Halbbruder Smerdjakow (Matthias Hermann) ist hellsichtig, in der Klarheit der Gedanken den Herrschaften überlegen. Auch sein Schicksal endet tragisch.

Ganze Gefühlswelten durchleiden die drei Frauen, die Lebe- und Liebedame Gruschenka (Agnes Mann), das von Krankheit geplagte Kind Lise (Sophie Pfennigstorf) und die aufopfernd liebende Katerina (Susanne Höhne). Das Publikum bei der ersten Wiederholung am Sonntag applaudierte lange und herzlich. Zeit freilich muss man mitbringen. Drei Stunden und 40 Minuten dauerte die Vorstellung. Sagte jemand beim Verlassen des Theaters: "Mehr als tausend Seiten des Romans zu lesen, dauert noch länger..." Stimmt. Die nächsten Termine: 1. und 9. März, Beginn jeweils 19 Uhr.

Autor: TD

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