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der 20. August 2018






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17.03.2018 08.50


Drei Morde und doch keine „Action“

Ein Opern-Experiment ging das Theater Lübeck ein. "Luci mie traditrici" – wörtlich übersetzt "Meine trügerischen Augen" – lautet der Titel einer Kammeroper von Salvatore Sciarrino. Sie wurde für die Schwetzinger Festspiele geschrieben und dort 1998 unter dem deutschen Titel "Die tödliche Blume" uraufgeführt. Am Freitag hatte sie in Lübeck Premiere.



Salvatore Sciarrino, 1947 auf Sizilien geboren, macht zumindest in diesem Werk Schluss mit den üblichen Seh- und Hörgewohnheiten am Theater. Er reduziert das Geschehen auf ein Minimum. Statt des ganzen Orchesters sitzen 20 Mitglieder der Lübecker Philharmoniker zunächst auf der Vorbühne, verschwinden dann, mit schwarzem Material abgedeckt, im Orchestergraben.

Statt im gesamten Guckkasten spielen die Szenen – bis auf den Schluss – nur in einem Ausschnitt des Bühnenportals, und zwar in halber Höhe. Statt einer großen Handlung gibt es innere Auseinandersetzungen. Obwohl drei Morde geschehen, wartet man vergebens auf "Action".

Die Geschichte spielt an einem Tag im Jahre 1590, fußt auf literarischer Vorlage des 17. Jahrhunderts. In Park und Schloss eines in Süditalien lebenden Grafen treten neben dem Hausherrn zunächst seine Gräfin, dann ein Diener und schließlich ein Gast auf. Die Gräfin verliebt sich in den Gast, der Diener bekommt das mit und petzt. Der Graf ermordet zunächst die beiden Männer, dann seine Frau.

Das alles wird mit äußerst knappen musikalischen Mitteln wiedergegeben. Die Instrumente stützen nicht etwa den Gesang. Sie bewegen sich in einer Mischung aus Klang und Geräusch. "Wir betreten einen fremden musikalischen Kontinent", sagte Dirigent Dietger Holm bei einer öffentlichen Probe. Auch die Sänger haben keine üblichen Partien. Einzelne Tonfolgen, kurze Phrasen, Einwürfe ergeben eine zerklüftete Stimmenakrobatik. Das war nach Aussagen von Beteiligten so schwer zu lernen, dass es manchmal zur Verzweiflung führte.

Sie schlagen sich großartig. Wioletta Hebrowska als Gräfin steht auch musikalisch im Mittelpunkt. Was sie an Intervallen, an Klangfarben abliefert, ist bewundernswert. Mit kraftvollem Bariton ist Otto Katzameier als Graf ein sehr guter Partner. Steffen Kubach versieht seine Rolle mit der angemessenen Zurückhaltung des Dieners.

Die Partie des Gastes ist für Countertenor geschrieben. Christian Rohrbach bringt schönes Material zum Klingen. Den Prolog bei geschlossenem Vorhang bietet Caroline Nkwe mit leuchtendem Sopran.

Das Stück dauert 75 Minuten, erfordert Konzentration und die Bereitschaft, sich zu öffnen und auf das Neue einzugehen. Einige Besucher der Premiere brachten das nicht auf, gingen zwischendurch. Die übergroße Mehrheit blieb und spendete am Schluss herzlichen Beifall. Darin war auch das Team um Regisseurin Sandra Leupold eingeschlossen, die die Darstellenden sehr behutsam und intelligent führte. Die nächste Vorstellung ist am kommenden Freitag (23. März), Beginn 19.30 Uhr.

Autor: TD

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