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Mittwoch,
der 25. April 2018






Elfriede Jelinek am Theater Lübeck: Von Menschen und Mode

Der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek (71) eilt der Ruf voraus, schwierige Texte zu schreiben. Davon kann man sich jetzt am Theater Lübeck überzeugen. In den Kammerspielen hatte am Freitag "Das Licht im Kasten" in einer Inszenierung von Marie Bues Premiere.



Dabei ist "Das Licht im Kasten" kein Theaterstück im herkömmlichen Sinne. Es gibt keine Rollen, keine Figuren, keine individuellen Schicksale. Die Nobelpreisträgerin des Jahres 2004 jongliert mit Gedanken zum Thema "Mensch und Mode".

Von Mode versteht sie nach eigenem Bekunden einiges, und sie zieht eine Parallele: Mode veraltet, ist eigentlich schon von gestern, wenn man sie kauft. Der Mensch altert ebenso unaufhaltsam; egal, was er unternimmt, um das zu kaschieren. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis, und auch kein abendfüllendes Thema. Deshalb verlegt sich Frau Jelinek immer wieder aufs Philosophieren.

Um die Textfülle des Buches ungekürzt auf die Bühne zu bringen, bräuchte man nach Angaben der Regisseurin vier Stunden. Marie Bues kürzte deshalb stark, benötigt knapp zwei Stunden, ohne Pause durchgespielt. Das ist vermutlich die Länge, die ein Publikum verkraften kann, denn die Worte prasseln nur so von der Bühne oder von einer Spiel-Insel in der Mitte des Parketts.

Frau Jelinek spricht nicht nur über Mode und den menschlichen Verfall. Sie weist mit Wut im Bauch auf die Produktionsbedingungen unserer Textilien hin, auf Bauern in Indien, die an den Pestiziden der Baumwollfelder sterben, auf Hungerlöhne, auf die Wasserverschwendung in den Fabriken, die Vergewaltigung der Natur – alles, um Europäern billigen Konsum zu ermöglichen.

Nach ihrer Recherche trägt der Mensch in unseren Breiten ein T-Shirt 1,4 Mal, bevor es im Müll landet. Nein, sie ist nicht zimperlich. "Literatur ist zornige Auflehnung; man kotzt sein Leid ständig aus!" sagt sie im Interview und fährt fort: "Ich will das Schlechte, was ist, aufzeigen!" Und dazu gehören auch der Kaufrausch im Internet und die Rückgabe-Orgie im Versandhandel.

Marie Bues betont die sarkastischen Züge der Vorlage, überlässt die Philosophie weitgehend dem Leser. Das beginnt sehr amüsant. Trotzdem kann die Regisseurin nicht verhindern, dass die häufigen Wiederholungen sich abnutzen. Fünf Darsteller und eine Tänzerin teilen sich die Textmengen. Sie sprechen ungemein intensiv, sind allerdings fast durchgängig sehr laut.

Aus einer von Leuchtröhren geformte Mundöffnung treten die Akteure auf den Laufsteg, geben sich die Textabschnitte, auch mal das Mikro in die Hand. Choreographin Nicki Liszta hat nicht nur Tanzschritte für die Amerikanerin Ariel Cohen erdacht, sondern auch eine Art Stampftanz für das Ensemble. Während der Tanzgymnastik lange Texte zu rezitieren, ist eine großartige Leistung der Mitwirkenden Rachel Behringer, Patrick Berg, Agnes Mann, Sophie Pfennigstorf und Johann David Talinski.

Das Bühnenbild von Indra Nauck wird von den Darstellern spielend umgebaut. Abwechslung ist auf diese Weise optisch gegeben. Trotzdem fragte mancher Premierenbesucher am Ende nach dem Sinn des Textungetüms. Der Beifall galt den Schauspielerinnen und Schauspielern, auch dem Team um Marie Bues. Die nächsten Möglichkeiten, die Produktion kennenzulernen, bestehen am morgigen Sonntag (18.30 Uhr, 10 Euro Eintritt am Theatertag) sowie am Sonnabend, 28. April um 20 Uhr.

Die Schauspieler zeigen eine großartige Leistung. Fotos: Kerstin Schomburg

Die Schauspieler zeigen eine großartige Leistung. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 121459   Autor: TD   vom 14.04.2018 09.20

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