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Sonntag,
der 27. Mai 2018






Die Zauberflöte: Einen Jux will man sich machen

Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" ist ein besonderes Stück: Oft zu sehen, schwer zu inszenieren, weil verschiedene Welten aufeinander treffen. Im Großen Haus des Lübecker Theaters hatte am Freitag eine Einstudierung von Tom Ryser Premiere. Er entschied sich für die muntere Unterhaltung.



Mancher Regisseur tut sich schwer mit der Entscheidung, welcher Aspekt betont werden soll: das reine Märchenspiel, das Volkstheater, das Weisheitsdrama, gar ein Mysterienspiel? Oder von allem etwas? Tom Ryser und sein Team setzen auf einen bunten, fröhlichen, auch turbulenten Abend.

Frei erdacht sind Einstieg und Ende. Zur Ouvertüre wird Hochzeit gefeiert. Prinz Tamino freit die Königstochter Pamina. Aber er scheint keine rechte Lust zu haben, lässt die Hochzeitsgäste im Stich und schlägt sich seitlich in die Büsche. Am Ende wird – wieder in großer Runde – ein Friedensfest gefeiert, an dem auch die Königin der Nacht, Symbol der finsteren Mächte, teilnehmen muss.

Die böse Schlange, die zu Beginn den Prinzen bedroht, ist nicht aus Pappmaschee oder Textil gebaut, sondern wird von den im Kreis laufenden Hochzeitsgästen gebildet. Merkwürdig beginnt der Abend schon vor den ersten Akkordschlägen des Vorspiels. Da stimmen die Musiker, wie üblich, ihre Instrumente, werden laut und lauter und vom Dirigenten zum Knalleffekt geführt. Auch später, wenn die Gewitterdonner auf die Kandidaten der Weisheit niederprasseln, erklingen Töne, die Mozart nie gehört hat. Einen Jux will man sich machen!

Der Regie gehen die Ideen nicht aus. Im Vordergrund stehen das Märchen von der großen Liebe und der Kampf um die Macht. Ganz ernst nimmt man das aber nicht. Die Ritter der Weisheit, die Eingeweihten des Abgottes Sarastro treten nicht in feierlichen Gewändern, sondern in ärmellosen Unterhemden und Hosenträgern auf.

Das alles unterhielt das Publikum. Über Einzelheiten darf man nicht allzu viel nachdenken. Wenn die Königin der Nacht ihre erste große Arie singt, treiben ihre drei Damen im Hintergrund Späßchen. Die großmächtige Fürstin, so wie Mozart sie beschreibt, hätte sie schnell zur Raison gebracht. Dass der edle Sarastro alle Feierlichkeit vergisst und zum fröhlichen Chordirigenten wird, verwundert ebenso.

Eine gut durchgehaltene Idee war es, dem Vogelmenschen Papageno in großen Teilen die Muttersprache zu lassen. Johan Hyunbong Choi ist Koreaner, singt mit kräftigem, voluminösem Bariton. Auch die drei Knaben, Mitglieder der Lübecker Knabenkantorei, dürfen munter mitmischen. Sie kommen mit ihren Sopran- und Altstimmen sehr gut an.

Das Bühnenbild von Stefan Rieckhoff zeigt zu Beginn und am Ende einen Festsaal, der sich durch wehende Tücher, durch ein Dutzend Türen auf der Drehbühne schnell verwandeln lässt. Was aber ist Mozart ohne seine Melodien? Da war bei der Premiere nicht alles Gold, was glänzen sollte. Den edlen Sarastro sang Denis Velev mit grundtiefen Basstönen. Juraj Holly als Prinz Tamino wirkte etwas steif im Spiel, sang in unterschiedlichen Tonfärbungen, mal kraftvoll, dann fast flüsternd.

Erica Eloff als Königin der Nacht nahm man die eiskalte Managerin der Macht ab. Bei den waghalsigen Koloraturen, die jeder Opernfan im Ohr hat, muss noch justiert werden. Evmorfia Metaxaki als Pamina hat eine große edle Stimme, für die schlanke Mozartlinie manchmal fast zu groß, alles in allem in Spiel und Gesang jedoch hervorragend. Claire Austins Papagena wurde nicht zur Märchenhexe verkleidet, durfte sich ihr Männchen mit lockerer Stimme krallen. Der Finsterling Monostatos (Svjatoslav Martynchuk) sprach eher als dass er Mozart sang.

Chor und Extrachor, von Jan-Michael Krüger vorbereitet, waren nicht nur als Sänger zu erleben, sondern auch als Spieler oder Lampenträger. Aus dem Graben – die musikalische Leitung hatte Andreas Wolf – hörte man sehr Unterschiedliches. Rasch im Tempo, fast verhetzt der Beginn mit den drei Damen, betont langsam dann die Bildnisarie, sehr laut am Anfang, später sängerfreundlich. Am Schluss applaudierte das Premierenpublikum lang und heftig. Die nächsten Vorstellungen: 28. April, 13. und 27. Mai.

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Olaf Malzahn

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 121615   Autor: TD   vom 21.04.2018 09.08

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