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Montag,
der 20. August 2018






Ein Kaffee für 35 Pfennig und die große Liebe

"Mein Leben hat am Ende des Ersten Weltkrieges und damit in der allergrößten Mangelzeit angefangen", sagt Gisela Brinkmann. "Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich so stabil bleibe und 100 Jahre alt werde!" Am 10. Mai 2018 feiert sie nun aber im Wohnen mit Service der Vorwerker Diakonie diesen besonderen Geburtstag.

Nach ihrem Lebenslauf gefragt, erzählt Gisela Brinkmann zuerst von ihren Erfahrungen aus den zwei Weltkriegen und von der Flucht aus ihrer pommerschen Heimat nach Kriegsende. Die junge Frau brachte ihre Mutter und ihren kleinen Bruder in einem Zug Richtung Westen unter, verließ Stettin selbst per Bus und landete mit einem der letzten Schiffe allein in einem Flüchtlingslager in Dänemark. "Das ist eine sehr prägende Zeit, wenn man einmal so viel verloren, so gefroren, so gehungert und so viel Schlimmes gesehen hat", sagt Brinkmann. "Ich war damals bei Null angekommen und weiß seitdem alles sehr zu schätzen – Essen und Trinken, die Freiheit, das Leben überhaupt."

Nach drei Jahren fand sie ihre Eltern im Weserbergland wieder und zog auch selbst dorthin. Einige Zeit arbeitete Gisela Brinkmann in der Landwirtschaft, wurde dann aber Grundschullehrerin und fand eine Anstellung in einem Dorf bei Bremen. Eines Tages fuhr sie in die nahe Hansestadt. "Vor der Rückfahrt wollte ich mir noch einen Kaffee gönnen, 35 Pfennig kostete der damals. Im Café war nur noch ein einziger Platz frei, am Tisch eines Zeitung lesenden Herrn." Nach einer Weile ließ der Mann die Zeitung sinken und kam mit der jungen Frau ins Gespräch. Sie verabschiedeten sich ganz förmlich, aber kurze Zeit darauf erhielt Gisela Brinkmann einen Brief aus Dortmund "an die Junglehrerin". Die beiden wurden ein Paar, heirateten bald und bekamen einen Sohn.

Neben ihrem eigenen Sohn zog Gisela Brinkmann auch die zwei Töchter ihres Mannes aus erster Ehe mit groß, die früh ihre Mutter verloren hatten. Als ihr Mann Heinz später starb und sie selbst in den Ruhestand ging, entschied die Grundschullehrerin sich für einen Umzug in den Norden. "Dortmund ist durch die Industrie eine sehr schmutzige Stadt, ich wollte dort weg. Und Lübeck passte gut, weil mein Bruder in der Nähe wohnte." Als sie dann 80 Jahre alt wurde, organisierten ihre drei Kinder ihr einen Platz im Wohnen mit Service der Vorwerker Diakonie. "Ich war erst wütend, weil ich weiterhin alles alleine bewältigen wollte. Aber jetzt bin ich froh darüber. Ich habe eine sehr schöne Wohnung und eine nette Nachbarschaft, morgens kommt der Ambulante Pflegedienst und schaut nach mir – ich fühle mich wohl."

Jubilarin Gisela Brinkmann und ihre Pflegefachkraft Heike Plawan von der Vorwerker Diakonie. Foto: Kristin Wendt

Jubilarin Gisela Brinkmann und ihre Pflegefachkraft Heike Plawan von der Vorwerker Diakonie. Foto: Kristin Wendt


Text-Nummer: 122111   Autor: Kristin Wendt   vom 10.05.2018 14.33

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