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Montag,
der 22. Oktober 2018






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12.05.2018 14.33


KulturTafel vermittelte in einem Jahr rund 3800 Karten

Vor einem Jahr nahm die Kulturtafel Lübeck ihre Arbeit auf, und schon das erste Jahr ist eine Erfolgsgeschichte. 3.800 Karten konnten an Bedürftige vermittelt werden, für die die Teilnahme an Konzerten, der Theater- oder Museumsbesuch aus finanziellen Gründen oft jahrelang nicht möglich war.

Fast jeden Tag kommen in der kleinen Geschäftsstelle in der Wahmstraße Rückmeldungen an, wie diese: „"Der Abend hat mir so viel gegeben. Ich habe richtig wieder am Leben teilgenommen; davon zehre ich immer noch!"

Kristine Goddemeyer brachte die Idee nach Lübeck, und diese Idee ist einfach: Jeden Abend bleiben bei Veranstaltungen Karten übrig, während andererseits Mitbürger kein Geld für kulturelle Angebote haben. Die Kulturtafel fungiert als Vermittler. Im PC sind inzwischen rund 1.300 Personen gespeichert. Nicht nur mit Namen und Anschrift, sondern auch mit Interessensgebieten oder Wünschen.

Anmelden ist einfach. Allerdings muss die Bedürftigkeit nachgewiesen werden: Hartz IV-Empfänger, Alleinerziehende, Familien mit geringem Einkommen, Rentner mit Grundsicherung, Asylbewerber. Nach Möglichkeit werden zwei Karten angeboten, damit niemand isoliert in einer vielleicht ungewohnten Umgebung steht. Intensive Gespräche sind meist die Folge. Eine Mutter sagte nach dem Besuch beim Zirkus Roncalli: „Endlich konnte mein Sohn in der Schule mithalten und erzählen, was er am Wochenende erlebt hatte.“ Die Gruppe der „Kulturgäste“ ist bunt gemischt. Akademische Grade sind ebenso darunter wie Menschen, die durch Krankheit in Armut geraten sind.

Viele Lübecker Einrichtungen machen mit. Sie melden spätestens drei Tage vor dem Ereignis übrig gebliebene Karten. Sechs Ehrenamtlerinnen suchen entsprechende Interessenten und kontaktieren sie. Die Veranstalter bekommen die Namen. Die Karten liegen dann an der Abend- oder Tageskasse. „Ich stehe auf der Gästeliste“, sagen die Beschenkten. Das ist nicht diskriminierend. Im Gegenteil. Gast zu sein, wird als Privileg empfunden.

Vergeben werden nicht nur Randkarten. Eine Teilnehmerin berichtete, sie habe sich in der MuK mehrere Male vergewissert: „Reihe 10 Mitte, beste Kategorie, sind das wirklich unsere Plätze?“ Manchmal bleiben eben gerade die teuren Karten übrig.

Rund 65 Kulturinstitutionen und Veranstalter machen inzwischen mit. Manche melden sich schon eine Woche oder fünf Tage vorher. Etwa das Theater Combinale, das nach dem Vorverkauf und aus Erfahrungen abschätzen kann, ob Plätze frei bleiben. Von B wie Brahms-Institut bis Z wie Zaubertheater Lübeck reicht die Liste.

Die MuK oder das Kolosseum treten selten als Veranstalter auf. Da muss Kristine Goddemeyer den Veranstalter anrufen. Meistens spricht sie keine Fehlbitte aus. „Zirkus Roncalli sagte sofort zu und fragte: Sind hundert Karten genug?“ Auf eine weitere Reaktion waren die Mitarbeitenden nicht gefasst: Privatpersonen melden sich von Zeit zu Zeit. Sie haben Karten oder ein Abonnement, können die Veranstaltung nicht wahrnehmen und verschenken die Karten anstatt sie verfallen zu lassen.

Ganz ohne Geld geht auch bei diesem Verein die Chose nicht. Ein halbes Gehalt für die Geschäftsführerin muss finanziert werden, ebenso die Kosten für das kleine Büro. Hauptsponsor ist die Possehl-Stiftung, und auch andere Stiftungen oder Vereine überweisen gelegentlich eine Spende. Kultursenatorin Kathrin Weiher spricht von einer „Schnittstelle von kulturellem und sozialem Engagement“.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind in der Wahmstraße 71 dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr zu sprechen, telefonisch sind sie von Montag bis Freitag zur selben Zeit erreichbar (0451/20228061). Anmelden ist auch in den Stadtteilbüros oder bei der Lübecker Tafel möglich. Von Zeit zu Zeit, etwa einmal jährlich, wird die Bedürftigkeit nachgefragt. Und etwa alle zwei Monate können die Gäste mit einem Angebot rechnen.

Autor: TD

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