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Sonntag,
der 23. September 2018






Verdis Otello – die Rache eines Finsterlings

Giuseppe Verdis vorletzte Oper "Otello" ist ein gewaltiger Brocken. Wuchtiger ist kaum eine andere Partitur, finsterer kaum ein anderer Plot. Am Theater Lübeck inszenierte Bernd Reiner Krieger das dunkle Stück. Die Premiere am Freitag unter der musikalischen Leitung von Andreas Wolf erhielt starken Schlussapplaus.



Nach dem Erfolg der "Aida" Weihnachten 1871 wollte Verdi sich zur Ruhe setzen. Eineinhalb Jahrzehnte später machte er sich doch wieder ans Schreiben. Vielleicht weil ein Kollege, der Komponist und Dichter Arrigo Boito, ihm ein spannendes Textbuch überreichte, das nach Vertonung schrie, die Umformung der Shakespeare-Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig".

Sie könnte auch "Jago" heißen, diese Oper, in der Verdi die bis dahin in Italien üblichen Musiknummern über Bord wirft und sich auch als Meister des Musikdramas erweist; in einer eigenen Form, die sich von der Richard Wagners stark unterscheidet.

Otello und Jago sind die interessantesten Charaktere des Dramas. Otello ist der Außenseiter niederer Herkunft, der Mohr, der sich jedoch als Heerführer gegen die osmanischen Sultane auszeichnet, zum Admiral aufsteigt und und nach einer Schlacht vor der Venedig gehörenden Insel Zypern gefeiert wird. Jago, der den Posten selber haben wollte, fühlt sich betrogen, weil sein Feldherr den jüngeren Cassio zum Hauptmann ernannt hat. Jago beschließt, beide zu vernichten. Als Waffe benutzt er Otellos schöne weiße Frau Desdemona.

Konsequent setzt Regisseur Bernd Reiner Krieger das Rachewerk in Szene. Otello, zerrissen zwischen Liebe und Eifersucht, erwürgt schließlich seine Frau, um kurz darauf zu erkennen, dass sie unschuldig starb. Sein Selbstmord ist ebenfalls konsequent. Momme Röhrbein baute eine dunkle Festung als Ort der Handlung. Mächtige Pfeiler tragen das düstere Gebäude. Teile der Mauern lassen sich für lichte, freundliche Szenen zur Seite schieben.

Gewitter mit raumfüllendem Echo stehen am Beginn. Das Meer und die Musik toben. Wolken rasen am Horizont vorüber. Andreas Wolf, kommissarischer Generalmusikdirektor, holt alles aus der Musik heraus. Bei aller Dramatik unterschlägt er die lyrischen Szenen nicht, und das Philharmonische Orchester hat einen großen Abend.

Die Aufführung gewinnt ihr Format aber auch und vor allem durch die Sänger. In der Titelrolle ist der Rumäne Marius Vlad zu erleben. Die heldentenorale Stimme hält durch, seine Ausbrüche sind gefährlich. Glänzend besetzt ist sein Gegenspieler Jago. Michele Kalmandy hat einen druchschlagenden tiefschwarzen Bass. Ihren Einstand als Desdemona gibt das neue Lübecker Ensemblemitglied Maria Fernanda Castillo. Ihr Sopran hat Kraft. Berückend schön erklangen im letzten Akt das Lied von der Weide und das Abendgebet.

Julia Grote ist eine mutige Emilia, der Cassio von Juraj Holly der harmlose Naivling, seinem Erzfeind Jago hoffnungslos unterlegen. Sein Tenor fügt sich gut ins Ensemble. Auch die kleineren Rollen sind mit Hojong Song (Rodrigo), Minhong An (Ludovico) Taras Konoshchenko (Montana) gut besetzt. Starke Auftritte hat der Chor, den Jan-Michael Krüger einstudierte.

Kostümbildnerin Angelika Rieck löst die Handlung aus dem 15./16. Jahrhundert. Sie wählt für die Herren eher zeitlose Uniformen, steckt die Damen in dunkle, fast elegante lange Kleider. Für Lübeck ein Opernerlebnis, das vom Premierenpublikum entsprechend gefeiert wurde. In dieser Spielzeit ist die Inszenierung noch zweimal zu sehen, und zwar am 8. Juni (19.30 Uhr) und am 17. Juni (18 Uhr).

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Applaus. Fotos: Jochen Quast

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Applaus. Fotos: Jochen Quast


Text-Nummer: 122603   Autor: TD   vom 02.06.2018 09.11

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