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Donnerstag,
der 18. Oktober 2018






Berlin Alexanderplatz: Im Dschungel der Großstadt

Andreas Nathusius hat mehrere Male ungewöhnliche Theaterabende für die Lübecker Bühnen verantwortet. Sein jüngster Streich ist eine Theaterfassung des umfangreichen Romans "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin (1878-1957). Bei der Premiere am Freitag im Großen Haus gab es langen Beifall nach der fast dreieinhalbstündigen Aufführung.



Der Roman von Alfred Döblin nimmt das Publikum mit ins Berlin der "goldenen" zwanziger Jahre, spielt zwischen beiden Weltkriegen, gegen Ende der Weimarer Republik. Allerdings herrscht keine Endzeitstimmung. Im Gegenteil. Berlin boomt. Überall wird gebaut. Aber Döblin geht es nicht um ein Wirtschaftsthema, obwohl sich gegen Ende des Theaterabends Sprecher für die Armen einsetzen und gegen eine Wirtschaftsordnung wettern, die zu sehr nur die Besitzenden schützt.

Andreas Nathusius hat aus dem Roman ein Theaterstück gemacht. Er setzt die Spielorte, die Handlungsebenen nebeneinander, wie beim Film mit schnellen Schnitten. Hauptperson ist Franz Biberkopf, der gerade aus dem Gefängnis kommt und merkt, dass sich nach Jahren hinter Gittern die Welt draußen stark verändert hat. Das Automobil beherrscht die Straße im Wettbewerb mit der Elektrischen. Franz will Fuß fassen, gerät jedoch durch falsche Freunde wieder auf die schiefe Bahn. Er landet zum Schluss in der Irrenanstalt.

Wie einen Bilderbogen reiht der Regisseur Nathusius Szene an Szene. Die Kulissen (Ausstattung Annette Breuer) tanzen mit, drehen sich, verwandeln sich von dunklen zu hellen Wänden. Durch die Szenen führt erklärend der "Ausrufer". Michael Ruchter schildert, was gleich kommt oder gerade dran ist. An mehreren Stellen wird Musik eingeblendet, von Ausschnitten der lateinischen Messe bis zu Chansons aus dem Berliner Nachtleben.

Großes leisten die Schauspieler. Henning Sembritzki ist ein "Held" wie Döblin ihn wohl meinte, optimistisch, versoffen, nicht klein zu kriegen. Eigentlich sind die Mädchen die Benachteiligten. Sophie Pfennigstorf und Claudia Wiedemer spielen die von Leben und Liebe im Stich gelassenen Frauen. Andreas Hutzel mimt den munteren Stotterer mit fiesem Charakter.

Susanne Höhne, die immer wieder als Sängerin zu eigener Begleitung am Schifferklavier auftritt, ist im zweiten Teil ein beeindruckender Tod. Sven Simon hat in unterschiedlichen Rollen schöne Spielanteile; ebenso wie Robert Brandt und Peter Grünig. Wer gerade nicht in der Mitte der Handlung steht, formiert sich, wie in der antiken Tragödie, zum kommentierenden Chor. Beeindruckend auch das.

Die nächsten Aufführungen sind am Sonntag, 16. September, 18 Uhr, und am 30. September um 16 Uhr.

Henning Sembritzki leistet in der Rolle des Franz Biberkopf großes. Fotos: Falk von Traubenberg

Henning Sembritzki leistet in der Rolle des Franz Biberkopf großes. Fotos: Falk von Traubenberg


Text-Nummer: 124810   Autor: JW   vom 15.09.2018 09.00

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