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Mittwoch,
der 17. Oktober 2018






Sondermarke: Vier Millionen Zeichen für den Glauben

Umrahmt von Klezmer-Klängen der Gruppe Yxalag fand am Donnerstag eine denkwürdige Veranstaltung im Audienzsaal des Rathauses statt. Spitzen von Politik und Kirchen waren angereist. Eine besonderes Postwertzeichen stand im Mittelpunkt: Die Sondermarke zu Ehren der Lübecker Märtyrer.


Bürgermeister Jan Lindenau begrüßte die Gäste im Rathaus.

Für die Auswahl von Sondermarken ist das Bundesfinanzministerium zuständig. Jedes Jahr gehen Hunderte von Vorschlägen ein, sagte Staatssekretärin Bettina Hagedorn. Nur etwa 50 fänden Berücksichtigung. Sie verriet: Der Beirat, ein Expertengremium, wähle aus und mache seine Vorschläge. Das letzte Wort habe der Bundesfinanzminister.

Nach Grußworten und Festrede überreichte die Staatssekretärin Alben mit den Erstdrucken. Ministerpräsident Daniel Günther warb in seiner Ansprache für eine lebendige Erinnerungskultur und versprach, bei möglichst vielen Briefen aus der Staatskanzlei die 70-Cent-Marke zu verwenden. Eigentlich hätte der Wert 75 Cent sein können, meinte der MP, denn an den 75. Jahrestag der Hinrichtung der Lübecker Glaubenszeugen soll das Postwertzeichen erinnern.



Der katholische Erzbischof aus Hamburg, Dr. Stefan Heße, freute sich, dass es diese Marke endlich gebe. Man habe sie oft beantragt. Im Überschwang der Gefühle sprach er von vier Seliggesprochenen. Die evangelische Bischöfin für den Sprengel Hamburg/Lübeck, Kirsten Fehrs, korrigierte unbewusst, in dem sie Adolf Ehrtmann, einen ebenfalls von den Nazis inhaftierten katholischen Laienchristen zitierte: "Sag niemals drei, sondern immer vier."

Drei katholische Kapläne und ein evangelischer Pastor wurden vor 75 Jahren enthauptet. Bei der Seligsprechung der drei katholischen Kapläne vor einigen Jahren auf der Parade wurde natürlich auch des evangelischen Pastors gedacht. Immer wieder wurde im Rathaus betont, dass ihr gemeinsames Glaubenszeugnis ein Schritt auf dem Weg zur Ökumene war.

In allen Redebeiträgen wurde daran erinnert, dass es damals lebensgefährlich war, sich zu Menschenrechten und Mitmenschlichkeit zu bekennen. Die Geistlichen hätten sich im Arbeitsalltag gegen zwei Stützpfeiler des System gewandt, gegen die Lüge und das Schweigen, sagte die Bischöfin. Wo sie sich ausbreiten, sei Vorsicht geboten. Fehrs: "Auch heute sind Ideologen und Lügner kräftig am Werk, und es gibt viele, die schweigen. Gegen jede Lüge gilt es, die Wahrheit zu setzen."

Die vier Märtyrer, die katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink, waren nach dem Bombenangriff auf Lübeck vom März 1942 festgenommen worden. Stellbrink, seit 1934 Pastor an der Lutherkirche, hatte in der Brandnacht bei Löscharbeiten geholfen. Übermüdet stand er am 29. März auf der Kanzel. Der Gestapo wurde hinterbracht, er habe von einem Gottesgericht gesprochen. Neun Tage später wurde er zu einem Verhör geholt. Er hat seine Wohnung nie wieder gesehen.

Bis zur Verhaftung der Kapläne dauerte es Wochen. Johannes Prassek wurde am 18. Mai verhaftet, Hermann Lange und Eduard Müller am 18. beziehungsweise 22. Juni 1942. Zur Last gelegt wurde ihnen das Hören von "Feindsendern", die Verbreitung von Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, und in Gruppenabenden "Hetze gegen den nationalsozialistischen Staat" betrieben zu haben.

Zum Prozess kam eine Kammer des Volksgerichtshofs aus Berlin nach Lübeck. Prozessbeginn war am 23. Juni 1943. Zeugen wurden nicht gehört. Drei Tage später wurden die Todesurteile gesprochen. Vom Lübecker Untersuchungsgefängnis wurden die Verurteilten nach Hamburg gebracht. Mehrere Monate hielt man sie im Ungewissen. Am 10. November 1943, an Martin Luthers Geburtstag, wurde ihnen mitgeteilt, dass es um 18 Uhr "so weit" sei. Sie starben unter dem Fallbeil des Henkers im Dreiminutentakt zwischen 18.20 und 18.29 Uhr.

Die Sondermarke kommt in einer Auflage von 4,216 Millionen Exemplaren am 11. Oktober an die Postschalter. Vier Millionen Zeichen für den Glauben, vier Millionen Zeichen gegen das Unrecht, sagte Staatssekretärin Hagedorn.

Einen Ausschnitt der Rede von Dr. Stefan Heße hören Sie im Originalton unterhalb des Bildes.

Bürgermeister Jan Lindenau, Bischöfin Kerstin Fehrs, Ministerpräsident Daniel Günther, Staatssekretärin Bettina Hagedorn und Erzbischof Dr. Stefan Heße stellten die Marke vor. Fotos: JW

Bürgermeister Jan Lindenau, Bischöfin Kerstin Fehrs, Ministerpräsident Daniel Günther, Staatssekretärin Bettina Hagedorn und Erzbischof Dr. Stefan Heße stellten die Marke vor. Fotos: JW



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 125258   Autor: TD   vom 04.10.2018 20.43

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