Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

HL-live.de

Sonntag,
der 16. Dezember 2018






Webers neuer Lübecker Freischütz gruselig und modern

Carl Maria von Webers "Freischütz" ist eine der bekanntesten Opern auf unseren Bühnen. Für viele ist sie die romantische deutsche Oper schlechthin. Jahrzehnte war sie in Lübeck nicht zu sehen. Jetzt gibt es eine neue Einstudierung, die bei der Premiere am Freitag Diskussionen auslöste. Für das Regieteam um Jochen Biganzoli gab es heftige Buh-, aber auch laute Bravorufe.



Den "Freischütz" in Lübeck auf die Bühne zu bringen, stößt auf eine geografische Schwierigkeit. Eutin mit der Freilichtbühne am Großen See liegt zu nahe. Dort gibt es seit 1951 die sommerlichen Festspiele, und keine Oper ist in Webers Geburtsort so häufig inszeniert worden wie "Der Freischütz". Manche sagen, in dieser Oper spiele der deutsche Wald die Hauptrolle, und der lässt sich in der freien Natur besser imaginieren als im Theaterraum.

Der deutsche Wald war vor Jahrhunderten nicht nur von Wolfsrudeln, sondern auch von anderen Gefahren umlauert. Hinzu kommt, dass kein Geringerer als Theodor W. Adorno vom "Freischütz" als der deutschen Nationaloper spricht. Damit waren für Regisseur Biganzoli und sein Team (Bühne: Wolf Gutjahr, Kostüme Katharina Weissenborn) die Stichworte Angst und Deutschland geliefert.

Der Jägerbursche Max hat Angst, beim Probeschuss zu versagen. Seine Braut Agathe hat Angst vor dem Alleinsein. Caspar hat Angst vor dem Teufel, und alles spielt unheimlich dicht am oder im finsteren Wald. Biganzoli strich die bekannten Dialoge, fügte dafür andere Texte ein.

Schon im ersten Akt wird die Szene aufgebrochen. Sänger und Darsteller sind auch im Parkett und im Rang zu finden. Steffen Kubach (Kilian) betätigt sich als muntermachender Conferencier. Gruselig wird es beim Gießen der Freikugeln in der Wolfsschlucht. Hier werden die zu Fratzen verzerrten Gesichter besonders deutlich von der Handkamera eingefangen und auf die helle Rückwand geworfen.

Nach der Pause hat sich das Bild geändert. "Angst" liest man in grellem Rot über die gesamte Bühnenbreite. "Willkommen in Deutschland" heißt es. Man hört Redeausschnitte von Frau Merkel und weiteren Politikern. Dazu lächeln als Pappkameraden Fußballer Özil, der deutsche Papst, sind Symbole der Wirtschaft und politischer Bewegungen zu entdecken.

Dass dann, geleitetet von den Brautjungfern, zum Einbürgerungstest geladen wird, dass heutige Ängste durch Interviews ins musikalische Geschehen einfließen, das war manchem Besucher offenbar zuviel der neuen Annäherung an die 200 Jahre alte Oper. Inzwischen saßen etwa 50 Theaterbesucher mit Erlebniskarten auf der Bühne, durften den schönen grünen Jungfernkranz mitwinden.

Schöne Stimmen waren zu hören: die Agathe von Maria Fernanda Castillo mit edlem, schlankem Sopran, das Ännchen (Andrea Stadel) kräftig und koboldhaft aufspielend, Max (Tobias Hächler) mit fast schon heldenhaftem Tenor. Seinen Kollegen Caspar stattet Taras Konoshchenko mit abgrundtiefem Bass aus. Den Fürsten Ottokar gab Gerard Quinn tadellos, ebenso Lucas Kurt Kunze den Erbförster. Der Eremit (Minhong An) verkündete von erhöhter Kanzel das gute Ende.

Stark und mit vielen Schattierungen waren die Damen und Herren von Chor und Extrachor zu vernehmen (Einstudierung Jan-Michael Krüger). Andreas Wolf am Pult holte aus den Philharmonikern ohne jede Hast jede Menge schöner Stellen heraus, ließ die Hörner Jagdstimmungen und die tiefen Instrumente Unheimliches erzeugen. Ihnen allen galt der einhellige Beifall des Publikums. Bei der Regie war – wie erwähnt – das Echo geteilt.

Weitere Vorstellungen sind am Sonnabend, 20. Oktober (19.30 Uhr), Mittwoch, 31. Oktober (19.30 Uhr), Sonntag, 11. November (18 Uhr), Sonntag, 18. November (16 Uhr).

Die Inszenierung stieß beim Premierenpublikum auf ein geteiltes Echo. Fotos: Paul Leclaire

Die Inszenierung stieß beim Premierenpublikum auf ein geteiltes Echo. Fotos: Paul Leclaire


Text-Nummer: 125401   Autor: TD   vom 13.10.2018 09.00

Text teilen: auf facebook +++ auf google+ +++ Über Kontaktformular

Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken.


Kommentare sind am Wochenende leider nicht möglich.

HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender

Service:
Adventskalender
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.