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Freitag,
der 16. November 2018






Lübeck: Gewerkschaft fordert mehr Kontrollen zum Arbeitsschutz

Gefahr im Verzug – und keiner schaut hin: Behörden kontrollieren in Lübeck nur selten, ob Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau).

In Schleswig-Holstein standen 79.000 Betrieben zuletzt lediglich 54 Arbeitsinspekteure bei der Gewerbeaufsicht gegenüber. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. „Firmen müssen praktisch nur alle paar Jahre mit einer Kontrolle rechnen – wenn überhaupt. Allein in Lübeck haben wir fast 5.400 Betriebe“, sagt IG Bau-Bezirksvorsitzender Ralf Olschewski.
 
Angesichts dieser Zahlen überrasche es kaum, wenn es mancher mit der Arbeitssicherheit nicht so genau nehme, so der Gewerkschafter. Doch gerade auf dem Bau könne das fatale Folgen haben. Nach Angaben der Gesetzlichen Unfallversicherung kam es auf schleswig-holsteinischen Baustellen im vergangenen Jahr zu rund 4.500 Arbeitsunfällen – fünf von ihnen endeten tödlich.
 
Mit dem aktuellen Bau-Boom könnte das Unfallrisiko sogar steigen, warnt die IG Bau Holstein. „Volle Auftragsbücher und das Arbeiten unter Zeitdruck führen allzu oft dazu, dass auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird“, so Olschewski. Immer wieder beobachte er, wie Bauarbeiter ungesichert auf Gerüsten balancierten. Der fehlende Sicherheitsabstand zu Baggern und Kränen erhöhe die Unfallgefahr ebenfalls drastisch. „Dabei ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für den Schutz seiner Beschäftigten zu sorgen. Tut er das nicht, macht er sich strafbar“, betont Olschewski.
 
Allerdings hielten sich viele Baufirmen nur dann an das Gesetz, wenn sie mit Konsequenzen rechnen müssten. Und die Zahl staatlicher Kontrollen geht nach Angaben der Bundesregierung seit Jahren zurück.

So besuchten die Gewerbeaufsichten der Bundesländer im Jahr 2006 rund 370.000 Betriebe. Zehn Jahre später waren es nur noch knapp über 200.000. Die IG Bau fordert, das Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufzustocken. Nur so könne man wieder auf ein vernünftiges Kontroll-Level kommen.

„Schließlich müssen die Beschäftigten in den Betrieben und auf den Baustellen in Lübeck das Gefühl haben, dass der Arbeitsschutz auch wirklich unter die Lupe genommen wird“, sagt Olschewski.
 
Die Berufsgenossenschaften, die ebenfalls die Arbeitssicherheit kontrollieren, könnten das staatliche Defizit nur zum Teil kompensieren, so Olschewski weiter. Immerhin habe die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in den letzten Jahren deutlich mehr Stellen für den Arbeitsschutz geschaffen.

Und bei der BG Bau können sich Beschäftigte selbst melden, wenn es brenzlig wird – unter der Notruf-Hotline 0800 / 80 20 100. Die Anrufer bleiben hierbei anonym. Und Unternehmer, die beim Arbeitsschutz auf Risiko setzen, müssen mit einer raschen Visite der Arbeitsinspekteure rechnen.

Die IG Bau fordert mehr Arbeitsschutz und weist auf die Helmpflicht hin. Foto: IG Bau

Die IG Bau fordert mehr Arbeitsschutz und weist auf die Helmpflicht hin. Foto: IG Bau


Text-Nummer: 125493   Autor: IG Bau HL   vom 18.10.2018 12.00

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