Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

HL-live.de

Sonntag,
der 18. November 2018






Thomas Mann und der Stalin-Preis

Eine hochinteressante und abwechslungsreiche Vortragsveranstaltung über Thomas Mann und sein Verhältnis zum Kommunismus fand im Hoghehus am Koberg statt. Kenntnisreiche Fachreferenten untersuchten dieses komplexe Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

In Kooperation hatten das Buddenbrookhaus, vertreten durch die Leiterin Birte Lipinski und die Deutsche Auslandsgesellschaft, vertreten durch den Geschäftsführer Martin Herold gemeinsam zu der Veranstaltung eingeladen.

Grundlegendes zur Thematik gab es zunächst einmal aus berufenem Munde. Kein geringerer als Professor Ruprecht Wimmer, langjähriger Vorsitzender der Thomas-Mann-Gesellschaft führte in die Thematik ein und beleuchtete Thomas Manns recht komplexes Verhältnis zum Kommunismus, das im Laufe seines Lebens immer wieder neu definiert werden musste. Vereinnahmen lassen von der politischen Ideologie hat er sich nie. Russland und seine Literatur hingegen hatten für ihn immer eine besondere Qualität und gerade in den literarischen Bezügen höchsten Stellenwert.

Spannung kam dann im Auditorium auf beim Vortrag von Dr. Alexej Baskakov, als er von den Recherchen zu seinem kürzlich erschienenen Buch "Ich bin kein Mitläufer - Thomas Mann und die Sowjetunion" berichtete. Er verstand es, sehr spannend zu berichten, wie er nach Manier eines gestandenen Tatort-Kommissars verschiedene russische Organisationen nach Informationen systematisch durchforstet hatte. Dabei erfuhren die amüsierten Zuhörer, dass man heutzutage dem einst gefürchteten KGB einfach mal so eine Email schreiben kann und fragen kann: "Habt ihr zufällig etwas über Thomas Mann in den Akten?"

Sie hatten nicht, aber in den Bibliotheken anderer Archive wurde Baskakov durchaus fündig. Nach dem alten Ermittlungsprinzip "folge der Spur des Geldes" erfuhr man dann interessantes über finanzielle Transaktionen zwischen Russland und der späten Thomas Mann Residenz in der Schweiz.

Unter anderem wurde auch ein besonderes Schmankerl bekannt. Offenbar wurde Thomas Mann im Zeitraum 1954 bis 1955 von sowjetischer Seite angetragen, doch den "Stalin-Friedenspreis" entgegenzunehmen. Stalin war da zwar bereits verblichen, wirkte aber ideologisch offenbar immer noch nach. Der Preis war mit einer lukrativen Summe ausgestattet, aber auch die konnte Thomas Mann nicht bewegen, sich auf das Ansinnen einzulassen. Er lehnte ab. Zum Glück, denn bereits 1956 brach Generalsekretär Nikita Chruschtschow mit der Stalin Vergangenheit und legte Terror und Willkür der Stalin-Ära offen.

Ganz andere Akzente setzte anschließend die junge Kulturwissenschaftlerin Barbara Eschenburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum Lübeck. Sie untersuchte Einflüsse Dostojewskis im Werk Thomas Manns und fand insbesondere im Zauberberg zahlreiche Passagen, die den Einfluss des großen russischen Dichters auf die Literatur von Thomas Mann in eindrucksvoller Weise belegten.

Einen besonderen Akzent erhielt die Veranstaltung durch die Anwesenheit von drei Deutschlehrerinnen aus den weiten Russlands, die sich zurzeit in Lübeck aufhalten, um an der Baltischen Deutschlehrertagung, veranstaltet von der Deutschen Auslandsgesellschaft, teilzunehmen. Als sie von der Vortragsveranstaltung erfuhren, haben sie ihren Aufenthalt in Lübeck spontan verlängert, um sich die für sie höchst interessanten Vorträge anzuhören.


Gruppenbild mit weit angereisten Gästen: Thomas Schmittinger, Valentina Doneckaja, Martin Herold, Elena Negodina, Prof. Ruprecht Wimmer, Elena Ryzhova und Birte Lipinski.

Überraschend für die Veranstalter baten sie am Ende der Veranstaltung noch einmal um das Wort. Dozentin Elena Ryzhova von der Universität Pensa an der Sura dankte in herzlichen Worten für die inspirierenden Tage in Lübeck und betonte besonders den hohen Wert der menschlichen Beziehungen. Valentina Doneckaja aus Zimljansk am Don berichtete kurz von ihrer Lehrtätigkeit und betonte, zur großen Freude von Referentin Barbara Eschenburg, dass ihre Schüler regelmäßig mit Dostojewski ab Klasse 8 und mit Thomas Mann ab Klasse 10 für die große Literatur begeistert werden.

Elena Negodina aus Tomsk in Westsibirien erhielt zum Abschluss besonders gute Wünsche für die weite Heimreise von Thomas Schmittinger, der als Vizepräsident der Auslandsgesellschaft und Vorstandsmitglied des Fördervereins Buddenbrookhaus für beide ausrichtenden Veranstalter die Schlussworte sprach. Sie muss über fünf Zeitzonen reisen, machte er allen klar. Das entspricht immerhin einer Entfernung bis nach Boston Massachusetts, wenn man nach Westen statt nach Osten fährt. Elena hat es nicht bereut. Tagung und Vortrag waren für sie ein ganz besonderes Erlebnis.

Im O-Ton (unterhalb des Bildes) hören Sie ein Interview mit Birte Lipinski, Leiterin des Buddenbrookhauses.

Prof. Dr. Ruprecht Wimmer sprach über das Verhältnis von Thomas Mann zum Kommunismus. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann

Prof. Dr. Ruprecht Wimmer sprach über das Verhältnis von Thomas Mann zum Kommunismus. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 125586   Autor: Harald Denckmann   vom 22.10.2018 16.51

Text teilen: auf facebook +++ auf google+ +++ Über Kontaktformular

Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken.


Kommentare sind am Wochenende leider nicht möglich.

HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender

Service:
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.