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Sonntag,
der 18. November 2018






Uni erforscht gesundes Altern

Fördern die Tanyzyten des Gehirns das gesunde Altern? Die Fragestellung klingt sehr wissenschaftlich, das Ergebnis betrifft aber alle Menschen. Prof. Dr. Markus Schwaninger von der Uni Lübeck hat eine Förderung von 2,9 Millionen Euro erhalten, um die Frage zu beantworten.

Prof. Dr. Markus Schwaninger, Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität zu Lübeck, wird zusammen mit zwei Forschern aus Frankreich und aus Spanien mit einem der außerordentlich renommierten und hoch dotierten Synergy Grants des Europäischen Forschungsrates gefördert. Die drei erhalten 9,9 Millionen Euro über sechs Jahre für ihr gemeinsames Forschungsprojekt zur Rolle bestimmter Gehirnzellen, der Tanyzyten, für ein gesundes Altern. 2,9 Millionen Euro davon gehen an Prof. Schwaninger.

Für die zunehmend älter werdende Bevölkerung in Europa ist das gesunde Altern eine wichtige Herausforderung. Im Laufe des Lebens erfordert der Erhalt von Wohlbefinden und Gesundheit einen fortwährenden Dialog zwischen Gehirn und dem übrigen Körper. Um informierte und angemessene Entscheidungen zu treffen und die Balance in den Stoffwechselvorgängen des Körpers (Homöostase) zu erhalten, muss das Gehirn wissen, was in der Peripherie vorgeht.

Die wichtigste Steuerzentrale für verschiedene homöostatische Prozesse liegt im Hypothalamus, einer kleinen Struktur am Boden des Gehirns. Das Team des Forschungsprojekts "Well-Aging and the Tanycytic Control of Health" (WATCH) an den Universitäten Lille, Lübeck und Santiago de Compostela hat das Ziel, die Funktion von glialen Stützzellen im Hypothalamus, sogenannten Tanyzyten, als Vermittler der Kommunikation zwischen Hypothalamus und peripherem Körper aufzuklären. Tanyzyten liegen ideal am Boden des dritten Hirnventrikels und sind mit Blut und Gehirnwasser in Kontakt; über ihre Funktion ist aber noch wenig bekannt.

Vincent Prévot (Inserm, Université de Lille, CHU de Lille), Markus Schwaninger (Universität zu Lübeck) und Ruben Nogueiras (Universidade de Santiago de Compostela) wollen neueste Techniken der molekularen und systemischen Neurowissenschaften, der Mausgenetik und der translationalen Forschung einsetzen, um die vielseitige Bedeutung von Tanyzyten zu erhellen. Die Ergebnisse sollen neue diagnostische Marker und neue therapeutische Ansätze liefern für eine Vielzahl unterschiedlicher Störungen, die das gesunde Altern gefährden.

Grants des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC) zählen zu den höchsten Auszeichnungen, die ein europäischer Wissenschaftler aus öffentlicher Förderung erreichen kann. Sie gelten in der Wissenschaft als Ausweis höchster Exzellenz. Die besondere Förderkategorie des Synergy Grant, der die kollegiale internationale Zusammenarbeit von zwei bis vier Forschern erfordert, geht mit der Auszeichnung für Prof. Schwaninger erstmals an die Universität zu Lübeck.

Die Anforderungen, einen Synergy Grant zu erlangen, sind hoch. Nur neun Prozent der eingereichten 295 Anträge wurden für die Förderung ausgewählt. Synergy Grants gehen an 88 Forscherinnen und Forscher an 63 Universitäten und Forschungszentren in 17 Ländern, die in 27 Projekten miteinander zusammenarbeiten. Das Gesamtfördervolumen beträgt 250 Millionen Euro.

Prof. Dr. Markus Schwaninger ist Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität zu Lübeck. Foto: Uni

Prof. Dr. Markus Schwaninger ist Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität zu Lübeck. Foto: Uni


Text-Nummer: 125969   Autor: Uni   vom 08.11.2018 16.17

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