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HL-live.de

Sonnabend,
der 15. Dezember 2018






Lars von Triers Dogville: Von der Leinwand auf die Bühne

In Lübeck als Stadt der Nordischen Filmtage ist der Name des dänischen Regisseurs Lars von Trier den meisten Kulturbeflissenen ein Begriff. Vor 15 Jahren kam sein Film "Dogville" heraus. Er erlangte Kultstatus, ist auf Videos und anderen Medien immer noch zu sehen. Wer ihn nicht kennt, kann jetzt eine Theaterfassung erleben. In den Kammerspielen war am Freitag Premiere.



Ähnlich wie bei Friedrich Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" ist "Dogville" ein Stück der Rache. Aber anders als bei Dürrenmatt wird die Rache, zumindest in der Lübecker Fassung und unter der Regie von Clara Weyde, nicht genüsslich ausgekostet. Manches bleibt Andeutung, und das reicht durchaus zum Verstehen.

Der Film spielt in den Jahren der Weltwirtschaftskrise um 1930 in einem finsteren hinterwäldlerischen Dorf in den USA, eben in Dogville, wo die Straße der Zivilisation endet. Die Stückfassung der jungen Hamburger Regisseurin verzichtet auf die zeitliche Fixierung. Sie wollte offenbar zeigen, dass eine Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden und jede kennt, in der nichts verborgen bleibt, zwar von Gemeinschaft und Zusammenhalt redet, dass aber jeder Egoist bleibt und zum Triebtier werden kann.

Auch dass eine Gesellschaft in Krisenzeiten nach einem Sündenbock sucht, ist nicht neu. Dass man den Sündenbock in dem oder der Fremden findet, sogar mehr als aktuell. Die Bewohner von Dogville nehmen eine Frau auf der Flucht auf, verstecken sie, unternehmen sogar Integrationsversuche. Wovor die Fremde geflüchtet ist, wissen sie nicht. Als sie per Steckbrief als Beteiligte an einem Bankraub gesucht wird, wendet sich das Blatt.

Obwohl die Menschen wissen, dass Flüchtling Grace die Bank nicht überfallen haben kann, weil sie zur Tatzeit, von Allen beobachtet, bei ihnen im Dorf war, nutzen sie die Lage aus, erniedrigen, peinigen und missbrauchen die Frau. Sie wird zum willenlosen Opfer der Begierden ihrer Mitmenschen.

Im Bühnenbild von Eylien König ist die Szene von dichtem Dschungel umgeben, das Dorf zudem von einer Mauer begrenzt. Eine Erzählerstimme bringt über Lautsprecher von Zeit zu Zeit die Handlung weiter, die zielstrebig dem bitteren Ende zutreibt. Clara Weyde bietet keine platte Schlusslösung, sondern Auseinandersetzung, Denkanstöße bis fast zum Ende.

Große Leistungen zeigen die acht Darsteller. Agnes Mann als aufopferungsbereite Grace ist groß in ihrer Menschlichkeit, Johann David Talinski als ihr edelmütiger Retter Tom offenbar auf der Suche nach echten Gefühlen, für die er noch nicht reif zu sein scheint. Susanne Höhne, die zweite Frau auf der Bühne, wird von der Freundin zur Feindin. Starke Momente hat auch Andreas Hutzel als Blinder mit Begierden und später als Gangsterboss.

Jan Byl, der Apfelfarmer, wandelt sich vom schroffen Gegner zum Liebhaber, der Respekt erheischt. Matthias Hermann (Ben), ebenfalls ein verständnisvoller Freund, kann seine Begierden nicht im Zaum halten. Bleiben zwei Herren in langen Damenkleidern. Henning Sembritzki kann die Rolle der frommen Betschwester hervorragend umsetzen. Robert Brandt als geschäftstüchtige Mutter Ginger ist sich offenbar des Geschlechts nicht ganz im klaren.

Gespielt wird ohne Pause. Zwei Stunden und zehn Minuten vergehen schnell und ermüden die Zuschauer nicht, die am Premierenabend lange und herzlich applaudierten. Die nächsten Termine: am Sonntag um 18.30 Uhr (Theatertag, Eintritt elf Euro), am 13. Dezember (20 Uhr) und am 23. Dezember (16 Uhr).

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Kerstin Schomburg

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 126000   Autor: JW   vom 10.11.2018 09.16

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