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HL-live.de

Sonnabend,
der 15. Dezember 2018






Lübecker schreiben Protestbrief an den Papst

Der Freundeskreis "„Christliche Akzente Lübeck" (CAL) hat einen Protestbrief an die päpstliche Glaubenskongregation geschrieben. Hintergrund ist die Entziehung eines Rektorats des kritischen Theologieprofessors Ansgar Wucherpfennig.

Wir veröffentlichen den Brief im Wortlaut:

(")Der katholische Freundeskreis CAL „Christliche Akzente Lübeck“ und alle weiteren befreundeten 34 Kreise in Deutschland und der Schweiz sind eng verbunden mit den Jesuiten. Der Bundesverband CRM und wir stellen uns klar und deutlich gegen den Machtmissbrauch der Glaubenskongregation des Vatikans und solidarisieren uns mit dem kritischen Theologieprofessor Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig SJ, dem die Weiterführung des Rektorates der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt-St. Georgen seitens Roms nicht erteilt und damit entzogen wurde. Vatikanische Behörden ignorieren seine Erkenntnisse der historisch-kritischen Bibelwissenschaft und erteilen ihm nicht das „Nihil obstat“, die Unbedenklichkeitserklärung – u.E. eine Reminiszenz an das mit Hitler im Jahr 1933 abgeschlossene Reichskonkordat, in dem Jahr, als der sel. Märtyrer Johannes Prassek noch Student an der besagten Hochschule war.

Wucherpfennig hatte sich als Bibelwissenschaftler u.a. 2016 gegen den Ausschluss von Frauen von kirchlichen Weiheämtern ausgesprochen, er hat zu Fragen der Sexualität z.B. die historische Bedingtheit (und damit sachliche Begrenztheit) biblischer Aussagen zur Homosexualität aufmerksam gemacht, er hat zur Macht und der Geschlechtergerechtigkeit geforscht und veröffentlicht. Dabei hat er den allgemeinen Stand der Forschung ausgesprochen.

Wir haben es satt. Anstatt in einem offenen theologischen Prozess zu klären und aufzuklären, wird abermals versucht, theologische und seelsorglich drängende Themen disziplinarisch zu erledigen und zu tabuisieren, etwa im sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Täter und Täterinnen, und die, die es vertuschen, sollen entlassen und zur strafrechtlichen Verfolgung den Staatsanwälten übergeben werden. Wenn Theologinnen und Theologen mit Sanktionen bedroht werden, die zu den Fragen von Sexualität, Macht und Geschlechtergerechtigkeit forschen, verschärft dies den aktuellen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust in kirchliche Amts- und Machtstrukturen.

Unser Freundeskreis CAL ist Ort kirchlichen Lebens in der Pfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“ und wurde 1951 noch unter den Eindrücken des Unrechtregimes von acht namhaften, katholischen Persönlichkeiten aus Lübeck in der heutigen Krypta der Herz Jesu Kirche gegründet. Sie wurde gegründet, wachsam zu sein, dass niemand, nie wieder mundtot gemacht werden darf, gerade auch vor den Geschehnissen um die vier Lübecker Märtyrer. Wir Lübecker Freunde haben eine Verpflichtung mit auf den Weg bekommen, darum erheben wir Protest.

Unter den Gründungsmitgliedern waren Konsul Hans-Leopold Höhl, der Jesuitenpater Dr. Josef Schäfer SJ und Senator Adolf Ehrtmann, der eine enge Freundschaft zu den vier Lücker Märtyrern pflegte. Einer von ihnen, Kaplan Johannes Prassek, geboren 1911, 1937 zum Priester geweiht, hingerichtet 1943 und seliggesprochen 2011, war von 1931 bis 1933 Student an der besagten Hochschule Frankfurt-St. Georgen und hier ist er in die Hall of Fame aufgenommen worden.

Die Entscheidung der römischen Glaubenskongregation, Professor Pater Wucherpfennig SJ das „Nihil obstat“ nicht zu erteilen, löst bei allen Mitgliedern, aber auch bei Bischöfen und renommierten Vereinigungen von Theologen (Fakultätentag, Europ. Gesellschaft für katholische Theologie) viel Unmut aus. Wir kritisieren die Entscheidung inhaltlich und formal.

Wir äußern uns besonders im Zusammenhang der Missbrauchs-Debatte, der Auseinandersetzung um den Zentralismus der römischen Kurie, des Anspruches Betroffener auf rechtliches Gehör und überhaupt auf ein rechtliches Verfahren und der offenen Bemühung um die Klärung moralischer Positionen in der Kirche.

1. Die Behandlung des dokumentierten Missbrauchs in der Katholischen Kirche hat in der katholischen Öffentlichkeit und weit darüber hinaus den Eindruck entstehen lassen, dass die Hierarchie nicht zur restlosen Transparenz und zur unabhängigen rechtlichen Aufarbeitung bereit ist. In diesem Zusammenhang wirkt das römische Vorgehen im Fall Wucherpfennig wie eine Bestätigung solcher Beobachtungen und Verdachtsmomente. Die katholische Kirche kann es sich nach unserer Ansicht gar nicht mehr leisten, das gut begründete Rechtsempfinden der Bürger und Bürgerinnen, der Katholiken und Katholikinnen, der Bischöfe vor Ort, der zuständigen Ordensoberen und der Theologen und Theologinnen mit autoritären Entscheidungen ohne ausreichende Kommunikation zu verletzen.

2. Nach unserer Wahrnehmung ist Papst Franziskus angetreten, den bleiernen Zentralismus der römischen Kurie aufzubrechen und die Kurie zu reformieren. Entscheidungen, die auf einem sog. „außerordentlichen“ Verfahren der Glaubenskongregation beruhen, das auf Medienberichten und vermutlich auf Denunziationen zurückgreift, widersprechen dem Reformwillen. Dies ist ein Rückfall um 50 Jahre, als im Zusammenhang mit Geburtenregelung und Sexualethik solche Entscheidungen gefällt wurden. Sie waren schon damals nicht richtig. Und sie entsprachen nicht dem ganz allgemein, auch von der Kirche, einzufordernden Normen rechtlicher Verfahren. Das Kirchenrecht kann ein Sonderrecht, aber es darf kein Unrecht sein.

3. Pater Wucherpfennig SJ fand kein „rechtliches Gehör“, das mit einer entsprechenden Akteneinsicht sowie mit einem transparenten und kommunikativen Verfahren verbunden gewesen wäre. Nach den geschäftlichen Gewohnheiten der Kongregation, gibt es diese Rechtsmittel nicht, wenn unmittelbare Gefahr von den Gläubigen abgewendet werden soll. Die Kongregation rechnet offensichtlich nicht mit der Mündigkeit von Gläubigen und meint, sie bevormunden und schützen zu müssen. Das erscheint aber eher als Vorwand für autoritäre Selbstbehauptungen, also für den eigenen Machterhalt.

4.Die gestörte Kommunikation zwischen Rom, den mitverantwortlichen Bischöfen und Ordensoberen fällt in diesem Zusammenhang besonders auf. Auch dafür ist ein Zentralismus verantwortlich, der keine örtlichen und strukturellen Verantwortungen unterer Ebenen dulden und nicht delegieren kann. Ein Reformwille der Kirche wird dadurch desavouiert.

5. Die inhaltliche Auseinandersetzung um die Homosexualität ist sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche sehr präsent. Die biblischen und naturrechtlichen Begründungen überkommener Gebotsnormen stehen auf dem Prüfstand. Pater Wucherpfennig hat hier mit seiner biblischen Kompetenz zur Debatte beigetragen. Durch eine Widerruf-Forderung an den Rektor von St. Georgen lässt sich diese Debatte nicht unter den römischen Teppich kehren.

Der Freundeskreis CAL Christliche Akzente Lübeck und sein Bundesverband CRM stehen uneingeschränkt hinter Pater Wucherpfennig SJ.

Christliche Akzente Lübeck
Ulrich Thiele, Altvorsitzender(")

Ulrich Thiele ist Altvorsitzender der CAL. Foto: privat

Ulrich Thiele ist Altvorsitzender der CAL. Foto: privat


Text-Nummer: 126028   Autor: CAL   vom 11.11.2018 13.35

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