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Freitag,
der 14. Dezember 2018






St. Jakobi beschäftigt sich mit Gedenkkultur

Am Volkstrauertag, Sonntag, 18. November 2018, feiert die St.-Jakobi-Kirchengemeinde mit Schülerinnen und Schülern des Johanneums einen Gottesdienst zum Thema Gedenkkultur. Beginn ist um 10.40 Uhr. Ausgehend von der Kultur des Gedenkens der 1918er Jahre wird ein Bogen geschlagen zu einer neuen Gedenkkultur des 21. Jahrhunderts.

Hintergrund ist die Auseinandersetzung der österreichischen Künstlerin Maria Moser mit dem "Landsturmmann" und den zum Teil rassistischen Äußerungen von Fritz Behn. Oberstufenchor und -orchester unter der Leitung von Maria Salomon und Gernot Maetzel werden dazu das Requiem von Gabriel Fauré zu Gehör bringen.

Die Kirchengemeinde hatte im Jubiläumsjahr der Reformation (2017) die renommierte österreichische Künstlerin Maria Moser beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, der Gefallenen der Kriege als Opfer zu gedenken. In ihrem Konzept verdeckte die Künstlerin die Skulptur von Fritz Behn durch eine acht Meter hohe translozierende Stoffbahn in der Form eines angedeuteten Kreuzes, ohne dass diese dahinter komplett verschwindet. Die "Alte Gedenkkultur" tritt in den Schatten des neuen Denkens. Die Farbigkeit des mit durchsichtigen Glasfarben bemalten Stoffes, orientiert sich bewusst an der Farbigkeit der Lutherrose und soll zur Diskussion anregen.

Der Kirchenvorstand von St. Jakobi rief 1920, wie die meisten anderen Gemeinden auch, unter der programmatischen Überschrift "unserer Heldenehrung sei die Tat" zu Spenden für ein Ehrenmal auf. Für die Umsetzung war in der Regel ein eigens vom Kirchenvorstand eingerichteter Ausschuss verantwortlich, der sich um die finanziellen Aspekte und die Auswahl des Künstlers kümmerte, aber auch darüber wachte, dass die kirchliche Interpretation des großen Krieges eine entsprechende Visualisierung bekam.

An der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes der St. Jakobi-kirche wurde daraufhin 1921 eine etwa vier Meter hohe Granitskulptur von Fritz Behn "der trauernde Landsturmmann" installiert. Da die Gemeinde nicht genug Geld hatte, wurden die Namen der "gefallenen Helden" später links und rechts der Skulptur in Backstein geschrieben.

Warum sich der Kirchenvorstand damals für Fritz Behn entschied, ist aus heutiger Sicht zumindest fragwürdig, hatte sich Behn doch schon sehr früh im Sinne des damals vorherrschenden Zeitgeists zu kolonialpolitischen Fragen geäußert. So vertrat er 1911/12 in einem Zeitschriftenbeitrag die Auffassung, man sei in den Kolonien entweder "Herr" oder gar nicht. Die Kolonialfrage sei keine der Menschenrechte, der Gleichheit, der Freiheit oder der Moral. Das deutsche Kaiserreich ("wir") würde nicht deshalb Kolonien haben wollen, damit die Augen der Schwarzen leuchteten, "sondern weil wir uns ausdehnen müssen".

Auch nach Entstehen der demokratischen Republik blieb Behn bei seiner nationalistischen und antidemokratischen Haltung. Aus seinen Schriften wird sein Kampf gegen das Weimarer demokratische System deutlich. Gute Kontakte zu Adolf Hitler, den Behn offenbar früh wertschätzte, sind mindestens seit 1921 nachgewiesen.  Der NSDAP schloss er sich bereits in deren früher "Kampfzeit" an. Diese innere Einstellung hat aus Sicht des Kirchengemeinderats auch Wirkmacht in den - unumstritten künstlerisch wertvollen - Skulpturen Behns.

Das Kreuz von Maria Moser in St. Jakobi. Foto: Lutz Jedeck

Das Kreuz von Maria Moser in St. Jakobi. Foto: Lutz Jedeck


Text-Nummer: 126161   Autor: Kirchenkreis   vom 16.11.2018 09.33

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